https://www.faz.net/-gpf-z69d

Generalmajor Markus Kneip : Kein Draufgänger

Einen Tag vor dem Attentat traf Generalmajor Marlus Kneip in Kundus Verteidigungsminister de Maizière beim Truppenbesuch Bild: Reuters

Er gilt als umsichtig und eher bedächtig: Der deutsche Generalmajor Markus Kneip führt das Regionalkommando über die internationale Isaf-Truppe im Norden Afghanistans. Verwundet überlebte er den Anschlag in Talokan.

          2 Min.

          Als Markus Kneip im Februar nach Afghanistan zurückkehrte, um zum zweiten Mal das Regionalkommando über die internationale Isaf-Truppe im Norden Afghanistans zu übernehmen, da war die Zusammenarbeit mit den Afghanen das bestimmende Thema.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Man werde „Schulter an Schulter“ mit diesen Verbündeten vorangehen, gab ihm der Isaf-Oberkommandierende, der amerikanische General David Petraeus, mit auf den Weg. Und der deutsche Generalmajor verwies auf seine Erfahrungen aus dem Jahr 2006: „Ich habe in meinem ersten Einsatz in Afghanistan erlebt, dass man auf die Afghanen als Mensch und als Fachmann zugehen muss.“

          Gemäß dieser Devise hat er am vergangenen Wochenende nach der jüngst gewaltsam eskalierten Demonstration in Talokan das Gespräch mit den wichtigsten regionalen Verantwortlichen gesucht. Dort riss ein Selbstmordattentäter sieben Menschen mit in den Tod.

          Tiefe persönliche Betroffenheit

          Kneip überlebte, mit Splittern und Brandwunden an Arm und Leib und im Gesicht. Doch zwei Männer aus seiner buchstäblich nächsten Umgebung wurden getötet und seine Übersetzerin schwer verletzt. Tiefe persönliche Betroffenheit spricht aus den Worten, die Kneip am Tag nach der Tat äußerte: „Ich habe jeden Tag mit diesen wunderbaren Menschen zusammengearbeitet. Ich denke an sie und ihre Familien. Ich bete für sie und für die Genesung der Verletzten. Gott beschütze sie.“

          Der katholische Christ wurde vor 55 Jahren in Koblenz geboren. Er ist verheiratet und Vater zweier Söhne. Nach seinem Abitur trat Kneip 1975 in die Bundeswehr als Offizieranwärter ein und wurde zum Truppenführer und Feuerleitoffizier der Artillerie ausgebildet. In Hamburg studierte er Wirtschafts- und Organisationswissenschaften. Dort und später in Camberley erhielt er die deutsche und die britische Generalstabsausbildung.

          Ministeriumsverwendungen hatte Kneip unter anderem als Mitarbeiter der Heeresinspekteure Willmann und Gudera. Später führte er die Jägerbrigade 37 „Freistaat Sachsen“, zu der auch Verteidigungsminister de Maizière als Wahlsachse eine besondere Verbundenheit bekundet, und die 1. Panzerdivision in Hannover.

          Umsichtig und eher bedächtig

          Kneip gilt bei Kollegen als umsichtiger, eher bedächtiger als draufgängerischer Offizier. Zugleich ist er, wie er über seinem ersten Afghanistaneinsatz einmal in Celle sagte, gebannt und geprägt vom Land am Hindukusch. Doch die Lage ist eine ganz andere als 2006. Heute führt der Regionalkommandeur Nord 11 000 Soldaten, davon rund 4000 Amerikaner und 5000 Deutsche.

          Nun soll Kneip – zusammen mit der schwerverletzten Soldatin – für drei Wochen zur Wundbehandlung nach Deutschland kommen. Ausdrücklich wünschte er, an der Trauerfeier nächsten Freitag in Hannover teilzunehmen. Dann will er aber wieder zurückkehren, das hat er mit General Petraeus und mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr, Wieker, so abgesprochen. Er sagte: „Ich bin Kommandeur hier im Norden Afghanistans und werde gemeinsam mit meinen Soldaten diesen Auftrag weiter ausführen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Arbeitgeber in Panik : Keiner kennt die Kosten der Grundrente

          1,5 Milliarden Euro könnten für die Grundrente womöglich nicht ausreichen, fürchten die Arbeitgeber. In der Union rumoren die Parlamentarier. Doch die Unions-Minister unternehmen keine hörbaren Anstrengungen mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.