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Gbagbo-Ouattara : Die feindlichen Ivorer

  • -Aktualisiert am

Ewige Rivalen: Laurent Gbagbo (rechts) und Alassane Ouattara im Jahr 2000 Bild: AFP

Alassane Ouattara und Laurent Gbagbo, die feindlichen Ivorer, behandeln die Elfenbeinküste seit Jahren wie ihren Sandkasten. Erst legte Ouattara Gbagbo herein, dann Gbagbo Ouattara. Jetzt ist wieder Ouattara am Drücker. Ein Doppelporträt.

          6 Min.

          Der erbitterte Kampf zwischen Alassane Ouattara und Laurent Gbagbo hat nicht erst nach der Wahl in der Elfenbeinküste vom 28. November vergangenen Jahres begonnen. Neu an der Auseinandersetzung ist nur die Eskalation. Die Fehde der beiden Politiker reicht bis weit in die neunziger Jahre hinein. Gbagbo kämpfte damals noch mit dem Image des Aufrechten unter lauter Bücklingen. Das war kein Trugbild.

          Gbagbo war der einzige führende Politiker der Elfenbeinküste, der für seine Ideen ins Gefängnis ging. Zum ersten Mal wurde er Anfang der siebziger Jahre inhaftiert, als der promovierte Historiker versuchte, die Lehrerschaft des Landes gewerkschaftlich zu organisieren. Zwei Jahre Militärgefängnis war die Folge. Nach seiner Freilassung machte sich Gbagbo für die Einführung des Mehrparteiensystems in der von Staatsgründer Felix Houphouet-Boigny beherrschten Elfenbeinküste stark, woraufhin staatlich gelenkte Medien eine Hetzkampagne gegen Gbagbo begannen, die den Sozialisten aus Angst um sein Leben außer Landes trieb.

          Es folgten sechseinhalb Jahre Exil in Frankreich Mitte der achtziger Jahre. Als die FPI 1988, die seit 1982 im Untergrund arbeitete, offiziell als Partei eingetragen wurde, kehrte Gbagbo in die Elfenbeinküste zurück. Zwei Jahre später trat er bei den ersten Mehrparteienwahlen als einziger Gegenkandidat des übermächtigen Präsidenten Houphouet-Boigny an, errang auf Anhieb 18 Prozent der Stimmen und galt fortan als der „ewige Oppositionelle“. 1992 wurde Gbagbo ein zweites Mal inhaftiert, weil der damalige Ministerpräsident einen Kritiker, der sich nie hatte kaufen lassen, zum Verstummen bringen wollte. Auch Gbagbos Frau ließ er inhaftieren.

          Am Tag vor der Wahl: Laurent Gbagbo und Alassane Ouattara am 27. November 2010 in Abidjan

          Der Ministerpräsident hieß Alassane Ouattara.

          Acht Jahre später, im Jahr 2000, gerieten die beiden wieder aneinander. Damals herrschte eine Militärregierung, die ein Jahr zuvor gegen Präsident Henri-Konan Bédié geputscht und Neuwahlen versprochen hatte. In der von den Militärs gegründeten Übergangsregierung waren auch Mitglieder von Gbagbos Partei „Front populaire ivoirien“ (FPI) und Ouattaras Partei „Rassemblement des Républicains“ (RDR) vertreten. Die Wahlen rückten näher - und Ouattara wurde wieder einmal beschieden, er dürfe nicht kandidieren.

          Denn in der Elfenbeinküste ist das „concept d'ivoirité“ zum Gesetz erhoben worden, eine Art Ariernachweis auf Ivorisch. Ouattara aber konnte nicht beweisen, dass schon seine Eltern Ivorer waren. Im Ferienhaus des zurückgewiesenen Politikers an der Côte d'Azur kam es daraufhin zu einem denkwürdigen Treffen zwischen den Ehepaaren Ouattara und Gbagbo. Hier verständigten sich die beiden Männer darauf, die anstehende Wahl zu boykottieren.

          Doch einmal zurück in Abidjan, wollte Gbagbo davon nichts mehr wissen. Jetzt nämlich rechnete er sich aus, dass er gegen den ebenfalls kandidierenden Putschgeneral Robert Gueï leichtes Spiel haben müsste. So kam es dann auch. Allerdings hatte Gbagbo auch die Unterstützung der paramilitärischen Gendarmerie nötig, um die Armee in Schach zu halten, die Gueï im Amt des Präsidenten durchsetzen wollte.

          Auf Ouattara, der Anfang der neunziger Jahre schon einmal Ministerpräsident war und noch früher beim Internationalen Währungsfonds in Washington Karriere gemacht hatte, wirkte Gbagbos politische Pirouette wie Verrat. Seine Anhänger rief er auf, Gbagbos Wahlsieg nicht anzuerkennen. Das war im Oktober 2000, und Abidjan erlebte in den folgenden Tagen die schlimmsten Straßenschlachten seiner Geschichte.

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