https://www.faz.net/-gpf-z2qq

Gabriele Warminski-Leitheußer : Strebsam im Pisa-Musterländle

Gabriele Warminski-Leitheußer Bild: dpa

Das ist eine Kulturrevolution: Eine Frau mit einer idealtypischen sozialdemokratischen Bildungskarriere wird die grün-roten Bildungsreformen in Baden-Württemberg verantworten.

          2 Min.

          Die Bildungspolitik in Baden-Württemberg wird künftig von einem Kind des Ruhrgebiets gemacht. Die Berufung der 48 Jahre alten Gabriele Warminski-Leitheußer zur künftigen Bildungsministerin kommt einer Kulturrevolution gleich. Seit 1953 ist das wichtigste Landesressort von CDU-Ministern geführt worden, nun zieht die Tochter eines Bergmanns und einer Hausfrau ein.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Eine Frau mit einer idealtypischen sozialdemokratischen Bildungskarriere wird die von der grün-roten Koalition vereinbarten Bildungsreformen verantworten. Die redselige Sozialdemokratin wuchs in Waltrop am nördlichen Rand des Ruhrgebiets auf, politische Diskussionen gehörten schon in ihrer Kindheit zum Alltag, denn ihr Vater war Gemeinderat für die SPD.

          Mit 16 Jahren trat sie den Jungsozialisten bei, nach dem Abitur machte die groß gewachsene blonde Frau in Recklinghausen eine Inspektorenausbildung. Danach folgte das Studium der Rechtswissenschaften in Bochum, zu seiner Finanzierung arbeitete sie weiter als Sachbearbeiterin. Nach den Examen folgte ein vom beruflichen Fortkommen geprägtes Leben. Die ehrgeizige Politikerin sagt, die vielen Umzüge habe man „selbst einem Wellensittich“ nicht zumuten können. Mit ihrem Ehemann, einem promovierten Chemiker, führte sie über viele Jahre eine Fernbeziehung.

          Das ganze grün-rote Kabinett. In der vierten Reihe, Zweite von links: Gabriele Warminski-Leitheußer
          Das ganze grün-rote Kabinett. In der vierten Reihe, Zweite von links: Gabriele Warminski-Leitheußer : Bild: dpa

          Ihre erste Stelle trat Gabriele Warminski-Leitheußer im Tiefbauamt von Lüchow-Dannenberg an. Im Jahr 2000 wechselte sie als Kultur- und Sozialdezernentin nach Unna, 2008 machte sie dann der Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) zur Bildungsbürgermeisterin. Damit wurde auch der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid auf sie aufmerksam. Der SPD hatte Frau Warminski-Leitheußer 1991 die kalte Schulter gezeigt und ihr Parteibuch wegen des Asylkompromisses zurückgegeben. 1998 trat sie wieder ein.

          Der Umzug von Unna ins kurpfälzische Mannheim war für die begeisterte Freizeitwanderin mit vielen angenehmen Erfahrungen verbunden: Sie entdeckte die landschaftliche Schönheit des Südwestens und lernte die Mentalität der Menschen schnell schätzen. In der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs machte sie vor allem mit dem vielfach beachteten Bildungsprojekt „Maus“ auf sich aufmerksam. Zur Unterstützung lernschwacher Schüler aus benachteiligten Familien kaufte die Kommune bei der Volkshochschule zusätzliche Unterrichtsstunden, die dann verwendet werden, um die Schüler an fast hundert Schulen individuell zu fördern.

          Für ihre Berufung zur Ministerin sprach ihre große Verwaltungserfahrung, außerdem war die Frauenquote in Regierungsämtern zu erfüllen. Frank Mentrup, der Bildungspolitiker der Landtagsfraktion, muss sich deshalb mit dem Staatssekretärsposten begnügen. In der SPD und beim Koalitionspartner gibt es einige Vorbehalte, ob sie das schwierige Ministerium in den Griff bekommt. Die Liebhaberin lateinamerikanischer Literatur dürfte in den nächsten Monaten viel Zeit darauf verwenden, sich in ihr neues Sachgebiet einzuarbeiten.

          Weitere Themen

          Ein-Euro-Mahlzeiten gegen die Wut

          Corona-Krise in Frankreich : Ein-Euro-Mahlzeiten gegen die Wut

          Frankreichs Studenten fühlen sich in der Corona-Krise von der Regierung in Paris im Stich gelassen. Die will den Studenten jetzt mit Gutscheinen für einen kostenlosen Psychologen-Besuch und Ein-Euro-Mahlzeiten helfen.

          Topmeldungen

          Eine Frau telefoniert in einer Telefonzentrale für die Arzthotline 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes.

          Keine Impftermine möglich : Nette, aber hilflose Impfhotlines

          Die Impfstoffbeschaffung ist Bundessache, das Verabreichen aber die der Länder. In keinem von ihnen lässt sich ein Termin für eine Impfung vereinbaren. Die Länder halten den Bund für schuldig – und Pfizer.
          Das erste Interview nach seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden: Ministerpräsident Armin Laschet in der Düsseldorfer Staatskanzlei.

          Interview mit Armin Laschet : „Auch mit Friedrich Merz“

          Ein Gespräch mit dem neuen CDU-Vorsitzenden Armin Laschet über die Einbindung des unterlegenen Konkurrenten, die Kanzlerkandidatur, den Kampf gegen Corona, sein Verhältnis zu Russland, die Seidenstraße – und über Twitter.
          2:4-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach: der nächste schwere Schlag für die Dortmunder.

          2:4 bei Mönchengladbach : Dortmund nun endgültig in der Krise

          Mönchengladbach zieht nach dem Sieg im wilden Borussen-Duell in der Tabelle an den Dortmundern vorbei. Der BVB kann seine Probleme in der Abwehr nicht abstellen und bangt nun um die Qualifikation für die Champions League.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.