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Fidel Castro wird 90 : Kubas Jahrhundertfigur

Bild: REUTERS

Fidel Castro feiert seinen neunzigsten Geburtstag. Als linker Revolutionär und Diktator überlebte der bärtige Zigarrenliebhaber mehrere CIA-Mordanschläge und überstand große Krisen.

          Seine Willensstärke und seine Starrköpfigkeit haben Fidel Castro zu einer politischen Jahrhundertfigur gemacht – und vor gut zehn Jahren fast umgebracht. Wegen einer lebensbedrohlichen Erkrankung des Dickdarms empfahlen Ärzte damals die operative Entfernung des befallenen Organs und das Anlegen eines künstlichen Darmausgangs. Dem hochgewachsenen Mannsbild (1,93 Meter, 90 Kilogramm), Erzeuger von etwa einem Dutzend Kindern mit etwa einem halben Dutzend verschiedener Frauen, war diese Vorstellung ein Graus. Fidel bestand auf einer riskanten Operation mit dem Ziel, den Kolon zu erhalten. Der Eingriff misslang, eine Notoperation rettete ihm das Leben. Ende Juli 2006 starb der politische Körper des „Máximo Líder“ der kubanischen Revolution. Vom Krankenbett aus übergab er die Amtsgeschäfte seinem fünf Jahre jüngeren (und 25 Zentimeter kleineren) Bruder Raúl.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Doch Fidel Castros Zeit war noch nicht abgelaufen. Willensstark feiert er an diesem Samstag in Havanna seinen 90. Geburtstag. Der Greis mit dem grauen Bart wird gewiss einen Trainingsanzug der Marke Adidas tragen. Das bequeme Kleidungsstück, in welchem Fidel auf fast allen Foto- und Filmaufnahmen der vergangenen zehn Jahre zu sehen ist, verdeckt, was nicht zu sehen sein soll.

          Über den Gesundheitszustand Fidels hüllt sich das kommunistische Regime naturgemäß in Schweigen. Was er denkt, erfährt die Welt in den „Reflexiones de Fidel“, die das Parteiblatt „Granma“ gelegentlich abdruckt. Schon an der Jesuitenschule in Santiago de Cuba im Osten des Landes und später an der juristischen Fakultät der Universität Havanna hatte der Sohn eines aus Spanien eingewanderten Großgrundbesitzers als Berufswunsch unumwunden Macht angegeben.

          Anders als Raúl und der argentinische Revolutionsreisende Ernesto „Che“ Guevara, seine wichtigsten Gefährten bei dem bewaffneten Aufstand zum Sturz des korrupten Diktators Fulgencio Batista im Jahr 1959, glaubte Fidel nie an den Kommunismus. Politisch instinktsicher hat er ihn bloß als Instrument zum Machterhalt in der heißesten Phase des Kalten Krieges angenommen. Denn nur die Sowjetunion bot Schutz und (Atom-)Schirm gegen den immerwährenden Einmarschhunger der Vereinigten Staaten.

          Der linke Caudillo Fidel Castro hat in den fast fünf Jahrzehnten seiner Alleinherrschaft Mord- und Invasionsversuche des amerikanischen Geheimdienstes CIA überstanden, ebenso mehrere Wirtschaftskrisen, die schwerste davon nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion von 1991. Fidels politisches Vermächtnis ist seit zehn Jahren in der linken Militärdiktatur seines Bruders Raúl in treuen Händen.

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