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Heinrich Bedford-Strohm : „Wir haben keinen Grund für Hochmut“

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Cranach der Jüngste: Heinrich Bedford-Strohm in Hannover Bild: Schmitt, Felix

2017 steht der evangelischen Kirche das Reformationsgedenken ins Haus. Im Gespräch: der neue EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm über den Papst, Pegida und Politik.

          Herr Ratsvorsitzender, beginnen wir mit zwei bemerkenswerten Traditionslinien. Die erste: Sie sind mit Lucas Cranach verwandt.

           Mein Vater konnte den Stammbaum der Familie irgendwann bis in die Reformation zurückführen und ist dabei auf Cranach gestoßen. Nach derart vielen Generationen sind allerdings viele Leute mit Lucas Cranach verwandt. Daher gibt es keinen Grund, darum viel Aufhebens zu machen.

          Zweite Traditionslinie: Sie sind nach Wolfgang Huber und Nikolaus Schneider der dritte Ratsvorsitzende binnen zehn Jahren, der ein SPD-Parteibuch hat. Ist das Zufall oder haben Sie eine Erklärung?

          Auch das ist für mein Amt unerheblich. Ich bin bereits als Schüler in die SPD eingetreten. Für Wolfgang Huber, Nikolaus Schneider wie auch mich gilt, dass wir uns am christlichen Glauben orientieren. Die oberste Loyalität liegt stets bei der Kirche. Im Übrigen ermutigt die Kirche zu politischem Engagement in unseren demokratischen Parteien.

          Die Frage zielte auf die Häufung.

          Ich glaube nicht, dass der christliche Glaube besonders mit einer Partei korreliert. Und mir wäre sehr wichtig, dass man nicht immer diese parteipolitische Brille aufsetzt. Leider erlebe ich oft, dass in Kommentaren parteipolitische Raster zum Ausdruck kommen. Damit kann ich nichts anfangen.

          In Deutschland wird über den Glaubwürdigkeitsverlust der etablierten Parteien geklagt. Viele beobachten angesichts der 80-Prozent-Mehrheit der großen Koalition eine Lähmung der Debatte. Teilen Sie diese Sorge?

          Natürlich ist bei einer Großen Koalition die Opposition umso wichtiger. Eine klare Mehrheit kann aber auch hilfreich sein, bei unpopulären Themen, die langfristig angegangen werden müssen. Der Klimawandel etwa erfordert eine grundlegende ökologische Umstrukturierung unserer Wirtschaft.

          Sie haben einmal auch Neuverschuldung befürwortet, um den ökologischen Umbau voranzutreiben.

          Wenn die schwarze Null auf Kosten künftiger Generationen zustande kommt, dann ist sie nichts Positives. Die Energiewende ist richtig, aber immer noch nicht hinreichend. Es wäre keine verantwortliche Politik, ein für künftige Generationen essentielles Problem mit Verweis auf die gegenwärtigen Kosten zu vertagen.

          Heinrich Bedford-Strohm ist der dritte EKD-Ratsvorsitzende mit SPD-Parteibuch binnen zehn Jahren.

          In Thüringen wurde vor wenigen Tagen mit Bodo Ramelow der erste Ministerpräsident der Linkspartei gewählt. In einem Fernsehinterview hatte Bundespräsident Gauck - vor einem Altar sitzend - Bedenken geäußert. Der Protestant Ramelow erwiderte, das gehöre sich unter Christen nicht. Wer hat Recht?

          Aus meiner Sicht ist das eine Sachfrage und keine Frage, ob einer Christ ist oder nicht. Und die Sachfrage liegt doch klar auf dem Tisch: Die Linke hat bei der Aufarbeitung der DDR ganz besonders viele Hausaufgaben zu machen. Bodo Ramelow hat gesagt, dass er das aufarbeiten will. Ich finde, man sollte ihm eine Chance hierfür geben. Man kann der Linken nur empfehlen, die SED-Vergangenheit gründlich aufzuarbeiten. Nur so kann sie das Thema auch endlich hinter sich lassen.

          Haben Sie denn den Eindruck, dass die Linkspartei eingesehen hat, dass die SED die Religionsfreiheit mit Füßen trat?

          Bei einzelnen Linke-Politikern habe ich den Eindruck, dass sie sich den Fehlern der Vergangenheit stellen. Wie es in der gesamten Partei ist, kann ich nicht beurteilen.

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