Die Geschichte eines Ortes :
Das dritte Lidice

Von Kilian Kirchgeßner
Lesezeit: 7 Min.
Unser Dorf soll schöner werden: Neue Straßen, Laternen und Einfamilienhäuser entstehen. Unternehmensberater, Rechtsanwälte und Fabrikanten ziehen hier ein
Die Nazis zerstörten den Ort Licide, unweit des Prager Stadtzentrums, aus Rache. Jahrzehntelang war er ein Mahnmal seiner selbst. Jetzt beginnt er zu leben. Ein drittes Mal.

Seine braunen Lederschuhe sind schon nach den ersten Metern ruiniert. Über matschigen Erdboden führt der Feldweg, aber Lukás Kohl ist so begeistert, dass er sich nicht bremsen lässt. „Kommen Sie“, ruft der Architekt, „von da hinten ist der Blick am besten!“ Durch die Bäume auf der rechten Seite zeichnen sich die abgesteckten Baugrundstücke ab und die ersten Rohbauten. Nach einigen hundert Metern hält Kohl an. Zur Linken streicht der Blick weit über die böhmischen Hügel, geradeaus tauchen hinter dem Baugebiet die ersten Häuser der Stadt auf. Sie heißt Lidice. „Ist es nicht schön hier?“, fragt Kohl.

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