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Claus Weselsky : Nicht so naiv wie Jim Knopf

Claus Weselsky Bild: dpa

Seit Mai 2008 führt Claus Weselsky die GDL, die Gewerkschaft der Lokomotivführer. Sie ist aus der Streikwelle von 2007 und 2008 noch in guter/böser Erinnerung. Doch es könnte noch besser/schlimmer kommen: Weselsky will den Erfolg von damals übertreffen.

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          Sie sind beinahe gleich alt, die vermutlich bekanntesten Lokomotivführer Deutschlands: Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL, ist Jahrgang 1959, und Jim Knopf, Romanfigur von Michael Ende, ist 1960 in die Welt gekommen. Doch abgesehen von Alter und Beruf eint die beiden nicht viel. Vor allem Jims Naivität geht Weselsky ab. Seine hervorstechende Eigenschaft ist seine Streitbarkeit. Schon im großen Bahn-Tarifkonflikt, der sich 2007 und 2008 über achtzehn Monate hinzog und dessen sich viele Bahnfahrer noch mit Schrecken entsinnen, knüpfte Weselsky als stellvertretender Gewerkschaftsvorsitzender im Hintergrund die Fäden. Für die GDL verhandelte damals Manfred Schell, der bei der Deutschen Bahn auf Hartmut Mehdorn traf - zwei aufbrausende Gemüter. Weselsky war derjenige, der Schell bremste, wenn dieser zu schnell einlenken wollte.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Der kleinen Spartengewerkschaft mit der großen Tradition - sie wurde 1867 gegründet - gelang damals ein Riesenerfolg: Sie übertrumpfte die Konkurrenzgewerkschaft Transnet (heute EVG) mit einem zweistelligen Lohnplus; vor allem aber sicherte sie sich mit einem „Grundlagentarifvertrag“ das Alleinvertretungsrecht für alle Lokführer des Bahnkonzerns.

          Dieser Erfolg ist in der aktuellen Tarifrunde nur schwer zu übertreffen. Weselsky, der die GDL seit Mai 2008 führt, hat sich aber genau das vorgenommen. Und wenn es um seine Ziele geht, ist der gebürtige Sachse, der seine berufliche Laufbahn 1975 als Schienenfahrzeugschlosser bei der Deutschen Reichsbahn begann, stur - oder, wie er selbst sagt, konsequent. Die GDL-Führung will einen Branchentarifvertrag durchsetzen, der für Lokführer aller Sparten gilt, also für Personen- und Güterverkehr, und für die ganze Branche, nicht nur für den staatlichen Bahnkonzern. Dass die Konkurrenz von der EVG unter Mithilfe des Schlichters Peter Struck schon einen Branchentarifvertrag abgeschlossen hat, beeindruckt Weselsky nicht, da der nur für den Nahverkehr gilt.

          Die Bahnarbeitgeber sagen, Nahverkehr, Fernverkehr und Güterverkehr ließen sich nicht über einen Kamm scheren. Weselsky lässt das Argument nicht gelten - und kämpft unverdrossen weiter, seit gut zwei Wochen schon mit Warnstreiks. Nun will die GDL ihren Arbeitskampf verstärken. Die Urabstimmung ergab eine satte Mehrheit für den Streik. Das Selbstverständnis der Lokführer ist klar: Sie wollen wieder ein größeres Stück vom „Tarifkuchen“ als jene Kollegen, die nicht vorn im Zug sitzen.

          Von Kritikern, die der GDL entgegnen, man könne in einer Sozialpartnerschaft nicht immer nur eine Berufsgruppe bevorzugen, fühlen sich die Lokführer verleumdet. Gespräche mit den Arbeitgebern macht das schwierig. Auch eine Schlichtung scheint in weiter Ferne. Ein Vermittlungsangebot von Struck, der sich als einstiger SPD-Fraktionsvorsitzender und Verteidigungsminister mit Kampfsituationen auskennt, lehnt Weselsky mit der Begründung ab, von Struck sei bekannt, dass er auf Seiten der Deutschen Bahn stehe. Der oberste Lokführer setzt auf Streik und auf die Geduld der Bahnkunden.

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