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CIA-Chef Panetta : Der Jäger, das Messer

  • -Aktualisiert am

Leon Panetta Bild: dpa

CIA-Chef Leon Panetta verfolgte den Einsatz zur Tötung Usama Bin Ladins live in seinem Hauptquartier in Washington. Einen besseren Übergang an die Spitze des Pentagons hätte sich der designierte Verteidigungsminister nicht wünschen können.

          Einen besseren Übergang von der Spitze des Auslandsgeheimdienstes ins Pentagon hätte sich Leon Panetta sicherlich nicht vorstellen können. Panetta verfolgte den Einsatz der amerikanischen Sondertruppen zur Tötung Usama bin Ladins live im Hauptquartier der CIA in Washington. Vierzig Minuten dauerte die Sendung, dann war klar, dass Panetta Amerika den wichtigsten Dienst geleistet hatte, den ein CIA-Chef leisten konnte.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Doch Leon Panetta, der am 28. Juni 1938 im kalifornischen Monterrey als Sohn italienischer Einwanderer geboren wurde, wird als neuer Pentagonchef nur kurz vom Ruhm im Krieg gegen Bin Laden zehren können. Seinen Beinamen hatte der künftige Verteidigungsminister schon verpasst bekommen, als vom Ende des Terroristen noch nicht die Rede sein konnte: „the Knife“, das Messer. Denn Panetta wird vor allem einen Krieg gegen Zahlen führen, gegen rote Zahlen. Dort muss sich auch Panettas politischer Vorgesetzter, der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte bewähren: Will Barack Obama im November 2012 als Präsident wiedergewählt werden, kann er sich wohl als erfolgreicher Terroristenjäger darstellen, doch er muss vor allem im Kampf gegen Schuldenberg und Haushaltsloch bestehen. Dabei soll ihm sein neuer Verteidigungsminister tatkräftig helfen.

          Denn der Pentagonhaushalt, zu dem auch die immensen Ausgaben für die Kriegseinsätze im Irak und in Afghanistan, in Libyen und in Pakistan sowie an zahlreichen anderen Fronten des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus zählen, schlägt mit derzeit rund 700 Milliarden Dollar zu Buche. Das ist mehr als das doppelte des Pentagonetats des Haushaltsjahres 2001, das kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu Ende ging.

          Gewissermaßen als Abschiedsgeschenk für den Ende Juni aus dem Amt scheidenden Verteidigungsminister Robert Gates, den Obama aus dem Kabinett seines republikanischen Amtsvorgängers George W. Bush übernommen hatte, gab das Weiße Haus das Sparziel von 400 Milliarden Dollar bis 2023 an. Um diese Einschnitte zu erreichen, braucht es in der Tat ein Messer und kein Skalpell.

          Dank seiner immensen politischen Erfahrung und angesichts des Respekts, den ihm Demokraten wie Republikaner entgegenbringen, ist Leon Panetta die beste Wahl für den schwierigen Posten an der Spitze des Pentagons. Der älteste Verteidigungsminister in der amerikanischen Geschichte wird freilich auch enorme körperliche Belastungen zu bewältigen haben, denn das zweite Dienstzimmer eines Pentagonchefs ist das Flugzeug: Ohne Truppenbesuche und Reisen zu Verbündeten kann die Aufgabe nicht erfüllt werden.

          Panetta ist mit allen politischen Wassern gewaschen. Nach dem Studium der Rechte und der Politikwissenachften sowie zwei Jahren Dienst beim Heer während des Vietnam-Krieges (allerdings ohne Fronteinsatz) begann Panetta 1966 seine politische Laufbahn als Assistent eines republikanischen Senators aus Kalifornien. Später arbeitete er im Gesundheitsministerium unter Präsident Richard Nixon. 1971 wechselte Panetta von den Republikanern zur Demokratischen Partei über, vor allem weil er sich für die Durchsetzung des „Civil Rights Act“ sowie des „Voting Rights Act“ für die Schwarzen einsetzte. 1976 gelang Panetta der Sprung ins Repräsentantenhaus, dem er bis Anfang 1993 angehörte. Dann folgte Panetta dem Ruf Bill Clintons ins Weiße Haus, wo er zunächst, bis Mitte 1994, das Amt des Budgetdirektors und anschließend, bis Anfang 1997, jenes des Stabschefs bekleidete.

          Panetta gilt als Mitarchitekt der Finanz- und Wirtschaftspolitik Clintons, der beim Auszug aus dem Weißen Haus Anfang 2001 seinem Nachfolger George W. Bush einen Haushaltsüberschuss hinterlassen konnte. Anfang 2009 kehrte Panetta, dem Ruf Präsident Obamas folgend, ins aktive politische Leben zurück und übernahm den schwierigen Posten als Chef des Auslansgeheimdienstes CIA. Unter seiner Führung wurde der Drohnenkrieg der CIA gegen Trainingslager und Unterschlupfe von Taliban und Al Qaida in Pakistan intensiviert und damit die umstritene „Militarisierung“ des Geheimdienstes weiter vorangetrieben. Der Erfolg gibt ihm recht.

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