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Barack Obama : Präsident Justice

New York, 2. Mai 2011 Bild: dpa

Der Friedensnobelpreisträger hat Fortune. Er hat gewagt und hat gewonnen. Seinen Vorgängern war dieses Glück nicht beschieden.

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          Wenige Wochen vor der Präsidentenwahl, im Oktober 2008, sagte der Kandidat (und Senator) Barack Obama in der ihm eigenen strengen Gelassenheit: „Wir werden Bin Ladin töten.“ Und dabei werde er sich, im Falle des Falles, nicht von pakistanischen Souveränitätsüberlegungen aufhalten lassen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Gut zweieinhalb Jahre später meldete Präsident Obama seinen Landsleuten zur abendlichen Stunde gewissermaßen Vollzug: „Der Gerechtigkeit ist Genüge getan worden.“ Daraus spricht nicht halbstarker Triumphalismus, aber doch die Unerschütterlichkeit einer Nation, den Massenmörder vom „11. September“ zur Strecke zu bringen.

          Tot oder lebendig wolle er Usama Bin Ladin haben, hatte der Texaner Bush wenige Tage nach dem Terrorangriff auf Amerika in realer, präsidentieller Interpretation eines Western gesagt; der auf Hawaii geborene Obama hat nie einen Zweifel gelassen, dass auch er den Anführer von Al Qaida, Symbol des transnationalen islamistischen Terrorismus, für eine solche Gefahr hält, dass alle Mittel erlaubt seien, um ihn auszuschalten. Gegen Al Qaida hat(te) der Friedensnobelpreisträger keine Skrupel, auch „präemptiv“ vorzugehen.

          Den Befehl, die Kommandoaktion im Norden Pakistans auszuführen, war vermutlich die heikelste und in mehrfacher Hinsicht gefährlichste Entscheidung, welche der 44. Präsident der Vereinigten Staaten bislang zu treffen hatte. Man muss sich nur das politische Schicksal Jimmy Carters in Erinnerung rufen, nachdem die Befreiung der Geiseln in der iranischen Wüste gescheitert war, um das Risiko halbwegs richtig einzuschätzen: Carter trat als gebrochener, gescheiterter Mann ab.

          Weil aber die Kommandosoldaten ihre Sache „professionell“ und mit „beispiellosem Mut“ erledigten, wird ihrem Oberbefehlshaber nur allgemein Lob zuteil, von denen, die ihm politisch nahestehen, wie von seinen Kritikern und Möchtegernherausforderern. Die werden nun nicht mehr so schnell mit dem Vorwurf der sicherheitspolitischen Naivität hausieren gehen wollen und in den nächsten Präsidentenwahlkampf ziehen können. Und einige derer, die im Topf des dumpfen Verdachts rühren, Barack Hussein Obama sei kein echter Amerikaner, weil nicht im Lande geboren, mögen von ihrem ebenso dümmlichen wie ermüdenden Tun lassen.

          Obama, im fünfzigsten Lebensjahr stehend, ist die Last des Amtes mittlerweile anzusehen, auch seine Körpersprache verrät es. Aber er hat geschafft, was seinen beiden Vorgängern versagt blieb, vielleicht weil er in gewisser Weise weniger zimperlich war, konzentrierter und weil er sich nicht hat ablenken lassen. Das ist keine Garantie für eine zweite Amtszeit, aber die Tötung des Staatsfeinds Nummer eins ist eine Empfehlung - viele Amerikaner werden es so sehen.

          Diejenigen, die ihn 2008 gewählt, und jene, die ihn nicht gewählt haben, andere, die enttäuscht sind, werden gespürt haben, dass Obama ihnen niemals näher war. Da sprach nicht der Präsident der kühlen Distanziertheit, sondern der Präsident, der sich für Amerikas Gefühls- und Wertewelt und seinen Patriotismus weiß Gott nicht schämt.

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