https://www.faz.net/-gpf-6q4g6

Porträt : Wird aus dem Präsidentensohn ein Präsident?

  • Aktualisiert am

Mit der Präsidentschaftskandidatur ist George W. Bush in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Sein Weg war nicht vorgezeichnet. Ein erster Versuch, in die Politik zu gehen, schlug 1978 fehl.

          Mit der Präsidentschaftskandidatur schickt sich George W. Bush an, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Dabei ist der Gouverneur von Texas gerade Mal gut fünf Jahre aktiv in der Politik tätig. Der Gouverneursposten ist sein erstes politisches Amt. Um so überraschender ist es, dass Bush nach aktuellen Umfragen gute Chancen hat, im Duell gegen den Vizepräsidenten Al Gore tatsächlich ins Weiße Haus gewählt zu werden.

          Der 54-jährige Hoffnungsträger der Republikanischen Partei entspricht offenbar so richtig dem Bild, das sich die Amerikaner von einem Präsidenten machen. Er ist ein Politiker "zum anfassen". Der älteste Sohn des früheren Präsidenten George Bush verfügt - anders als sein Vater - über überschäumenden Charme, gepaart mit Witz. Der
          bekannte Name und ein Millionenvermögen tun ein übriges.

          "Gemäßigt konservativ"

          Politisch gilt Bush als gemäßigt konservativ. Er selbst prägte für sich den Begriff des "mitfühlenden Konservativen" (compassionate conservative). In dieses Bild mag nicht passen, dass er ein entschiedener Verfechter der Todesstrafe ist. Doch in diesem Punkt sieht sich Bush im Einklang mit der Mehrheit der Bevölkerung. Allein in seiner fünfjährigen Amtszeit wurden in Texas über 130 Menschen hingerichtet - so viele wie in keinem anderen US-Staat.

          Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Jeb, dem Gouverneur von Florida, bildet George Bush bereits die dritte Politiker-Generation der Familie, die deshalb in den Medien schon mit den Kennedys verglichen wird. Bushs Großvater Prescott Bush war Senator und - wie der Begründer des Kennedy-Klans, Joseph Kennedy -, ein erfolgreicher Geschäftsmann und Bankier.

          Turbulente Vergangenheit

          George Walker Bush, geboren am 6. Juli 1946, hat eine turbulente Vergangenheit. Er stand im Ruf eines Partylöwen, trank reichlich Alkohol, hörte dann aber von heute auf morgen nach einem Zechgelage mit Freunden zu seinem 40. Geburtstag auf. In seinem Buch schreibt er dazu, dies sei ein Wendepunkt in seinem Leben gewesen. Fragen nach eventuellem Drogenkonsum wich Bush aus. Seine Frau Laura gilt inzwischen als der ruhende Pol in der Familie. Das Paar hat Zwillingstöcher - Jenna und Barbara.

          Nach zwei Abschlüssen in Betriebswirtschaft an den Eliteuniversitäten Yale und Harvard war Bush weitgehend in der Ölindustrie tätig. Außerdem war er mehrere Jahre Mitbesitzer einer Baseball-Mannschaft, die ihm Millionen einbrachte. Ein erster Versuch, in die Politik zu gehen, schlug 1978 fehl. Er hatte sich um einen Sitz im Washingtoner Kongress beworben. Zwar gewann Bush die innerparteiliche Ausscheidung, doch er verlor gegen den Bewerber der Demokratischen Partei, nachdem dieser ihn als einen politischen Abenteurer bezeichnet hatte.

          Erst der Präsidentschaftswahlkampf seines Vaters 1988, in dessen Wahlkampfteam er arbeitete, brachte ihn wieder mit der Politik in Berührung. 1994 entschloss sich Bush dann zur Kandidatur für das Gouverneursamt in Texas und gewann gegen die populäre Gouverneurin Ann Richards von den Demokraten. 1998 wurde er wieder gewählt.

          Weitere Themen

          Worauf es ankommt

          Erinnerung an Hitler-Attentat : Worauf es ankommt

          Am 20. Juli 1944 scheiterte das Unternehmen Walküre, der letzte Versuch, Adolf Hitler zu töten und das NS-Regime zu stürzen. Die Erinnerung an diesen Tag und Stauffenberg, den Mann der Tat, bleibt kontrovers – und damit lebendig.

          Wer ist Boris Johnson? Video-Seite öffnen

          Schillernd und umstritten : Wer ist Boris Johnson?

          Der wirre Haarschopf ist unverkennbar: Boris Johnson liebt den großen Auftritt. Der Brexit-Hardliner ist eine der schillerndsten und umstrittensten Persönlichkeiten der britischen Politik.

          Topmeldungen

          Neue Umfrage : Warum das Misstrauen wächst

          Die Amerikaner sehen ihre Regierung und ihre Mitbürger immer skeptischer. Vor allem bei der Unterscheidung von Wahrheit und Lüge zeigen sich viele verunsichert. Für den Vertrauensschwund geben sie unterschiedliche Gründe an.
          Lässt ein verheerendes Echo nicht lange verhallen: Markus Söder sucht die Abgrenzung der AfD.

          Vergleiche mit der NPD : Wie Söder sich von der AfD abgrenzt

          Vor knapp einem Jahr hat der bayerische Ministerpräsident erfolgreich seine Taktik im Umgang mit der AfD geändert – doch ganz genau nimmt er es mit seinen Aussagen nicht immer. Eine Analyse.
          Martin Winterkorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG

          Dieselskandal : VW verklagt sein Personal

          Während der ehemalige Chef Martin Winterkorn sein Altersruhegeld bezieht, verklagt der Konzern wegen des Dieselskandals sein Personal. Am Donnerstag fällt eine Entscheidung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.