https://www.faz.net/-gpf-2rmf

Porträt von 2001 : Usama bin Ladin: Staatsfeind Amerikas

  • -Aktualisiert am

Terroristenführer Usama bin Ladin Bild: dpa

„Staatsfeind Nummer eins“ oder „der Welt gefährlichster Terrorist“: Usama bin Ladins zweifelhafter Ruf hat ihn zum Ziel amerikanischer Vergeltungspläne gemacht.

          2 Min.

          „Staatsfeind Nummer eins“ oder „der Welt gefährlichster Terrorist“: Wann immer in der Welt spektakuläre Terroranschläge verübt werden, fällt automatisch der Name des saudi-arabischen Millionär Usama bin Ladin. Die amerikanische Bundespolizei FBI führt den 44 Jahre alten Mann auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher. Der frühere Präsident Bill Clinton nannte ihn „die größte Bedrohung für den Weltfrieden“.

          Obwohl die Taliban wenige Stunden nach den beispiellosen Anschlägen in New York und Washington jede eigene Verstrickung oder die Ibn Ladins abstritten, zeigen die ersten Finger von politischen Verantwortlichen in Amerika wegen der Professionalität der Taten wieder in dessen Richtung.

          Internationales Terrornetzwerk

          Ibn Ladin gründete nach Erkenntnissen der Geheimdienste im Frühjahr 1998 unter dem Namen Al Qaida (Militärbasis für den Glauben) ein internationales Terrornetzwerk und erklärte im Mai des selben Jahres seinen „heiligen Krieg“. Die Plattform vereint Terrorgruppen aus Afghanistan, Algerien, Bangladesch, Pakistan und Kaschmir. Zum engsten Führungszirkel gehören nach den Geheimdiensterkenntnissen auch die führenden extremistischen Köpfe der ägyptischen Terrororganisationen „Gamaat Islamija“ (Islamische Vereinigung) und „Dschihad“ (Heiliger Krieg).

          Zwar sagten die Taliban, Ibn Ladin sei am 13. Februar 1999 „verschwunden“. Doch wenig später machte dieser in einem Interview in Afghanistan alle Amerikaner zum Feind und Ziel seiner Organisation. Der Schlange müsse der Kopf abgeschlagen werden, lautet eine seiner gängigen Formulierungen. Drei Gründe führt der selbst ernannte Kreuzzügler gegen Christen und Juden an: die Präsens amerikanischer Truppen in Saudi-Arabien, die Besetzung Jerusalems durch Israel sowie die amerikanische Politik in der arabischen Welt. Erst vor drei Wochen soll er nach israelischen Medienberichten mit einem beispiellosen Angriff auf Amerika wegen dessen Unterstützung Israels gedroht haben.

          Ibn Ladin hat sich noch nie zu einer Tat bekannt

          Der 1,93 Meter große und hagere Ibn Ladin gilt als besonders schillernde Figur im internationalen Terrorismus. Zu keinem der Anschläge, die ihm zur Last gelegt werden, hat er sich bekannt. Das Sündenregister, das seine Fahnder aufstellten, wurde in den vergangenen Jahren immer länger. Schon 1993 soll er bei dem Anschlag auf das World Trade Center in New York indirekt beteiligt gewesen sein. Ibn Ladin wird hinter dem Attentatsversuch auf Ägyptens Staatspräsident Husni Mubarak von 1995 ebenso vermutet wie hinter dem Anschlag von Luxor vom November 1997. Damals kamen 58 Ausländer ums Leben. 1995 und 1996 starben 24 amerikanische Soldaten in Saudi-Arabien. Auch diese beiden Attentate sollen die Handschrift Ibn Ladins tragen.

          Die amerikanische Regierung ist sich sicher, dass Ibn Ladins Terrornetzwerk auch die Anschläge vom 7. August 1998 auf die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam verübte, bei denen 224 Menschen getötet und mehr als 4500 verletzt wurden. Auch der Anschlag auf das Kriegsschiff „Cole“ vom Oktober 2000 im südjemenitischen Aden soll sein Werk sein. Dabei starben 17 Soldaten.

          Von der Familie verstoßen

          Ibn Ladin entstammt einer Familie mit südjemenitischen Wurzeln. Diese machte während des Baubooms in Saudi-Arabien ein Vermögen. Das Eigentum des Clans, der Ibn Ladin als Abtrünnigen verstoßen hat, wird auf 84 Milliarden Mark geschätzt. Er selbst soll über eine Portokasse von 660 Millionen Mark verfügen.

          Ibn Ladin begann 1979 nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan mit der Rekrutierung arabischer Freiwilliger. Von 1991 bis 1996 lebte er im Sudan, das er nach dem Attentatsversuch auf Mubarak verlassen musste. Danach tauchte er mit seinen vier Frauen und mehreren Kindern in Afghanistan unter.

          Weitere Themen

          Syrien ist jetzt Putins Spielfeld

          Russland und die Kurden : Syrien ist jetzt Putins Spielfeld

          Russlands Präsident ist die Spinne im Netz der Konflikte des Nahen Ostens. Sein Triumph hat auch damit zu tun, dass die Amerikaner ihn in Syrien lange Zeit gewähren ließen.

          Topmeldungen

          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.
          Wer zu den Besten in der Forschung gehören möchte, muss sich den Platz hart erkämpfen. Auch in Deutschland gibt es hierfür inzwischen Graduiertenschulen, die die Promovierenden unterstützen.

          Spitzenforschung : Wo die Promotion zur Selektion wird

          Amerikas Dominanz in der Spitzenforschung hat auch die hiesige Nachwuchsförderung kräftig umgekrempelt. Wer oben mitspielen will, muss an eine Graduiertenschule und sich von dort aus die begehrten Plätze erkämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.