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Porträt : Olaf Scholz: Schröders neuer General

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Olaf Scholz, der zukünftige SPD-Generalsekretär, soll die Riege junger SPD-Pragmatiker in Berlin stärken. Porträt.

          „Ich habe mich vor Führungsverantwortung nie gedrückt.“ Erst vor zwei Monaten soll Olaf Scholz das verkündet haben und schon hat er Gelegenheit, sich unter Beweis zu stellen. Am Montag wird Bundeskanzler Gerhard Schröder ihn im SPD-Präsidium als Generalsekretär und damit Nachfolger von Franz Müntefering vorschlagen. Seine Wahl gilt als sicher.

          Auf Bundesebene ist der 44-Jährige bisher kaum aufgefallen, doch das dürfte ab sofort anders werden. Scholz vertritt den Typus des modernen Sozialdemokraten, wie Schröder ihn schätzt. Der nicht nach links und rechts fragt, sondern unbefangen an Themen herangeht, ein pragmatischer Linker. Sein Ruf als innerparteilicher Zuchtmeister dürfte ihn für seine neue Aufgabe ebenso empfohlen haben wie seine Loyalität Schröder gegenüber.

          Profil als Hamburger Innensenator

          Seit seinem 17. Lebensjahr SPD-Mitglied, begann Scholz seine Parteikarriere wie Schröder bei den Jusos, war von 1982 bis 1988 deren stellvertretender Bundesvorsitzender. Parallel dazu studierte er in Hamburg Jura und arbeitet seit 1985 als Anwalt für Arbeitsrecht. 1998 wurde Scholz erstmals in den Bundestag gewählt, wo er sich auf das Thema Rentenreform konzentrierte. Nach außen hin eher unauffällig, strickte er im Hintergrund an seinem Kontaktnetz in Berlin. Vor zwei Jahren nannte ihn Schröder als einen der Hoffnungsträger um seine Nachfolge.

          Im Mai 2001 legte Scholz sein Bundestagsmandat nieder, um in Hamburg die Nachfolge des gescheiterten Innensenators Hartmuth Wrocklage anzutreten. Innere Sicherheit war das Schlüsselthema, das Scholz wählerwirksam umzusetzen hatte. Er stoppte in den wenigen Monaten, die ihm in seinen Amt blieben, den Stellenabbau bei der Polizei und kündigte den Ausbau von Programmen gegen Jugendkriminalität und einen härteren Umgang mit Drogendealern an. Zwar konnte er damit den Machtverlust der SPD nicht verhindern, doch seinem Image schadete die Wahlniederlage nicht.

          Landespolitische Option

          Nach der Wahl gelang es Scholz, die traditionell zerstrittene Hamburger SPD zu einen und rasch eine funktionierende Opposition aufzubauen. Jetzt ist die Stimmung in Hamburg wieder auf Seiten der SPD: Sie konnte alle Direktmandate für sich verbuchen, auch Scholz gewann seinen Heimatwahlkreis Hamburg-Altona mit 50 Prozent der Erststimmen. Neben seiner neuen Aufgabe will er auf jeden Fall auch landespolitisch aktiv bleiben. Sein Amt als SPD-Landeschef in Hamburg will er behalten und auch seine Option auf die nächste Bürgermeisterkandidatur 2005 hält er sich noch offen.

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