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Porträt : Hu - Chinas neuer starker Mann

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Bewegung in China: neuer KP-Chef Hu Jintao Bild: AP

Chinas neuer Parteichef Hu Jintao kam auf leisen Sohlen an die Macht.

          Zehn Jahre lang ist Hu Jintao darauf vorbereitet worden, die Führung der Kommunistischen Partei zu übernehmen. Schon 1992 hatte der große Wirtschaftsreformer Deng Xiaoping den schlauen Technokraten als jüngstes Mitglied in den höchsten Führungszirkel, den Ständigen Ausschuss des Politbüros, geholt.

          Bei seinem Tod 1997 wurde klar, dass Hu Jintao der Auserwählte war: Als einziges Politbüromitglied saß er mit der trauernden Witwe in dem Flugzeug, dass die Asche Deng Xiaopings über dem Meer verstreut wurde. Doch hielt sich Hu Jintao bedeckt. Er wusste, dass Kronprinzen in China gefährlich leben. So ist er ein eher unbeschriebenes Blatt. Ein guter Tänzer sei er, heißt es. Auch liebe er Tischtennis, Film, Theater und Romane. Chinesische Frauen finden den 59-Jährigen gut aussehend, was die ständige Frage „Who's Hu?“ nur drängender macht. Seine Laufbahn lässt ihn immerhin als vorsichtigen, aber durchaus pragmatischen und aufgeschlossenen Taktiker erscheinen.

          Überall der Jüngste

          Sein Netzwerk knüpft an der renommierten Qinghua-Universität in Peking an, wo der im Dezember 1942 geborene und aus der Provinz Anhui stammende Hu Jintao Wasserbau studierte. Er blieb an der Universität, wurde politischer Instrukteur. In der Kulturrevolution ging Hu Jintao 1968 in die arme Provinz Gansu, wo der Parteichef und Revolutionsveteran Song Ping auf ihn aufmerksam wurde.

          Hu Jintao war überall der Jüngste war - seit er 1982 ins Zentralkomitee berufen wurde. Er stieg 1984 zum Chef der Jugendliga auf, wurde 1985 mit 42 Jahren jüngster Parteichef in der armen Südprovinz Guizhou. 1986 gelang es ihm, prodemokratische Demonstrationen von Studenten zu entschärfen. Mit seinen Erfahrungen erschien Hu Jintao qualifiziert, als erster Zivilist neuer Parteichef Tibets zu werden.

          Regentschaft in Tibet

          Doch kurz nach seiner Ankunft 1989 brachen im März in Lhasa Unabhängigkeitskundgebungen aus. Die Polizei eröffnete das Feuer, tötete mehrere Dutzend Tibeter. Es wurde Kriegsrecht verhängt. Hu Jintaos Regentschaft in Tibet ist bis heute ein ungeklärtes Kapitel. Doch zog es ihn wegen des Sauerstoffmangels in dem Hochland immer mehr nach Peking, wo er sich mit dem Willen, auch schwierige Aufgaben zu übernehmen, den Parteiveteranen empfahl.

          1992 begann sein Aufstieg im innersten Führungszirkel. Als jüngstes Mitglied im Ständigen Ausschuss des Politbüros erledigte Hu Jintao im Parteisekretariat das Tagesgeschäft, baute sein Netzwerk aus und übernahm 1993 die Parteischule. Unter seiner Führung wurden Reformideen diskutiert, sozialdemokratische Parteien in Europa studiert und mehr Professionalität von Funktionären gefordert.

          Um ihn an der Spitze der neuen Führungsgeneration aufzubauen, wurde Hu Jintao 1998 Vizepräsident und 1999 Vizechef der Militärkommission. Ohne direkt einem Lager anzugehören, hat Hu Jintao die Fähigkeit demonstriert, für Linke wie Rechte akzeptabel zu sein. Politische Reformen sind von ihm aber nicht zu erwarten.

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