https://www.faz.net/-gpf-2hgf

Porträt : Gloria Arroyo - Tochter aus gutem Hause

  • Aktualisiert am

Der Machtkampf auf den Philippinen ist entschieden: Präsident Estrada hat seiner bisherigen Stellvertreterin das Feld geräumt. Gloria Arroyo verkörpert in vielerlei Hinsicht den „Gegenentwurf“ zu ihrem Vorgänger.

          Mehr als zwei Jahre lang regierten sie die Republik der 7000 Inseln Seite an Seite, doch unterschiedlicher hätte das philippinische Führungsgespann nicht sein können. Hier der Präsident Joseph Estrada, Schulabbrecher, bekannt für seine Frauengeschichten, Trinkgelage und nächtlichen Zockerrunden. Dort Gloria Macapagal Arroyo (53) die zierliche Vizepräsidentin mit der rauhen Stimme, von der kaum ein Wort an die Öffentlichkeit drang und die nun das mächtigste Amt des Landes inne hat.

          Auf ihrem Weg an die Spitze der Macht genoss sie die Vorteile, aus gutem Hause zu stammen. Als Tochter des populären Ex-Präsidenten Diosdado Macapagal war ein Wirtschaftsstudium in den USA selbstverständlich; an der Georgetown-Universität in Washington war sie mit dem späteren Präsidenten Bill Clinton eingeschrieben. Den Doktortitel holte Arroyo sich schließlich in ihrem Heimatland.

          Amerikanische Prägung

          Die gut aussehende, stets wie eine amerikanische Managerin gekleidete Mutter von drei Kindern hat, anders als ihr Vorgänger, eine eher konventionelle Karriere hinter sich: Nachdem die Lehrerin Gloria Arroyo Staatssekretärin im Handelsministerium unter der damaligen Präsidentin Corazon Aquino wurde, folgte 1992 die Wahl in den Senat.

          Vielleicht auch dank ihres Namens, wie manche vermuten, errang sie bei den Wahlen 1998 einen überwältigenden Sieg im Rennen um das Amt der Vizepräsidentin. Doch obwohl sie aus einer jener elitären Familien entstammt, die seit Jahrzehnten die Geschicke der Philippinen steuern, gilt die Beziehung zwischen ihr und den einflussreichen Geschäftsleuten im Businessviertel Makati der philippinischen Hauptstadt als „lauwarm“.

          Philosophie des Vaters

          Der Vorwurf: „Keine Visionen.“ Außerdem, kritisieren die Manager, verlasse sie sich zu sehr auf den Ruf ihres Vaters. Wohin sie die nach über zwei Estrada-Jahren zerrüttete Wirtschaft und das chaotische politische System lenken wird, bleibt vorerst im Dunkeln.

          Im Zweifelsfall hilft im einzigen vorwiegend katholischen Land Asiens die Berufung auf die Kirche, auf die sich Gloria Arroyo während des Umsturzes gegen Estrada verlassen konnte. „Ich folge der Philosophie meines Vaters“, sagte sie. „Tue, was gut ist, tue, was recht ist, und Gott sorgt sich um den Rest.“

          Weitere Themen

          So viel Geld, und dann so viel Ärger

          Gute-Kita-Gesetz : So viel Geld, und dann so viel Ärger

          Das Gute-Kita-Gesetz war nicht nur das erste Gesetz mit griffigem Namen, es versprach erhebliche Verbesserungen in der Kinderbetreuung. Nun zeichnet sich ab, dass das Vorhaben zu einem Flickenteppich des Föderalismus wird.

          In zwei Fliegern nach Amerika Video-Seite öffnen

          Kritik an Bundesregierung : In zwei Fliegern nach Amerika

          Bundskanzlerin Angela Merkel und Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer fliegen fast zeitgleich an die Ostküste der Vereinigten Staaten. Sie nutzen dabei jedoch zwei getrennte Flugzeuge.

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.