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Kühnerts Thesen : Der neue Sozialismus

Die soziale Frage ist zurück:: Bernie Sanders, Jeremy Corbyn und Kevin Kühnert sind die neuen Stars der Linken. Bild: Mart Klein und Miriam Migliazzi

Eine Ideologie, deren Zeit längst vorbei schien, ist wieder da – der Sozialismus. Nicht nur in Deutschland reden Politiker wieder von Verstaatlichungen und Klassenkampf.

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          Wenn der Sozialist Steve Hudson vor die Tür tritt und durch Köln läuft, fühlt er sich bestätigt: In manchen Vierteln hätten sich die Mieten innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Manche seiner Bekannten zahlten vierzig oder sogar fünfzig Prozent ihres Einkommens dafür, um wohnen zu können. Freitags demonstrieren junge Menschen bei der Kölner Gruppe von „Fridays for future“ für mehr Umweltschutz. Auch sie kritisierten das bestehende Wirtschaftssystem, sagt Hudson. „Der Kapitalismus ist gescheitert.“ Er ist Mitglied der SPD und als gebürtiger Brite auch der Labour Party. Er nennt sich selbst einen „demokratischen Sozialisten“, machte bei „Momentum“ mit. Die Bewegung trug einen großen Anteil daran, Jeremy Corbyn mit seinen alten sozialistischen Ansichten zur neuen Hoffnung der jungen Linken zu machen. Bei seiner Kapitalismuskritik holt Hudson weit aus: Die Macht liege in den Händen weniger. Marktwirtschaftliche Gedanken hätten bis in die Verwaltung Einzug gehalten. „Die Krise wird sich verschärfen.“

          Philip Eppelsheim
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.
          Mona Jaeger
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.

          Immer häufiger fühlt er sich an sein Geburtsland England erinnert. 1945 war den britischen Sozialdemokraten, der Labour Party, unter Clement Attlee ein Erdrutschsieg gelungen. Attlee baute den britischen Wohlfahrtsstaat aus. Rund 20 Prozent der britischen Industrie wurden unter ihm verstaatlicht, darunter Eisenbahngesellschaften, Stromversorger und Bergbauunternehmen. Für Hudson war das eine vorbildliche Politik – und nicht die Welle der Privatisierung in den achtziger Jahren. Heute würden die Betriebe, etwa die Eisenbahngesellschaft British Rail, schlimmer wirtschaften als früher, als sie noch Staatsbetriebe waren. Es würden zu wenige Züge eingesetzt und zu wenig investiert, meint Hudson. „Der Neoliberalismus hat sein Versprechen nicht eingehalten“, sagt er. Das sei keine Beobachtung, die nur er und ein paar andere Linke machten. Vor allem der Umgang mit der Umwelt treibe viele um. „Auch die Oma macht sich Sorgen.“

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