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Wirtschaft - und sonst? : Mut zur Lücke

  • -Aktualisiert am

Der Hafen von Qingdao, China am 8. November 2018 Bild: dpa

So viel wird über den Aufstieg Chinas geschrieben - und nicht immer muss es alarmistisch sein.

          Die lange Zeit dominierende Frage, ob Chinas Aufstieg nachhaltig ist, ist für einige Beobachter angesichts der massiven innenpolitischen Herausforderungen für das Land zwar längst nicht final beantwortet. Dennoch wagen sie mit Blick auf die ungebrochene Dynamik seines Wirtschaftswachstums, die es längst zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hinter den Vereinigten Staaten gemacht hat, die geopolitischen (Seidenstraßen-Initiative) und sicherheitspolitischen (Südchinesisches Meer, Ausbau der Marine) Ambitionen eine mehrheitlich günstige Erfolgsprognose für die weitere Entwicklung des Landes. China ist längst zum einzigen ernsthaften Herausforderer für Amerika um die globale Vorherrschaft avanciert und schickt sich heute an, das Mächtegleichgewicht im asiatisch-pazifischen Raum sukzessive zu seinen Gunsten zu verändern – mit massiven Konsequenzen für Amerikas bislang zentrale sicherheitspolitische Rolle in der Region und die Weltordnung insgesamt.

          Die vorliegende, sehr informative und gut arrangierte Studie greift vor diesem Hintergrund die wohl am häufigsten gestellte und drängendste Frage nach dem Erfolg des chinesischen Modells auf und sieht im kapitalistischen Weltsystem insgesamt eine sich nur langsam vollziehende Machtverschiebung zugunsten des Landes stattfinden, die sich vor allem in den Produktions- und Finanzstrukturen, aber auch im Zugriff Chinas auf Ressourcen äußert. Nicht thematisiert wird hingegen die sicherheitspolitische Herausforderung durch Chinas Machtgebaren in den Grenz- und Inselkonflikten mit Anrainern im Südchinesischen und Japan im Ostchinesischen Meer sowie die damit verbundene militärische Aufrüstung des Landes.

          Schmalz beschreibt zunächst, wie China seit 1978 vom globalen Kapitalismus amerikanischer Prägung profitierte. Unstrittig ist dabei, dass es seinen Aufstieg weit weniger seiner eigenen wirtschaftlichen Öffnung oder seinen Reformen verdankt als den offenen Märkten im OECD-Raum, allen voran in den Vereinigten Staaten. Auch dies sollte Anlass sein, im Westen darüber nachzudenken, wer der eigentliche Adressat im von Trump eingeleiteten Handelskrieg ist. Ebendie wirtschaftliche Freiheit in den Industrienationen hat über Jahrzehnte einen Aufstieg begünstigt, bei dem die Vorteile der eigenen Rückständigkeit in Form des niedrigen wirtschaftlichen Ausgangsniveaus, geringer Löhne und Pro-Kopf-Einkommen entsprechend zum Tragen kamen. Und noch heute zehrt China von diesen Vorteilen durch die Möglichkeit der Übernahme westlicher Technologien, Geschäftsmodelle und die Überführung von Arbeitskräften in produktivere Wirtschaftsbereiche. Verstärkt wurden diese Effekte nach Ansicht des Verfassers nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008, von der China aufgrund seiner bis dato geringen Rolle auf den globalen Finanzmärkten (wegen des stark regulierten eigenen Finanzsektors und der fehlenden freien Konvertierbarkeit der chinesischen Währung Renminbi) praktisch unberührt blieb. So wurde es neben der Werkstatt der Welt, die bereits seit 2001 gewaltige Industriekapazitäten, Exportüberschüsse und einen Investitionsüberhang aufgebaut hatte, auch zunehmend zum regionalen Wachstumsmotor im asiatisch-pazifischen Raum; immer mehr Länder in der eigenen Nachbarschaft begannen nunmehr ihre eigenen Volkswirtschaften stärker an China auszurichten.

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