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Wie weiter? : Legenden – Mythen – Konvertiten – Verräter

Den Übervater immer im Nacken: Teile der SPD-Führung. Bild: Andreas Pein

Alter schützt vor Krise nicht. Das erfährt die SPD gerade schmerzhaft

          Nur weil Bemerkungen immer und immer wiederholt werden, sind sie nicht automatisch wahr. Wenn über die SPD und ihre derzeitige äußerst schwierige Lage etwa oft zu hören ist, es sei ein Trauerspiel mit dieser so „traditionellen und stolzen“ Partei, dann klingt das ein bisschen so, als solle der Absturz der SPD noch dramatischer beschrieben werden, als er es eh schon ist. 150 Jahre Parteigeschichte! Die Partei von Otto Wels und Willy Brandt! Aber eines ist keine überzogene Dramatisierung. Diese Partei „produziert Legenden, Mythen, Helden und Märtyrer, auch Konvertiten und Verräter, also den gesamten Stoff, der nötig ist für ,große Erzählungen‘“, schreibt Franz Walter in seiner Geschichte über die SPD. Warum diese Partei so redet, kämpft und handelt, wie sie es gerade tut, versteht man erst zu einem guten Teil, wenn man sieht, wo sie herkommt, wie sie früher geredet, gekämpft und gehandelt hat. Also sollte man 150 Jahre Parteigeschichte studieren – oder die knapp 400 Seiten von Walters hervorragender „Biographie“ der SPD lesen.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Walter, 62 Jahre alt, war bis vergangenen Herbst Professor für Politikwissenschaft und Direktor des Instituts für Demokratieforschung an der Universität Göttingen. Will man etwas über die SPD erfahren, kommt man an ihm nicht vorbei. Aber auch seine anderen Bücher über die politischen Ideengeschichte sind augenöffnend. Der Begriff Biographie passt gut zu einem Buch über die SPD, denn wie bei einem Menschen prägen auch eine Partei die Dinge, die sie in ihren ersten Jahren erlebt hat, auch später noch.

          Die SPD war mal eine soziale Bewegung, gleichzeitig traditionell und modern. Handwerksgesellen fürchteten beim Aufkommen der Industrialisierung um ihre Privilegien. Sie waren schon organisiert, und ihnen fiel es deswegen relativ leicht, politische Forderungen aufzustellen. Doch dann übernahmen die Arbeiter – eigentlich nur ein paar von ihnen, die für die sozialistische Sache eintraten. Arbeitervereine schlossen sich an. Sie waren sich längst nicht einig, wie sich die Partei entwickeln sollte – und legten damit den Grundstein für Flügelkämpfe, Spaltungen und Streit. Bis heute ist die SPD im besten Sinne eine sehr vielstimmige Partei, im schlechtesten Sinne manchmal auch eine Chaostruppe.

          Walter zeigt, dass die SPD sowohl eine Geschichte des Erfolgs, aber auch eine des Scheiterns ist. Beides hängt eng zusammen. Die SPD versprach immer den Aufstieg – und stieg damit selbst auf. Sie war irgendwann nicht mehr die Bewegung der Zukurzgekommenen, wie Walter es einmal ausdrückte. Sie verlor den Kontakt zu denen, die nicht aufgestiegen waren. Als sich die Parteiführung Anfang des Jahrtausends an die Sozialstaatsreformen machte, die in Hartz IV gipfelten, wurde laut Walter klar, dass die neue sozialdemokratische Elite wenig von den Nöten der Menschen „da unten“ wusste und verstand.

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