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Altersarmut im teuren München : Wenn die Rente nicht zum Leben reicht

Viele ältere Frauen müssen sich Nahrungsmittel bei der Tafel besorgen – hier eine Dame mit Rollator im März 2018 bei einer Frankfurter Tafel. Bild: Michael Braunschädel

Weiterarbeiten oder sich im Supermarkt Reste schenken lassen: Eine Studie zeigt, wie alleinstehende Frauen es schaffen, im teuren München mit nur wenigen hundert Euro im Monat auszukommen.

          Frauen verdienen oft weniger als Männer, und wenn sie Kinder bekommen, setzen sie im Beruf aus oder arbeiten in Teilzeit. Das wirkt sich später auf die Rente aus. Die reicht vielen Frauen nicht mal für die Miete, vor allem alleinstehenden Frauen in teuren Städten. Dort nimmt die Altersarmut besonders zu, und dort steigen die Mieten immer weiter. Jede sechste Person im Rentenalter ist mittlerweile von sogenannter relativer Einkommensarmut bedroht, wobei die Armutsgefährdung von Frauen gegenüber der von Männern jenseits der 65 zuletzt deutlich gestiegen ist.

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Hinzu kommt, dass Kinder nach einer Trennung eher bei der Mutter bleiben und Alleinerziehende besonders armutsgefährdet sind sowie dass Frauen oft unbezahlte Arbeiten wie die Pflege Angehöriger übernehmen. Die durchschnittliche Bestandsrente lag 2016 für Männer in München denn auch bei 1100 Euro, für Frauen lediglich bei 785 Euro.

          Wie lebt es sich mit einer solchen Summe in einer teuren Großstadt? Die Münchner Professorin Irene Götz und ihre Mitarbeiter haben sich dieser Frage im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts „Prekärer Ruhestand“ gewidmet und 50 in München lebende Rentnerinnen zwischen 63 und 85 Jahren interviewt. Ihre Studie ermöglicht einen ungewohnt intimen Einblick in den Alltag von alleinstehenden Frauen, denen die Rente kaum zum Leben reicht.

          Irene Götz sieht die Schuld dafür nicht bei den Frauen, sondern in der Politik: im Absenken des Rentenniveaus, der Abnahme sicherer Festanstellungen, im Ehegattensplitting. Sie fordert ein Umdenken in Politik und Gesellschaft. Der soziale Wohnungsbau sollte wieder stärker gefördert, die Kinderbetreuung verbessert und die staatliche Rente konsolidiert werden, etwa, indem auch Selbständige und Beamte einzahlen. Aber auch auf persönlicher Ebene müsse ein Bewusstseinswandel stattfinden. Wenn Frauen für die Kindererziehung zu Hause blieben, sollten Männer etwa im Gegenzug für sie in eine private Rentenversicherung einzahlen.

          Die Frauen kommen selbst zu Wort

          Diese Vorschläge zur Armutsprävention werden im Anschluss an die Darstellung des Problems im ersten Teil des Buchs formuliert. Der zweite Teil widmet sich kapitelweise 18 der 50 Frauen, die für die qualitative Studie mehrfach interviewt wurden. Sie kommen in langen Zitaten selbst zu Wort. Etwa eine ehemalige Altenpflegerin, die wegen der körperlichen Belastung in ihrem Job frühverrentet ist und nun nach 44 Jahren Vollzeitarbeit, davon einige als Stationsleiterin, 1250 Euro Rente bekommt. Damit liegt sie unter der für München berechneten Armutsgefährdungsschwelle von 1350 Euro, wird aber von ihren Töchtern unterstützt.

          Deutlich weniger Geld zu Verfügung hat eine studierte rumänischstämmige Bauingenieurin, die allein ein krankes Kind großgezogen hat, in Deutschland nie beruflich Fuß fassen konnte und von 148 Euro Rente plus Grundsicherung leben muss. Ihr bleiben nach Abzug der Miete rund 400 Euro zum Leben. Im Supermarkt lässt sie sich Kohlrabi-Blätter schenken und kocht daraus einen Eintopf, den sie über mehrere Tage immer wieder aufwärmt. Eine weitere Frau schien von der 2014 eingeführten Mütterrente zu profitieren. Doch die gut 50 Euro mehr im Monat hatten zur Folge, dass sie nicht mehr berechtigt war, Grundsicherung zu beziehen. Deshalb arbeitet sie nun mit knapp 70 abends als Telefonistin in einem Callcenter.

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