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Václav Havel : Vorhang auf für den Dichter-Präsidenten!

  • -Aktualisiert am

Auf dem Wenzelsplatz am 24. November 1989: Dubček und Havel Bild: Abb.a.dem bespr. Band

Michael Žantovský hatte Václav Havels Tod 2011 abgewartet, bevor er sein Leben zu beschreiben begann. Vermutlich nicht nur aus Gründen der Vollständigkeit. Sein Freund hätte wohl auf etlichen Korrekturen bestanden.

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          Michael Žantovský nannte sein Buch, das er auf Englisch verfasste, schlicht „Havel. A Life“. Sein deutscher Verlag hielt es für angebracht, den Untertitel durch „In der Wahrheit leben“ zu ersetzen, was den Verdacht erweckt, der Autor spinne weiter an der Heiligenlegende, die von der „Samtenen Revolution“ über die Prager Hofberichterstattung und die Havel-Biographien Eda Kriseovás (1991) und John Keanes (2000) bis zu den im Dezember 2011 erschienenen internationalen Nachrufen nahezu unentwegt gepflegt wurde.

          Als Havels Pressesprecher in den Jahren 1989 bis 1992 war Žantovský an der Konstruktion dieses Mythos nicht ganz unbeteiligt gewesen, als tschechischer Botschafter unterlag er wohl auch Beschränkungen, die einer objektiven Bewertung Havels als „Symbol des modernen tschechischen Staates“ (so Václav Klaus in seinem Nachruf) nicht unbedingt förderlich waren. Und dennoch: Žantovský ist eine wunderbare, durchaus nicht apologetische und sehr spannende Erzählung dieses außergewöhnlichen Lebens gelungen - ein Buch, das man allen empfehlen kann, die mehr über das Jahr 1989 und den politischen Wandel in der Tschechoslowakei erfahren möchten, sich aber partout nicht langweilen wollen.

          Eine gute Havel-Biographie ist überfällig. Daniel Kaisers Biographie in zwei Bänden („Disident 1936-1989“ und „Prezident 1990-2003“), die diesem Anspruch genügt, liegt bisher leider nur auf Tschechisch vor. Kaiser behandelt sehr ausführlich auch die widersprüchliche Rolle Havels in den deutsch-tschechischen Beziehungen, auf die Žantovský in seinem vorwiegend für den englischsprachigen Raum verfassten Buch leider nur am Rande eingeht. Doch während Kaiser sich dem im Grunde medienscheuen Präsidenten nur so weit nähern konnte, wie es einem Journalisten überhaupt möglich war, stand ihm Žantovský persönlich sehr nahe - er gehörte bis zu seinem Tod zu seinem engsten Freundeskreis. Dieser Kreis, schreibt er, „funktionierte unweigerlich wie ein Club, gelegentlich auch wie ein Hofstaat, wenn Havels kreativen Launen Folge zu leisten war“. Auch die Burg-Flüchtlinge, die ihnen überdrüssig geworden waren, arbeiteten weiterhin „in verschiedenen Projekten mit ihm zusammen, korrespondierten miteinander, tauschten Ideen aus und boten ihre Unterstützung und ihren Rat an. Havel vergalt Gleiches mit Gleichem.“ Entgegen Žantovskýs Empfehlung, er möge eine Partei gründen, um seinen politischen Einfluss zu behalten, beharrte Havel bis zuletzt auf seiner Idee der „unpolitischen Politik“. Seine informelle „Burg-Partei“ behielt ihr politisches Gewicht, während die aus ihr hervorgegangenen Parteien - darunter die Žantovskýs - kläglich scheiterten.

          Da und dort mag es dem Autor an Objektivität mangeln, und der an politischen Zusammenhängen interessierte Leser wird bei Kaiser gewiss gründlicher informiert, aber an Anschaulichkeit ist Žantovský kaum zu überbieten. Dies gilt naturgemäß vor allem für die Ereignisse von 1989 bis 1992, die er an der Seite Havels erlebte. Humorvoll und mit vielen Details schildert er, wie in diesen Heldenjahren der Bürgersohn und Bohémien, der Künstler, Dissident und Politiker in der Rolle des „Dichter-Präsidenten“ verschmolzen und eine Lichtgestalt auf die internationale Bühne trat, die nichts weniger als das Wunder versprach, Politik und Moral zur Deckung zu bringen.

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