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Unbequem : Die Diplomatie als Retter

  • -Aktualisiert am

Richard Holbrooke (Sondergesandter Präsident Obamas für Afghanistan und Pakistan), Hamid Karzai und General David Petraeus Bild: dpa

Diplomatie ist langwierig, Erfolge stellen sich nur allmählich ein - wenn überhaupt. Warum sie trotzdem vor anderen Methoden vorzuziehen ist, liest man hier.

          Seit dem Zerfall der Sowjetunion ist es nicht gut gelaufen für die amerikanische Außenpolitik. Russland und China sind weder zu Demokratien geworden, noch haben sie sich in die Pax Americana eingefügt. Nach 9/11 verstrickten sich die Vereinigten Staaten in Kriege im Irak und in Afghanistan, die nicht zu gewinnen waren; die Intervention im libyschen Bürgerkrieg erfolgte halbherzig und ohne langen Atem, aus dem Syrien-Krieg hielten sie sich weitgehend heraus. Und jetzt reißt auch noch der Berserker im Weißen Haus das traditionelle Bündnissystem ein. Kein Wunder, dass Washingtons weltpolitischer Einfluss in den vergangenen 25 Jahren kleiner geworden ist.

          Diesen Machtverlust zu erklären, setzt sich Ronan Farrow zum Ziel. Er ist ein Wunderkind: Mit elf war der Sohn von Mia Farrow und Woody Allen mit der Schule fertig, mit 14 wurde er Unicef-Sprecher für die Jugend, mit 15 hatte er seinen ersten Uniabschluss in der Tasche. Er studierte Jura in Yale, arbeitete mit 20 vier Jahre im Außenministerium, schrieb danach für die „New York Times“ und das „Wall Street Journal“. 2017 deckte er im „New Yorker“ die Machenschaften von Hollywood-Produzent Harvey Weinstein auf und brachte damit die Me-Too-Debatte ins Rollen. Dafür bekam er im April den Pulitzerpreis für Dienst an der Öffentlichkeit. Mehr geht nicht? Doch: „Time“ zählt ihn zu einem der 100 einflussreichsten Personen, „People“ zu einem der Sexiest Men Alive.

          In seinem ersten Buch argumentiert der Dreißigjährige, die Crux der amerikanischen Außenpolitik sei es, dass angefangen mit Bill Clinton alle Präsidenten das Außenministerium geschwächt und dem Pentagon mehr und mehr Macht gegeben hätten. „Von Mogadischu über Damaskus bis nach Islamabad verabschiedeten sich die USA aus dem zivilen Dialog, ersetzten die Werkzeuge der Diplomatie durch direkte taktische Deals zwischen US-amerikanischem Militär und ausländischen Streitkräften“, schreibt Farrow. Trump verkörpert mit seiner Verachtung klassischer Diplomatie insofern nur den Höhepunkt eines jahrzehntelangen Trends. Die einzigen Männer, die er akzeptiert, sind Generäle: Zwei machte er zu seinen Sicherheitsberatern, einen zum Verteidigungsminister, einen zum Stabschef. Zehn der 25 führenden Positionen im Stab des Nationalen Sicherheitsrats sind mit aktiven oder pensionierten Militärs besetzt. Rex Tillerson, Trumps erster Außenminister, begann dagegen seine Amtszeit mit dem Vorschlag, das Budget seiner Behörde um 40 Prozent zu kürzen. Noch heute ist nur einer von sechs Staatssekretärsposten im State Department besetzt, von 188 Botschafterposten sind 39 vakant. Farrow schreibt: „Ein Berufsstand, der noch vor ein paar Jahrzehnten die besten Köpfe aus Amerikas Universitäten und auch aus der Privatwirtschaft anlockte, lag in Trümmern, wenn nicht sogar im Sterben.“

          Seine Idee von den katastrophalen Folgen der Militarisierung der Außenpolitik untermauert Farrow, indem er sich fünf Krisenregionen auf drei Kontinenten anschaut. Viele der Konfliktherde kennt er aus eigener Erfahrung. 2009/10 arbeitete er im Team von Richard Holbrooke, dem Sondergesandten Präsident Obamas für Afghanistan und Pakistan, dann zwei Jahre als Berater von Außenministerin Hillary Clinton. Seitdem ist er als Reporter weltweit unterwegs, mit exzellentem Zugang zu Washingtons Machtelite.

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