https://www.faz.net/-gpf-a3d8d

Trump : Trump First – America Last?

  • -Aktualisiert am

Nicht mehr im Amt: „Erwachsene“ wie James Mattis duldet der Präsident nicht lange um sich. Bild: Reuters

Eine erste Bilanz der Amtszeit. Oder doch eine Bilanz der ersten Amtszeit?

          4 Min.

          Was bleibt von Donald Trump? Für Amerika, für Europa, für Asien? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit seiner Wahl zum amerikanischen Präsidenten eine allmählich kaum noch zu überblickende Reihe von Analysen und Kommentaren. Hinzu kommen Dutzende von sich als Enthüllungsbücher erfolgreich vermarktenden Rückblicken ehemaliger Mitarbeiter Trumps, die vor allem auch über seine augenscheinlichen charakterlichen Schwächen in der Amtsführung berichten. Bis zur Präsidentenwahl am 3. November dürfte die Taktung derartiger Publikationen noch einmal zunehmen.

          Wer in dieser Fülle an Material nach einer kompakten, klar strukturierten und vor allem gut abgewogenen Bilanz sucht, der sollte zum Buch Stephan Bierlings greifen. Seit nunmehr zwanzig Jahren hat er die Professur für Internationale Politik und transatlantische Beziehungen am Institut für Politikwissenschaft der Universität Regensburg inne. Zu seinem Markenzeichen hat sich seitdem die regelmäßige Vorlage pointierter Analysen nicht nur der amerikanischen Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und ihrer Geschichte, sondern auch ihrer Wechselwirkungen mit den Entwicklungen in Deutschland und Europa entwickelt.

          Ob in „Vormacht wider Willen“, einem Blick aus dem Jahr 2014 auf die deutsche Außenpolitik von der Wiedervereinigung bis zur Gegenwart, oder in seinem Appell 2007 für eine „Huckepack-Strategie“, in dem er das Ungenügen von Europas „wei-cher“ Macht verdeutlichte und Argumente für eine Juniorpartnerschaft mit den Vereinigten Staaten versammelte, oder 2010 in seiner Einordnung des Irak-Krieges in die Geschichte der Vereinigten Staaten, deren Außenpolitik seit 1917 er darüber hinaus eine grundlegende Darstellung 2003 gewidmet hatte: Stets hält Bierling Deutschland, Europa und Amerika wechselseitig den Spiegel vor und schlägt dadurch eine Brücke wertvoller transatlantischer Erkenntnis – eine Fähigkeit, die angesichts der starken Spannungen der vergangenen Jahre zwischen Washington, Berlin und Brüssel nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

          Nun nimmt sich Bierling die Präsidentschaft Trumps vor. In fünfzehn Kapiteln fächert er dessen bisherige Handlungsfelder auf. Zunächst geht es um den Mann und die Marke Trump, um seinen Hintergrund und Werdegang, dann um den Weg vom Kandidaten zum Präsidenten. Hier arbeitet Bierling heraus, wie stark Polarisierung und Zukunftsangst von Beginn an als Treibstoff für Trumps Kampagnen gedient haben. Angekommen im Weißen Haus folgt eine treffende Charakterisierung des Führungsstils und des Umgangs mit Mitarbeitern durch Trumps eigene Aussage aus dem Januar 2018: „Ich bin der Einzige, der zählt.“ Die Folge: Inzwischen hat er mehr Minister und Berater entlassen als jeder seiner Vorgänger.

          Aufbauend auf der Beschreibung von Trumps Persönlichkeit, seines Denkens und seiner Arbeitsweise, beleuchtet Bierling die zentralen Politikfelder nicht nur des ersten Milliardärs im Weißen Haus, sondern auch des ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten, der zuvor noch nie eine Funktion in Politik oder Militär innehatte. Diese strategischen wie operativen Defizite spiegeln sich in sämtlichen politischen Schwerpunkten, die Bierling benennt: angefangen bei der Illusion von Sicherheit und einem „weißen“ Amerika in der Einwanderungspolitik und von angeblich einfach zu gewinnenden Handelskonflikten, insbesondere mit Blick auf China, über den selbst ausgerufenen Trump-Boom der „besten Wirtschaft der Geschichte“, für die Deregulierung und Steuersenkungen als Allheilmittel gesehen werden, bis hin zu den gesellschaftspolitischen Kulturkriegen, die Trump immer wieder aufs Neue anheizt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kämpft mit dem Brexit und der Pandemie an zwei Fronten: Großbritanniens Premier Boris Johnson

          Desinteresse in Großbritannien : Für viele Briten ist der Brexit erledigt

          In Großbritannien interessiert sich kaum noch jemand für die Verhandlungen über das künftige Verhältnis zur EU. Das liegt nicht nur an der Corona-Pandemie. Auch das Verhalten des Staatenbundes spielt eine wichtige Rolle.

          Fehlstart für Dortmund : Unerklärlich, desolat und einfach schlecht

          Beim Start in die Saison der Champions League zeigt der BVB bei der Niederlage bei Lazio Rom eine erschreckende Leistung. Die Kritik ist groß. Und nun wartet auch noch eine ziemlich brisante Aufgabe auf die Dortmunder.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.