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Topagenten oder Amateure? : Geld, Luxus, Sex, Betrug, Leichtsinn, Verrat

  • -Aktualisiert am

CIA Zentrale in Langley, USA Bild: AP

Sie spionierten in der DDR für die Amerikaner. Aber die „Raue-Gruppe“ erfüllt auch viele Klischees aus der Agentenliteratur.

          Zu Beginn des Jahres 1960 fanden am Bezirksgericht in Frankfurt an der Oder zwei Geheimprozesse gegen die Mitglieder der sogenannten Raue-Gruppe statt. Ihnen wurde Spionage für die CIA vorgeworfen. Zum Kern der „Gruppe“ gehörten die Brüder Gerd (Gerhard) und Heinz Raue sowie dessen Ehefrau Olga Raue, geborene Karalus. Angeklagt waren ebenfalls Christa Raue, die Ehefrau Gerds, sowie die Mutter der beiden Brüder, Lotte Raue. Während Gerd und Olga Raue in Berlin-Hohenschönhausen ihre Haftstrafen verbüßten und bereits 1964 bzw. 1966 entlassen wurden, saß Olgas Ehemann Heinz bis 1969 in der Sonderhaftanstalt Bautzen II ein.

          Stefan Appelius hat sich in akribischer Recherchearbeit des fast aussichtslos erscheinenden Unterfangens angenommen, die Spuren der Gruppe Raue zu erforschen und die Hintergründe darzustellen. In seinem Buch nimmt Appelius die Leser detailliert mit auf seine jahrelangen Recherchen. An deren Anfang stand der Hinweis eines ebenfalls in Bautzen inhaftierten politischen Häftlings zu diesem Fall, über den weder in der DDR- noch in der westdeutschen Presse berichtet worden war.

          Heinz Raue, der als Kopf der Gruppe galt, hatte sich nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft bereits 1949 an den britischen Geheimdienst gewandt und seine Mitarbeit angeboten. Da die Briten nicht interessiert waren, versuchte er es bei der CIA. In der Folge baute er einen immer größeren Agentenkreis auf, in den er vor allem Familienmitglieder einbezog. Seine Verlobte Olga wurde – offenbar anfangs ohne ihr Wissen – als Kurierin in die Übermittlung von Informationen nach West-Berlin eingespannt. Später wurden sein Bruder Gerd, die Mutter und etliche weitere Freundinnen und Geliebte mit einbezogen. Beim Lesen staunt man über den Leichtsinn, mit dem das Trio spionierte und offenbar unter Missachtung grundlegender konspirativer Regeln andere zum Mittun aufforderte. Während Olga anfangs offenbar nur zur Tarnung mit nach West-Berlin fuhr und dort das angenehme Leben genoss, wurde sie später – Appelius zufolge – zum Mittelpunkt des Agentenrings. Während ihres Medizinstudiums in Moskau sollte sie Informationen über Bauvorhaben sammeln, tote Briefkästen einrichten, in denen Informationen und Geld für andere Spione deponiert werden sollten sowie Wasser- und Erdproben aus Moskau und Umgebung nehmen. Mit diesen Proben sollte – so Appelius – dem geheimen Atom- und Wasserstoffbombenprogramm der Sowjetunion auf die Spur gekommen werden. 1959 flog Olga Raue in Moskau auf. In den Verhören bezeichnete sie ihren Mann als „Chef der Gruppe“, der daraufhin mit ihrer Schwiegermutter, ihrem Schwager Gerd und ihrer Schwägerin ebenfalls verhaftet wurde. Während Gerd und Heinz Raue zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, erhielt Olga Raue wegen ihrer Kooperationsbereitschaft und weil ihr Mann alle Schuld auf sich nahm, 15 Jahre Haft. In der Haft verpflichtete sich Olga Raue als Zellenspitzel und später als „Informelle Mitarbeiterin“ der Stasi (IM).

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