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Strategiedebatte : Asien ohne Amerika?

  • -Aktualisiert am

Der Flugzeugträger USS Carl Vinson vor Danang in Vietnam. Bild: AP

Amerika und China sind Konkurrenten - auch auf militärischem Gebiet. Das wird spannend, in jeder Hinsicht.

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          Ob der amerikanische Präsident dereinst als „nützlicher Idiot“ Chinas (und Russlands) in die Geschichte eingehen wird, weil er erst aus dem Transpazifischen Abkommen (TPP) ausstieg, um dann seinem chinesischen Widerpart ungefragt zu dessen lebenslanger Machtfestigung zu gratulieren (dass er ähnlich über Putin denkt, ist unleugbar), wissen wir nicht. Aber ein Buch, das Amerikas Rolle in Süd-/Ostasien nicht systematisch in seine Analyse integriert, so lässt sich bereits vermuten, wird es schwer haben, interessierte Leser zu überzeugen. Fairerweise, so muss man sagen, ist dies eine Schwäche, welche die Herausgeber mit vielen Experten qua Sozialisation teilen.

          Der Band von Tarling und Xin versucht es gleichwohl. Ihr Ziel ist es, Bedrohungsformen zu erklären, die Ländern der Region konkret widerfahren sind oder die diese zumindest als solche auffassen. Konzeptionell greifen sie dafür auf innergesellschaftliche Auffassungen von Bedrohung und Sicherheit zurück, nicht zuletzt auch auf ihrer Meinung nach marginalisierte Stimmen. Der Leser, der an dieser Stelle zunächst eine konzeptionelle Auseinandersetzung mit Robert Jervis’ Klassiker „Perception and Misperception“ erwartet, wird enttäuscht. Auch die Frage, welches Gewicht solche Perspektiven haben, wenn eine Region vom potentiell kriegerischen Widerstreit zwischen Großmächten erfasst ist, wird nicht problematisiert. Gleichfalls wird nicht gesagt, welcher Gewinn (außer einem rein deskriptiven) in dieser marginaliserten Perspektive besteht, da sie sich dem größeren Kontext nicht entziehen kann. Dies wird besonders deutlich in den Kapiteln, die sich mit Piraterie und deren Bedrohungsperzeption durch traditionelle Wirtschaftszweige beschäftigen, aber über eine Beschreibung regionalspezifischer Charakteristika dessen nicht hinausgelangen, was als Koordinationsproblematik unter collective action bekannt ist.

          Das Buch beschäftigt sich nachfolgend mit Bedrohungsperzeptionen in Malaysia, Singapur, den Philippinen, Japan, Thailand und China. Unter den mehrheitlich deskriptiv gehaltenen Kapiteln ragen die über Japan und China hervor. Das ist einer Schwäche des Buches zu verdanken, die hier zur Stärke wird. Während der Band seiner eigenen Aussage nach auf „neue“ Bedrohungen zielt (Piraterie), wird in den Einlassungen zu Japan und China deutlich, dass das Schwergewicht vielmehr auf der zwischenstaatlichen Bedrohungsanalyse liegt.

          Yoichiro Sato teilt das Kapitel zu Japans Perzeption seines Umfelds in die Zeit während und nach dem Kalten Krieg ein. Er beschreibt, dass die Faktoren (Hochsee-)Fischerei, Öl, der Aufbau einer großen Handelsflotte und zeitweilige, zumeist friedliche Konflikte im Südchinesischen Meer diese Ära aus Sicht Tokios bestimmten. Japans Außenpolitik sei wesentlich vom Schutz seiner Interessen durch Amerika abhängig gewesen. Welche Perzeption der Vereinigten Staaten dies über 45 Jahre hin nach zwei Atombomben ermöglichte, wird nicht näher erklärt. Und warum dies nach dem Ende der bipolaren Konfrontation als strategisches Paradigma so blieb, wird gleichfalls nicht erläutert. Zwar führt Sato jetzt China ein und beschreibt den Wettbewerb um Ressourcen, beleuchtet die Rolle Nordkoreas im Verhältnis der ehemaligen Kriegsgegner und legt auch minutiös Japans Initiativen zum Thema Piraterie an der für den Welthandel zentralen Straße von Malakka dar. Aber es gelingt dem Autor nicht, die Implikationen japanischer Außenpolitik und, wichtiger noch, den Rahmen seiner äußeren Politik zu problematisieren. Gerade im Hinblick auf die Dynamik von Perzeptionen wäre es hier zentral gewesen, analytisch darauf zu verweisen, dass Tokios strategische Abhängigkeit von Amerika geschickt kultiviert wurde, um die nie aufgearbeitete Spannung zwischen China und Japan kontrollieren zu können.

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