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Susanne Gaschke : Förden-Hillary auf den Bananenschalen

  • -Aktualisiert am

Unter Genossen wird geschossen: Susanne Gaschke schreibt über ihre Zeit als Oberbürgermeisterin Kiels Bild: Picture-Alliance

Susanne Gaschke rechtfertigt sich in einem Buch für ihre Zeit als Kieler Oberbürgermeisterin – es ist ein larmoyanter Politkrimi geworden. Ein Verriss.

          „Volles Risiko“ heißt das Buch, das die Journalistin und kurzzeitige Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke geschrieben hat. „Volles Risiko“ ist es wohl auch, über ein Buch zu schreiben, in dem man selbst vorkommt. Susanne Gaschke lässt nämlich unter der Kapitelüberschrift „Stegner“ wissen, dass sie mich noch nie leiden konnte. Das ist aber nicht wirklich problematisch - weder für sie noch für mich. Prägender scheinen die Enttäuschungen zu sein, die ihr andere Politiker zugefügt haben, an denen sie sich in ihrem Buch abarbeitet.

          Susanne Gaschkes Buch handelt von ihrem Kurzausflug in die aktive Politik - aus subjektiver Sicht, wie sie selbst schreibt. Fast jede der 254 Seiten steckt voller Emotionen. Was die Autorin primär schildert - quasi die Kernthese des Buches - ist eine Verschwörung, die ihresgleichen sucht: Susanne Gaschke sieht sich nämlich als Opfer einer Intrige, an deren Spitze die schleswig-holsteinische Landesregierung, insbesondere Ministerpräsident Torsten Albig, Innenminister Andreas Breitner sowie die Landes-SPD und am Ende ihr eigener SPD-Kreisverband Kiel stehen. In Mittäterschaft sind auch noch die Medien, insbesondere die schleswig-holsteinischen, die gemeinschaftlich den Erfolg dieser Intrige bewirkt haben sollen.

          Aus welchem Grund es zu dieser einzigartigen Verschwörung gekommen sein soll - das erfahren die Leserinnen und Leser nicht. Ein Politkrimi ohne Auflösung also. Fakten und Motive bleiben im Dunkeln, Widersprüche zuhauf. Geboten wird eine detaillierte Chronologie einer administrativen Fehlentscheidung: Die persönliche Eilentscheidung nämlich, mit der die Oberbürgermeisterin Gaschke einem Kieler Arzt eigentlich fällige Steuerschulden in Millionenhöhe erlassen hat. Sie tat dies, ohne vorher das Einvernehmen mit der Finanzverwaltung des Landes hergestellt oder die Kieler Ratsversammlung vorab beteiligt zu haben. Ein handwerklicher, vielleicht auch ein nachvollziehbarer Fehler, über den eine Politikerin eigentlich nicht fallen sollte. Es ist der Umgang mit dieser Krise, der eben auch im Fall von Susanne Gaschke zum Abgang von der politischen Bühne geführt hat. Und das wird in diesem Buch deutlich belegt.

          Die „Clintons von der Förde“, wie Susanne Gaschke unter Berufung auf Journalistenkollegen und nur scheinbar selbstironisch sich und ihren Mann, den SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels, nennt, seien für die eher mittelmäßigen Repräsentanten der Landespolitik eine große Bedrohung gewesen. Deshalb, so mutmaßt Gaschke, hätten diese alles unternommen, um eine vom Volk direkt gewählte Oberbürgermeisterin scheitern zu lassen. Dieses „direkt gewählt“ betont Gaschke mehrmals. Dabei beklagt sie die Mängel der Kommunalverfassung, weil die ebenfalls eher mäßig begabten Mitglieder der Kieler Ratsversammlung allzu viel mitzureden hätten. Damit würden die Wirkungsmöglichkeiten einer durch direkte Volkswahl legitimierten Oberbürgermeisterin ungerechtfertigterweise beschränkt.

          Ziemlich selbstgerecht klingt das alles

          Susanne Gaschke, die doch Woche für Woche mit Altkanzler Helmut Schmidt in der „Zeit“-Redaktion zusammensaß, sie, die „Konversation mit Sabine Christiansen, Henry Kissinger und Sigmar Gabriel überlebt hat“ (wie sie schreibt), wurde von einer vermeintlich testosterongesteuerten Altpolitikerriege aus dem Amt gedrängt. Diese Lesart stellt die Autorin in den Zusammenhang altbekannter Klischees über ein von der Barschel-Affäre bis zur Nichtwahl von Heide Simonis affairen- und skandalgeplagtes Land, das doch auf jemanden vom Format der Autorin geradezu gewartet hat. Ziemlich selbstgerecht klingt das alles, aber: Fehler im Krisenmanagement gesteht sie durchaus ein. Fehler ausgerechnet im Umgang mit den Medien, die der erfahrenen Journalistin da unterliefen. So schildert sie einen erregten Anruf beim Chefredakteur der „Kieler Nachrichten“, um einen möglicherweise drohenden Artikel zu verhindern. Sie vergleicht das mit dem legendären Anruf des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff bei „Bild“-Chef Kai Diekmann.

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