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„Rote Armee Fraktion“ 1977 : Zu viel über Täter, zu wenig über Opfer

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Bild: Abb. a.d.bespr.Band

Anlässlich des 40. Jahrestages der Terrorwelle, die oft als „Deutscher Herbst“ bezeichnet wird, hat der Journalist Butz Peters in seinem Buch „1977. RAF gegen Bundesrepublik“ einen Überblick vorgelegt, in dem er die Verbrechen dieser linksterroristischen Gruppierung vorstellt.

          Das Jahr 1977 ging als Jahr des Linksterrorismus in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein. Die Chiffre „Deutscher Herbst“ verweist dabei nur auf einen Teil der Ereignisse. Anlässlich des 40. Jahrestages dieser Terrorwelle hat der Journalist Butz Peters in seinem neues Buch „1977. RAF gegen Bundesrepublik“ einen Überblick vorgelegt, in dem er die Verbrechen dieser linksterroristischen Gruppierung vorstellt.

          Am Gründonnerstag ermordete die RAF in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine beiden Begleiter Wolfgang Göbel und Georg Wurster. Am 28. April 1977 wurden in Stuttgart-Stammheim führende Mitglieder der ersten Generation der „Roten Armee Fraktion“ nach einem Rechtsgeschichte schreibenden und von Skandalen überschatteten Verfahren zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Am 30. Juli 1977 ermordete im hessischen Oberursel ein RAF-Kommando den Chef der Dresdner Bank Jürgen Ponto. Am 25. August überwältigten RAF-Terroristen in Karlsruhe ein Künstlerehepaar und versuchten, mit einer Art selbstgebautem Raketenwerfer einen Gebäudetrakt der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe anzugreifen. Am 5. September ermordete in Köln ein Terrorkommando die Begleiter des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und kidnappten den Wirtschaftsführer, um inhaftierte Linksterroristen freizupressen.

          Da zwei Jahre zuvor ein Tausch Geisel gegen Häftlinge nicht zu einem Ende der Gewalt, sondern zu neuem Terror geführt hatte, entschied sich die Bundesregierung im Einvernehmen mit der politischen Opposition dafür, sich nicht erpressen zu lassen. Schließlich entführte die Volksfront zur Befreiung Palästinas zur Unterstützung der RAF-Forderungen und auf Wunsch der befreundeten westdeutschen Linksterroristen die Lufthansa-Maschine „Landshut“. Die palästinensischen Flugzeugentführer erschossen den Piloten der Maschine, bevor die bundesrepublikanische Antiterroreinheit GSG 9 auf dem Flughafen in Mogadischu die übrigen Geiseln befreien konnte. Als Reaktion darauf brachten sich in Stuttgart-Stammheim inhaftierte Mitglieder der Führungsriege der ersten Generation der RAF selbst um. Die Versuche der zweiten Generation der RAF, die Stammheim-Häftlinge mit Gewalt zu befreien, waren gescheitert. Die Linksterroristen ermordeten daraufhin den entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer.

          Was wann wie passierte, rekonstruiert Butz Peters chronologisch durch das Jahr 1977 schreitend mit kurzen, erklärenden Rückgriffen und Ausblicken. Dabei stützt er sich vor allem auf die Unterlagen und Urteile zahlreicher Gerichtsverfahren. Peters Darstellung ist jedoch weit entfernt von Form und Duktus juristischer Texte. Vielmehr entwirft der Autor ein Kaleidoskop von Kurzreportagen, in denen er je einen inhaltlichen Aspekt thematisiert. So stellt er auch die Biographien der jeweils Handelnden kurz vor. Extremer Detailreichtum und Sprache erinnern den Rezensenten an manchen Stellen eher an einen Kriminalroman als an ein Sachbuch. Eine Reihe von Formulierungen erscheinen doch als dem Thema nicht angemessen, etwa wenn Peters die Terroristin Susanne Albrecht als „schusselige Heulsuse“ bezeichnet.

          Der Verdienst von Peters ist es, die Erkenntnisse über die damaligen Ereignisse, die Ermittlungsbehörden und Gerichte in vier Jahrzehnten zusammengetragen haben und die Zehntausende Seiten von Dokumenten füllen, in leicht lesbarer Form zu präsentieren. Dies bedurfte eines großen Rechercheaufwandes. Peters widerlegt damit implizit und oft explizit zahlreiche, in der Öffentlichkeit teilweise bis heute kursierende Fehldeutungen, ja Geschichtslügen zu den Ereignissen. Die Stärken dieses Ansatzes bedingen jedoch auch die Schwächen der Darstellung. Denn der gelernte Jurist Peters bleibt im Wesentlichen in den Denkschemata juristischer Wahrheitsfindung gefangen.

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