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Rainer W. During: Lachnummer BER : Der Bär bleibt am Boden

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Die Parkplätze vor der Abflughalle am zukünftigen Hauptstadtflughafen Willy Brandt in Schoenefeld sind am 29.01.2014 „besetzt“. Bild: dpa

Folgt man Rainer W. During durch die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen des Flughafenneubaus, ist man bereit, es für ein Wunder zu halten, dass in Schönefeld überhaupt etwas steht, was funktioniert.

          „Ein wirklich aktuelles Buch über das Drama um den neuen Berliner Flughafen zu schreiben, ist angesichts dieser ,Neverending Story‘ ein unmögliches Unterfangen.“ Das gesteht der Berliner Journalist Rainer W. During eingangs ein und hält die Chronik, die er 1988 einsetzen lässt und bis zum Juli 2013 führt, dennoch für „ebenso spannend wie unglaublich“. In einem Vierteljahrhundert sei „aus einer weitsichtigen Idee eines der größten Chaosprojekte in der Geschichte der Bundesrepublik“ geworden. Am Ende lässt es During offen, ob er überhaupt noch an eine Fertigstellung des Flughafens in Schönefeld bei Berlin glaubt: „Im Frühjahr 2015 läuft die Baugenehmigung für den BER ab.“ Seit im Mai 2012 die festliche Eröffnung des neuen Flughafens, der am 3. Juni seinen Betrieb aufnehmen sollte, abgesagt werden musste, weil unter anderem die Brandschutzvorkehrungen im Terminal nicht genehmigungsfähig waren, erkennt man in der Politik die Trottel daran, dass sie bereitwillig einen Verantwortlichen oder einen Sachverhalt nennen, an dem das Projekt ihrer Ansicht nach gescheitert ist. Folgt man During durch die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen des Flughafenneubaus, ist man eher bereit, es für ein Wunder zu halten, dass in Schönefeld überhaupt etwas steht, was funktioniert. So viel ist schiefgegangen, so viel hat sich geändert, seit der Plan, einen einzigen Berliner Flughafen zu errichten, beschlossen wurde.

          Schon die Standortauswahl war eine Agonie. Weit strebten und streben die Interessen der Gesellschafter - Berlin, Brandenburg und der Bund - auseinander. Immer ist irgendwo Wahlkampf oder kann jemand einen anderen gar nicht riechen, so dass für Nickeligkeiten aller Art und dysfunktionales Arbeiten in Aufsichtsrat und Geschäftsführung immer gesorgt war - und bis heute ist. Als Benchmark für schlimme Bauherren wurde der BER vom Limburger Bischof abgelöst, fast möchte man kalauern: erlöst. Selbst die beliebte Ansicht, mit Vertretern der Wirtschaft sei so etwas nicht passiert, passt nicht recht ins Flughafenbild. Schließlich saß Hans-Olaf Henkel auch mal im Aufsichtsrat. Und Hartmut Mehdorn - daran hat During erkennbar seinen Spaß - hatte gleich in drei Eigenschaften mit dem BER zu tun: Als „Bahnchef“ war er für die Schienenanbindung zuständig, als Geschäftsführer von Air Berlin repräsentierte er den besten Kunden des neuen Flughafens, und schließlich soll er als Vorsitzender der Geschäftsführung den leidigen BER endlich ans Fliegen bringen. Dass alles teurer werden wird als je gedacht, veranschlagt und öffentlich zugegeben, spielt gegenwärtig keine Rolle: Es wird eben länger dauern, bis der BER seine Kosten wieder einspielt. Ob es am Eröffnungstag die beteiligten deutschen Firmen mit den klangvollen Namen oder die Politiker sein werden, die blamiert dastehen, ist auch anderthalb Jahre nach der x-ten Absage der Eröffnung durchaus noch ungeklärt.

          So dankbar man During ist, die Pannen, Missstimmungen, Fehlentscheidungen und Missgeschicke nicht mit steilen Thesen über die vermeintlich eine Ursache, den einen Schuldigen anzureichern, so ratlos fragt man sich nach der Lektüre, wer so eine Chronik braucht, kauft, liest oder nutzt. „Das wird ein Super-Airport“, habe ihm Mehdorn versichert, schreibt During. Kann schon sein.

          Rainer W. During: Lachnummer BER. Das Debakel um den Hauptstadtflughafen. Eine Chronik. Rotbuch Verlag, Berlin 2013. 240 S., 14,99 €.

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