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Quisling und andere : Flitterwochen mit Hitler?

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Pierre Laval Bild: Camera Press / Bildarchiv

Nach 1945 wollte es keiner gewesen sein. Aber während des Krieges gab es in vielen Ländern Menschen, die mit der deutschen Besatzung kooperierten.

          „Europe on trial“ – so lautet der amerikanische Originaltitel dieses Buches des ungarischen, seit Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten lehrenden Historikers István Deák. Und tatsächlich liegt hier eine Art Anklageschrift gegen jene Gewalt- und Unrechtstaten vor, denen Europa während des Zweiten Weltkriegs ausgesetzt war. Deák möchte aufklären, er will „Mitgefühl für die Opfer des sich in derartigen historischen Situationen ständig verstärkenden Terrors und Gegenterrors“ ermöglichen. Dieses Motiv durchzieht das gesamte, in seiner Synthese beeindruckende, sprachmächtig und pointiert geschriebene und sorgsam von Andreas Schmidt-Schweizer aus dem Ungarischen übersetzte Buch, das in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Netzwerk Erinnerung und Solidarität erschien.

          Deák analysiert die durch Gewalt erzwungene Anpassung und die durch bereitwillige Nachfolgebereitschaft verursachte Kollaboration im Europa des Zweiten Weltkrieges ebenso wie grundsätzliche Fragen an die Widerstandsbewegungen im deutsch besetzten Europa, ohne dabei zu pauschalisieren oder gar einen Antagonismus von Kollaboration und Widerstand zu konstruieren. Er wirft dabei auch noch einen Blick auf die vielfältigen Phänome von Säuberung, Vergeltung und Rache nach 1945 und deren vielfältige Spätfolgen.

          Hier wird ein großer Bogen gespannt, der von unterschiedlichen Besatzungsherrschaften in der europäischen Geschichte bis hin zu jenen Europa-Plänen reicht, die in den unterschiedlichen Staaten, die einem deutschen Besatzungsregime unterlagen, in den Jahren vor 1945 mehr oder weniger intensiv diskutiert wurden. Um bei „Hitlers ersten Eroberungen“ bereits Österreich und die Tschechoslowakei einzubeziehen, teilt Deák unter den Gesichtspunkten von Widerstand und Kollaboration den Zweiten Weltkrieg und seine Vorgeschichte in drei Perioden ein. Die erste reicht von 1938 bis zum 22. Juni 1941, die zweite bis Ende Januar 1943 und der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad und die dritte bis zum Ende des Krieges.

          Scharf kritisiert Deák das Verhalten vieler europäischer Mächte für die erste Phase, in denen er sogar Europas „Flitterwochen“ mit Hitler sieht. Die Wehrmacht habe nicht wegen ihrer militärischen Übermacht von Sieg zu Sieg eilen können, „sondern vielmehr, weil die anderen Teile Europas – mit der Ausnahme Polens und Großbritanniens – das Vorgehen der Deutschen akzeptierten . . . Wenn sie gewollt hätten, wäre es den vereinten europäischen Kräften möglich gewesen, der deutschen Aggression mit Erfolg entgegenzutreten.“ Dänemark, Norwegen, Belgien, Frankreich, die Niederlande – überall sei die Zusammenarbeit zwischen Okkupanten und Okkupierten beinahe problemlos verlaufen. Hitler habe die besetzten Staaten Nord- und Westeuropas relativ behutsam behandelt, weil sein Ziel in der Kolonialisierung und totalen Eroberung im Osten lag. Hierfür habe er die bereitwillige Kooperation der West- und Nordeuropäer benötigt und in der Regel auch erhalten.

          Gänzlich unterschiedlich entwickelte sich die Situation durch die brutalen Besatzungsregimes in Polen ab 1939 und in Osteuropa ab Sommer 1941. Fakten- und kenntnisreich beschreibt Deák Fakten und Motive osteuropäischer Kollaboration, macht aber auch deutlich, dass die Anerkennung dieser Kollaboration als Teil der eigenen Geschichte heute nicht nur im Baltikum Probleme bereitet.

          Die verbündeten Staaten – Italien, Bulgarien, Finnland, Kroatien, Rumänien, die Slowakei und Ungarn – seien keineswegs bloße Marionetten Deutschlands, sondern „in großem Maße Herren ihres eigenen Schicksals“ gewesen und hätten eigene Handlungsspielräume besessen und auch genutzt. Das deutsche Bündnissystem sei undurchsichtig gewesen; viele verbündete Staaten seien untereinander verfeindet gewesen. Zur Durchsetzung eigener Interessen hätten die meisten während des Krieges eigene „ethnische Säuberungen“ durchgeführt. Hätten diese Länder bessere Möglichkeiten als die Einsetzung deutschfreundlicher Regierungen gehabt? Für Deák lässt sich diese Frage am Beispiel von Jugoslawien, Italien und Ungarn schwer beantworten.

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