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Papstwahl : Ein Schlüsselloch-Blick ins Konklave

Weißer Rauch kündet von der erfolgreichen Papstwahl Bild: AP/dpa

Selbst im Vatikan geht es zuweilen zu wie im wirklichen politischen Leben. Ein Insider berichtet, wie Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt wurde.

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          Ein Konklave ist eigentlich die geheimste Wahl der Welt. Bevor die Kardinäle im Vatikan in die abhörsicher eingerichtete Sixtinische Kapelle einziehen, versprechen sie unter Eid, „in bedingungsloser Treue“ Geheimhaltung über alles zu wahren, „was in irgendeiner Weise die Wahl des Papstes betrifft und was am Wahlort geschieht und direkt oder indirekt die Abstimmung betrifft“. Wer diesen Eid bricht, riskiert im schlimmsten Fall die Exkommunikation. Selbst in einigen Jahrzehnten werden Historiker nach derzeitigem Stand nicht in der Lage sein, anhand vatikanischer Akten zu rekonstruieren, wie es zur Wahl von Franziskus, Benedikt XVI. oder Johannes Paul II. kam. Denn alle Dokumente, die das Konklave betreffen, sind laut dem vatikanischen Archivgesetz auch nach der allgemeinen Freigabe der Akten eines Pontifikats nicht für Wissenschaftler zugänglich – es sei denn, der Papst erteilt eine Sondergenehmigung. Dahinter steht nicht zuletzt die Sorge, dass allzu detaillierte Einblicke in das Wahlgeschehen unter den Gläubigen Zweifel daran nähren könnten, dass im Konklave tatsächlich der Heilige Geist am Werk ist.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

          Doch zumindest einer der 115 Kardinäle, die am 12. März 2013 ins Konklave einzogen, teilte diese Sorge offenbar nicht: Er gab die Ergebnisse der fünf gültigen Abstimmungen preis, die einen Tag darauf in einer Sensation mündeten: Der Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum ersten lateinamerikanischen Papst der Geschichte. Dank dieser Indiskretion sowie weiteren Gesprächen mit etlichen Teilnehmern des Konklaves und deren Vertrauten konnte der irische Journalist Gerard O’Connell den Ablauf der Papstwahl von 2013 genauer rekonstruieren, als dies für irgendein anderes Konklave in den vergangenen Jahrzehnten möglich ist.

          Das Buch zeigt, dass die Wahl des Erzbischofs von Buenos Aires zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zumindest für viele Kardinäle keineswegs so überraschend war, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Als aussichtsreichster Kandidat galt 2013 in der Öffentlichkeit zunächst der konservative Mailänder Erzbischof Angelo Kardinal Scola, ein früherer Theologieprofessor, der eine Fortsetzung des Kurses von Benedikt XVI. zu versprechen schien. Vor allem die Italiener waren sich seiner Wahl so sicher, dass die Bischofskonferenz schon vor der Bekanntgabe des neuen Papstes ein Glückwunschschreiben an Scola formulierte und nach der Wahl von Franziskus versehentlich auch veröffentlichte. Tatsächlich erreichte Scola im ersten Wahlgang die meisten Stimmen. Mit 30 Stimmen lag er vor Bergoglio, der allerdings schon 26 erhielt und damit deutlich mehr als bislang vermutet worden war. Bemerkenswert ist, dass unter den fünf Kardinälen, welche im ersten Wahlgang die meisten Stimmen auf sich vereinen konnten, nur ein Europäer war, die übrigen vier waren Süd- und Nordamerikaner, obwohl mehr als die Hälfte der Konklaveteilnehmer aus Europa kam. An dritter Stelle lag der kanadische Kardinal Marc Ouellet (22 Stimmen), der Präfekt der Bischofskongregation im Vatikan, es folgten der Erzbischof von Boston, Sean Patrick O’ Malley (10 Stimmen), und der Erzbischof von São Paulo, Odilo Scherer (4 Stimmen).

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