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Papstwahl : Ein Schlüsselloch-Blick ins Konklave

Interessanter als diese Namen sind die allgemeinen Einsichten über Papstwahlen, die sich mit ihnen verbinden. Erstens: Ein Nichtitaliener hat immer nur dann eine Chance, wenn sich die italienischen Kardinäle untereinander nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten verständigen können. Auch wenn sie längst nicht mehr die absolute Mehrheit stellen, waren die Italiener mit 28 Kardinälen im Konklave von 2013 immer noch die mit Abstand stärkste Nation. Etliche von ihnen konnten sich allerdings nicht für Kardinal Scola begeistern und bevorzugten einen reformorientierten Kandidaten.

Zweitens: Ein Amerikaner kann nicht Papst werden. Vor dem Konklave versichern zwar alle Kardinäle gebetsmühlenartig, dass die Nationalität bei der Wahl keine Rolle spiele. Das gilt aber nur, solange es sich nicht um einen Amerikaner handelt. Dass der Mann in weißer Soutane und der Hausherr des Weißen Hauses die gleiche Staatsangehörigkeit haben, ist nach wie vor unvorstellbar – selbst wenn es sich – wie im Fall des Kapuziners O’Malley – um den Angehörigen eines franziskanischen Bettelordens handelt.

Drittens: Ein Kandidat, der aus der römischen Kurie kommt, hat den Vorteil, dass er vielen Kardinälen von ihren regelmäßigen Besuchen in Rom her persönlich bekannt ist. Das kann aber auch von Nachteil sein, wenn der allgemeine Unmut über die Zentrale der römisch-

katholischen Kirche so groß ist wie im Jahr 2013. Und wenn es dem Kandidaten an Charisma mangelt, wie im Fall von Kardinal Ouellet.

Während eines Konklaves wird bisweilen auch mit harten Bandagen gekämpft. Das war auch 2013 nicht anders: Kardinäle, die Bergoglio nicht wohlgesinnt waren, streuten am 13. März während des Mittagessens im vatikanischen Gästehaus Santa Marta die Behauptung, dass es um den 76 Jahren alten Jesuiten gesundheitlich nicht zum besten stehe, weil er nur noch eine Lunge habe. Daraufhin sah sich der honduranische Óscar Andrés Kardinal Rodríguez Maradiaga, einer von dessen Unterstützern, genötigt, Bergoglio zu fragen, ob er tatsächlich so gebrechlich sei, wie behauptet, was dieser dann dementierte. Abgesehen von geringfügigen Hüftbeschwerden und der Entfernung eines kleinen Stücks seiner linken Lunge in Jugendjahren, habe er keine ernsthaften gesundheitlichen Probleme.

Auch in einem anderen Punkt gleichen sich Papstwahlen und Parlamentswahlen hierzulande mehr, als man im Vatikan bisweilen wahrhaben will: Es gewinnt derjenige, der es versteht, kurzfristig die Unentschlossenen für sich zu gewinnen. Nach O’Connells Darstellung waren es vor allem drei Gründe, die dazu führten, dass im sechsten Wahlgang schließlich 85 Kardinäle – und damit die erforderliche Zweidrittelmehrheit – für Bergoglio stimmten. Die meisten lateinamerikanischen Kardinäle hätten ihn von Anfang an unterstützt. Zudem habe seine kurze Ansprache vor den versammelten Kardinälen in den Beratungen vor dem Konklave große Resonanz gefunden. Hinzugekommen sei noch, dass Bergoglio von Anfang an auch Unterstützer aus Asien, Afrika und Europa gehabt habe und 68 Kardinäle ihn schon vom Konklave 2005 gekannt hätten. Doch auch das wird in dem Buch deutlich; für viele Papstwähler gab es letztlich doch nur einen Grund für die Wahl Bergoglios: das Wirken des Heiligen Geistes.

Gerard O’Connell: „The election of Pope Francis“. An inside account of the conclave that changed history. Orbis Books, New York 2019. 336 S., geb., 28,– .

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