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Norbert Trippen; Ulrich Helbach/ Joachim Oeppen; Marcel Albert/ Reimund Haas : Kardinal-Sein am Vater Rhein

Kardinal Meisner feiert am 09. März 2014 im Kölner Dom sein Abschiedsfest Bild: dpa

An welchem Maßstab jeder Erzbischof von Köln gemessen werden wird, offenbart sich erst bei der Lektüre der beiden Biographien, die Norbert Trippen über die Kardinäle Frings und Höffner vorgelegt hat.

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          Länger als Joachim Kardinal Meisner hat kaum einer der Erzbischöfe von Köln je regiert. Trotzdem vermochte er in den vergangenen 25 Jahren nicht, wie nahezu alle seine Vorgänger in jüngerer Zeit, den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz zu erlangen. Erst in Kombination beider Ämter waren seine Vorgänger Josef Frings (1887-1978, Erzbischof von 1942 bis 1969) und Joseph Höffner (1906-1987, Erzbischof bis 1987) zu Kardinälen geworden, die Kirchengeschichte schrieben.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Mit Frings verbinden sich bis heute die Erinnerungen an die Rolle der katholischen Kirche in der Nachkriegszeit, etwa das Votum zugunsten der Gründung der CDU, und an seinen bahnbrechenden Widerstand gegen die Versuche starker Kräfte in Rom, das Zweite Vatikanische Konzil zu usurpieren. Auch die Gründung der Bischöflichen Hilfswerke „Misereor“ und „Adveniat“ sind mit seinem Namen verbunden. Höffner steuerte das Erzbistum durch die unruhigen Jahre nach dem Konzil. Während der Gemeinsamen Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland (1972-1975) repräsentierte er als Gegenspieler des Bischofskonferenz-Vorsitzenden und Synodenpräsidenten Julius Kardinal Döpfner die beharrenden Kräfte im deutschen Episkopat, ohne in Extrempositionen zu verfallen. Im Vatikan galt er als Vertrauter von Paul VI. und Johannes Paul II.

          Indes ist mit diesen Stichworten nur die oberste Schicht des Wirkens der beiden Kirchenmänner beschrieben. An welchem Maßstab jeder Erzbischof von Köln gemessen werden wird, offenbart sich erst bei der Lektüre der beiden Biographien, die Norbert Trippen vorgelegt hat. In jeweils zwei umfangreichen Bänden hat Trippen, der lange dem Kölner Domkapitel angehört hat, quellengestützte Lebensbilder vorgelegt, die eine von epochalen politischen und kirchlichen Umbrüchen geprägte Zeitspanne von mehr als einhundert Jahren lebendig werden lassen. Dabei sind viele Fragen, mit denen sich die Altvorderen quälten, heute nicht minder aktuell denn damals: In seiner Frings-Biographie etwa lässt Trippen die Leser an den tastenden Bemühungen teilhaben, nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus und lange vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Rolle der Laien neu zu bestimmen.

          In der jüngst erschienenen „Kleinen illustrierten Geschichte des Erzbistums Köln“, die wegen ihres flüssigen Erzählstils nicht genug zu loben ist, heißt es dazu, ein „Diözesankomitee der Katholikenausschüsse“ habe sich auf Initiative von Frings und Prälat Böhler gebildet. Bei Trippen stand es präziser: Vielerorts war die Initiative zur Gründung von Katholikenkomitees von Laien ausgegangen. Doch so oder so, der sogenannte „Rätekatholizismus“ ist hierzulande nicht eine Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils, sondern eine kirchliche Sozialform mit eigener Geschichte und eigenem Recht. Mit einer ebenso sensationellen wie aktuellen Schilderung der Umstände einer Kölner Bischofswahl wartet Trippen in seiner Höffner-Biographie auf: Der Münsteraner Bischof war 1968 von Papst Paul VI. als sogenannter Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge eingesetzt worden. Seitens des Vatikan habe man das Wahlrecht des Domkapitels aushebeln wollen, mutmaßten viele. Tatsächlich hatte Paul VI. denjenigen Geistlichen zum Koadjutor ernannt, den das Domkapitel zuvor aus einer von Rom vorlegten Dreierliste gewählt hatte. Erst nach seiner Wahl in Köln habe Höffner von seinem Schicksal erfahren. In Köln knüpft sich an solche Schilderungen die Hoffnung, dass der Papst den Kölnern als Meisner-Nachfolger nicht abermals einen Erzbischof oktroyiert.

          Unfehlbar waren auch die Kölner Erzbischöfe nie. Davon weiß die „Kleine illustrierte Geschichte“ von Ulrich Helbach und Joachim Oepen ein Lied zu singen. Und Trippen verhehlt nicht das Unverständnis, das Frings vielerorts entgegenschlug, als er Ende Oktober 1944 nach Honnef übersiedelte und erst nach dem Ende der Kriegshandlungen in seine Bischofsstadt zurückkehrte. In den Trümmern harrten Stadtdechant Robert Grosche und Prälat Paul Fetten aus. Grosches Tagebuch und Fettens „Chronik der Pfarrei St. Ursula“ liegen in einer von Marcel Albert und Reimund Haas sorgsam edierten Neuausgabe vor und ergänzen entsprechende Passagen der Frings-Biographie aus der existentiellen Perspektive derer, die geblieben waren.

          Norbert Trippen: Josef Kardinal Frings (1887-1978). Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2003. 1263 S., 79,80 €.

          Norbert Trippen: Joseph Kardinal Höffner (1906-1987). Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2009. 883 S., 86,80 €.

          Ulrich Helbach/Joachim Oepen: Kleine illustrierte Geschichte des Erzbistums Köln. J. P. Bachem Verlag, Köln 2013. 191 S., 19,95 €.

          Marcel Albert/Reimund Haas (Herausgeber): Bei den Menschen bleiben. Kölner Pfarrer und das Ende des Zweiten Weltkriegs. EOS Verlag, Sankt Ottilien 2012. 384 S., 19,95 €.

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