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Neues Buch von Hillary Clinton : Eine Frau will es vielleicht noch einmal wissen

  • -Aktualisiert am

Hillary Clinton Bild: AP

Heute erscheint das neue Buch „Hard Choices“ von Hillary Clinton. Will die Politikerin für das amerikanische Präsidentenamt kandidieren? Noch ziert sie sich.

          3 Min.

          Endlich beginnt Hillary Clintons Kampagne offiziell. Von diesem Dienstag an wird die frühere Außenministerin zig Interviews geben und noch rastloser durch das Land reisen. Wo auch immer sie redet oder sich gar in „Townhall Meetings“ Fragen der Leute stellt, soll vor der Tür ein Bus mit dem Schriftzug „Bereit für Hillary!“ parken. Dafür sorgt eine gleichnamige Organisation, in der gewiefte Geldeintreiber aus dem Obama-Kosmos längst über eine beachtliche Kriegskasse wachen. 69 Prozent aller den Demokraten zuneigenden Amerikaner möchten die Ehefrau des 42. Präsidenten zur 45. Präsidentin wählen.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Allein: Sie ziert sich noch. Die nach allen Regeln der Kunst orchestrierte Kampagne diene einzig dazu, ihr Buch „Harte Entscheidungen“ zu vermarkten, das an diesem Dienstag erscheint. Und das nach 654 Seiten Außenpolitik und Anekdoten in dem Satz gipfelt: „Bald genug wird es an der Zeit sein, noch eine harte Entscheidung zu treffen.“

          Die an Barack Obama gescheiterte Präsidentschaftsanwärterin des Jahres 2008 legt sich noch nicht einmal fest, wann sie sich festlegen wird. Ob denn ihre Anhänger erst 2015 mit einer klaren Ansage rechnen könnten, wurde sie gefragt. „Das weiß ich nicht mit Gewissheit“, antwortete Clinton, „aber so, wie ich meine Entscheidungen treffe, ist das vermutlich wahrscheinlich.“

          „Niemand verliert gern eine Debatte“

          Sicher ist, dass sie beim Abfassen ihrer Memoiren darauf achtete, dass ihr keine Zeile zur Stolperfalle auf dem Weg ins Oval Office werde. Mit dem Buch, in dem der frühere Verteidigungsminister Robert Gates unlängst mit Obamas außenpolitischem Personal (außer Clinton) abrechnete, haben Clintons Erinnerungen daher nichts gemein. Der amtierende Präsident kommt gut weg. Damit man ihr nicht ausgerechnet aus dieser Loyalität einen Strick drehen kann, erklärt Clinton ihren Lesern, dass sich eine freizügigere Beschreibung vertraulicher Gespräche nicht zieme. Meistens begnügt sie sich mit kleinen Spitzen gegen Obamas Berater.

          Deutlicher auf Distanz geht sie nur da, wo die Kommentatoren einhellig Erfolglosigkeit bescheinigen. So will sich Clinton bereits 2012 für eine Bewaffnung der Gegner des syrischen Assad-Regimes ausgesprochen haben, was Obama damals zu riskant erschien. Doch sie macht daraus kein heldenhaftes Aufbegehren: „Niemand verliert gern eine Debatte, ich auch nicht“, schreibt sie eher lakonisch. „Aber es lag am Präsidenten, eine Entscheidung zu treffen, und ich habe... seinen Beschluss respektiert.“ Die Republikaner sind entschlossen, Clinton über den Angriff auf das Konsulat in Benghasi stolpern zu lassen, bei dem der Botschafter und drei weitere Amerikaner getötet wurden. Clinton pariert, sie werde sich keinen Schlagabtausch „auf dem Rücken der Opfer“ liefern. In einem Wahlkampf wird es Clinton dagegen sicher nicht schaden, dass sie die anfangs klare Linie des Weißen Hauses gegen den israelischen Siedlungsbau kritisiert.

          Bestimmten Fragen weicht Clinton aus

          Heikler ist ihr Versuch, sich von Obamas Russland-Politik abzugrenzen. Einerseits doziert sie, dass „harte Männer (wie Wladimir Putin) einen vor harte Entscheidungen stellen“. Andererseits war sie es, die Putins Außenminister 2009 den symbolischen Reset-Knopf überreichte. Am schärfsten geht Clinton mit sich selbst ins Gericht, als sie ihr Votum als Senatorin für den Irak-Krieg für „schlichtweg falsch“ erklärt und bedauert, diesen Fehler nicht früher zugegeben zu haben. Heute heikleren Fragen weicht sie aus: Zum Drohnenkrieg oder zu dem Überwachungsnetz der NSA hält sie sich bedeckt. Umso lieber hebt sie hervor, dass sie Obamas „mutigen“ Befehl für den Zugriff auf das Haus von Usama Bin Ladin guthieß.

          Die Schilderung jenes Tages im Jahr 2011, an dem der Al-Qaida-Führer getötet wurde, zählt zu den gefühligeren Szenen des Buches. Nicht einmal ihrem Mann und „besten Freund“ Bill habe sie vorab von der Militäraktion erzählt, schreibt Clinton. Überhaupt ist sie bemüht, ihr kühles Image abzuschütteln. Also erzählt sie, wie sie nach der gescheiterten Kampagne 2008 auf dem Rücksitz eines blauen Lieferwagens liegend zu einem heimlichen Treffen mit Obama gefahren wurde, auf dem sich beide zunächst „wie unsichere Teenager“ gegenübergesessen hätten. Seinem Ruf, ihm als Außenministerin zur Seite zu stehen, sei sie erst gefolgt, als ihr klargeworden sei, dass er nicht lockerlassen würde. Fast eine Million Flugmeilen verdankt sie dieser Entscheidung. Und die Amerikaner einen Tipp gegen Jetlag: Wenn sie sich die Fingernägel in die Handflächen gebohrt habe, schreibt Hillary Clinton, dann sei sie wieder wach geworden.

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