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Nachdenken über den Krieg : Bilder der Apokalypse

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Verteidigungsminister Franz Josef Strauß 1959 bei einem Manöver Bild: INTERFOTO

Nach 1945 war alles anders. Diejenigen, die für das Militärische zuständig waren, waren aber geprägt von der Welt „vor Hiroshima“.

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          Die Bundeswehrführung entwickelte während des Kalten Krieges eine Reihe weitgehender eigener Erwartungen darüber, wie eine mögliche bewaffnete Konfrontation mit dem Warschauer Pakt aussehen könnte. Eine neue Veröffentlichung des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zeigt, wie sich das Kriegsbild zwischen 1945 und 1990 veränderte und worin seine langfristigen Konstanten bestanden.

          Die Idee, dass die Bundeswehr während des Ost-West-Konflikts eine Armee war, die eigentlich nicht dafür gedacht war, tatsächlich einen Krieg gegen die Truppen des Warschauer Paktes auszukämpfen, hat sich zwischen 1955 und 1990 so stark im kollektiven Bewusstsein der Deutschen festgesetzt, dass die Folgen dieser Abwendung vom echten Krieg bis heute spürbar sind. Man denke nur an die heftigen Debatten um die deutsche Beteiligung am Kosovo-Krieg der Nato 1999 oder am Afghanistan-Einsatz des Bündnisses seit 2002. Angesichts der damals wie heute weitverbreiteten Skepsis der Öffentlichkeit gegenüber der Anwendung militärischer Gewalt per se wird allzu leicht vergessen, dass die Bundeswehr auch im Rahmen der Kriegsverhinderung durch Abschreckung bis 1990 (und möglicherweise zukünftig wieder) ihre friedens- und sicherheitspolitische Aufgabe notwendigerweise nur dann erfüllen konnte, wenn sie glaubhaft in der Lage war, im Verbund mit den Verbündeten auch einen „heißen“ Krieg so zu führen, dass die zu erwartenden Kosten im Vergleich zum Nutzen, den die Führung der UdSSR aus einer solchen militärischen Konfrontation zu ziehen glauben konnte, klar überwogen. Dies setzte jedoch voraus, dass Ausstattung und Ausbildung der Streitkräfte sowie die Planungen für den Kriegsfall möglichst realistisch sind und auf einem realitätsnahen Kriegsbild aufbauen.

          Florian Reichenberger zeigt nun in seiner Dissertation detailliert auf, wie sich die militärische Führung unter anderem angesichts finanzpolitischer Engpässe, teilweise mangelnder politisch-strategischer Vorgaben und einer weitverbreiteten pazifistischen Grundhaltung in der Bevölkerung darum bemühte, ein solches realistisches Kriegsbild zu entwickeln, es immer wieder an die politische, militärische und technologische Dynamik anzupassen und auf die sicherheitspolitischen und operativen Planungen auf nationaler wie internationaler (Nato-)Ebene Einfluss zu nehmen. Dies geschieht durch die Aufarbeitung umfangreicher Dokumente und Stellungnahmen, welche die Generalinspekteure der Bundeswehr, die Inspekteure der Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine sowie Angehörige der jeweiligen Führungsstäbe bis 1990 zu ihren Vorstellungen über die Art und Weise verfassten, wie ein zukünftiger Krieg in Europa ausgefochten werden würde.

          Dabei setzt der Verfasser nicht bei der Gründung der Bundeswehr 1955 an, sondern verweist auch auf die theoretischen Grundlagen der Kriegsbilder und des operativen Denkens der deutschen Militäreliten seit 1871. Denn es „ist davon auszugehen, dass die Kriegsvorstellungen der Gründungsväter der Bundeswehr mit Vordienstzeiten in der Wehrmacht und Reichwehr eine spezifische Prägung erhielten, die bis zur Denkschule von Moltke d. Ä. zurückging“.

          Entsprechend stand am Anfang der westdeutschen militärischen Überlegungen zum Kriegsbild nach 1945 trotz der veränderten geostrategischen Konstellation zunächst eine weitgehende Fortführung der Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges, welche ab 1948 auch für die Westalliierten zunehmend interessant wurden, „neigte der ehemalige Kriegsgegner aus dem Westen dazu, die Professionalität der Wehrmachtführung zu bewundern und ihre Erfahrungen im Kampf gegen die Sowjetunion zu schätzen“. Sehr schnell zeigte sich dabei jedoch ein Grundproblem, dem sich die deutsche Militärführung bis zum Ende des Kalten Krieges immer wieder gegenübersah: der Frage nach der Vereinbarkeit traditionellen operativen Denkens mit der Existenz umfangreicher Nuklearwaffenarsenale einerseits und dem Bestreben, einen etwaigen Krieg kurz und nah an der Grenze zwischen den Blöcken zu halten, um die Zivilbevölkerung möglichst zu schonen.

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