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Im NS-Herrschaftsapparat : Aus des „Führers“ Heimat

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Wegweiser zu Orten, die für die Neonazis eine Bedeutung haben, aufgenommen in Mecklenburg-Vorpommern im Januar 2011 Bild: dapd

Lebensläufe und Karrieren von 51 Männern beschreibt Matthias Gafke.Er leitet seine Untersuchung mit einer Typologie der ausgewählten Gruppe ein und analysiert dann die Entwicklung sowie Wirkungsweise des Sicherheitsapparates des „Dritten Reiches“ unter Einbeziehung der beteiligten Österreicher.

          In Österreich bot sich seit dem Betätigungsverbot der NSDAP 1933 bis zum Zusammenbruch ihrer Herrschaft 1945 den Nationalsozialisten ein vielversprechendes Rekrutierungs-Reservoir für Führungskräfte. Der unter anderem aus dem Parteigeheimdienst SD und der politischen Polizei der Länder im Reichssicherheitshauptamt gebündelte Überwachungs- und Unterdrückungsapparat wies eine hohe Zahl Männer in leitenden Funktionen auf, die in den Gebieten der ehemaligen k.u.k.-Monarchie geboren waren. Lebensläufe und Karrieren von 51 Männern beschreibt Matthias Gafke in einer gruppenbiographischen Studie. Er leitet seine Untersuchung mit einer Typologie der ausgewählten Gruppe ein und analysiert in einem zweiten Teil Entwicklung sowie Wirkungsweise des Sicherheitsapparates des „Dritten Reiches“ unter Einbeziehung der beteiligten Österreicher. In einem weiteren Teil beschäftigt er sich mit sechs von ihnen intensiver.

          Betrug der Anteil der Akademiker im Berliner Reichssicherheitshauptamt ohnehin schon etwa zwei Drittel, so lagen hier die Österreicher noch weiter vorn. Ein abgeschlossenes Studium hatten 45, und 39 davon waren promoviert worden. Die meisten hatten ihre politische Zuverlässigkeit durch die Fortsetzung ihrer Parteitätigkeit in der Illegalität bewiesen, wobei sie berufliche und persönliche Nachteile in Kauf nahmen oder tatsächlich erlitten. Sie kannten sich mit konspirativen Methoden aus, waren also auch prädestiniert, solche zu bekämpfen. Viele hatten darüber hinaus langjährige Erfahrung im österreichischen Polizeidienst. Sie wurden im gesamten Reich und in den besetzten Gebieten eingesetzt. Im Dienst für den „Führer“ wurden sie bei dem für diese Leitungsebene obligatorischen Dienst in der Mordmaschinerie der Einsatzgruppen im großen Stil zu Mittätern der Verbrechen des Regimes. Einige überlebten den Krieg nicht, andere wurden für ihre Taten nie belangt.

          Die bekanntesten unter den von Gafke recht unbekümmert „Ostmärker“ Genannten sind Ernst Kaltenbrunner und Otto Skorzeny. Kaltenbrunner, seit 1943 Chef des Reichssicherheitshauptamtes, begann seine Karriere in der illegalen österreichischen SS, zu deren Chef ihn Himmler schon vor dem „Anschluss“ ernannte. Nach dem 20. Juli 1944 förderte Kaltenbrunner seine Landsleute. Gerade die „Ostmärker“ hielt er für treue Anhänger Hitlers, hatten sich doch die „Preußen“ als „Verräter“ erwiesen. Im Angesicht der Niederlage denunzierte er Himmler wegen dessen Kontaktaufnahme zu alliierten Stellen und trug so dazu bei, dass dieser bei Hitler in Ungnade fiel. Obwohl er sich aktiv an den NS-Verbrechen beteiligt hatte, bestritt Kaltenbrunner im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess nicht nur die Mittäter-, sondern sogar die Mitwisserschaft.

          Otto Skorzeny war Kommandeur des SS-Sonderkommandos, das für Sabotage- und Kommandoaktionen eingesetzt wurde. Die Aktion, die ihn bekannt machte, war die Entführung des entmachteten Benito Mussolini, obwohl sein Anteil an der Aktion eher unwesentlich war. Von den Amerikanern wurde er wegen völkerrechtswidriger Einsätze während der Ardennenoffensive verfolgt. Er setzte sich nach Spanien ab und pflegte von dort bis zu seinem Tode 1975 sein Image als Hitlers Haudegen.

          Weniger bekannt, aber erwähnenswert sind Humbert Achamer-Pifrader und Herbert Strickner. Achamer-Pifrader war Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD in Berlin. Er wurde von den Verschwörern am 20. Juli 1944 zunächst im Bendlerblock festgesetzt und beteiligte sich später maßgeblich an den Festnahmen und Ermittlungen. Herbert Strickner, promovierter Zeitungswissenschaftler und einer der wenigen Nichtjuristen in der ausgewählten Gruppe, entwickelte als „Volkstumsreferent“ im SD-Leitabschnitt Posen die „Deutsche Volksliste“. Sie stufte die Bevölkerung im besetzten Polen nach dem Grad ihrer Eindeutschungsfähigkeit in verschiedene Kategorien ein. In der Praxis wurde sie zum Instrument der Diskriminierung und der schließlich völligen Entrechtung der polnischen Bevölkerung. Nach Kriegsende wurde er an Polen ausgeliefert und zum Tode verurteilt.

          Der Autor verliert sich recht häufig in der Ausbreitung biographischer Details von Personen, die nicht zur ausgewählten Gruppe gehören. Obwohl der nationalsozialistische Wortschatz zu diesem Thema weitgehend vorgegeben ist, wirkt die Übernahme oft unreflektiert. Der lockere, wohl süffisant gedachte Sprachstil ist dem ernsten Thema nicht angemessen.

          Matthias Gafke: Heydrichs Ostmärker. Das österreichische Führungspersonal der Sicherheitspolizei und des SD 1939-1945. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2015. 331 S., 59,95 €.

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