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Linke Gewalt : Honecker ein Linksautonomer?

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Linke Gewalt in Reinkultur: Während des G-20-Gipfels 2017 in Hamburg Bild: Daniel Pilar

Wird Gewalt von links verharmlost? Die Autoren sehen das so. Ganz so einfach ist es aber nicht.

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          „Holger, der Kampf geht weiter“, rief Rudi Dutschke im Herbst 1974 am Grab von Holger Meins. Das Mitglied der Roten Armee Fraktion war in der Justizvollzugsanstalt Wittlich an den Folgen seines Hungerstreiks gestorben. Dutschke zitierte eine Liedtextzeile von „Ton Steine Scherben“ und erklärte sich später in einem Leserbrief im „Spiegel“. Seine Solidarität sollte sich auf den politischen Kampf gegen die Isolationshaft beziehen, ließ er wissen, nicht auf den bewaffneten Kampf der RAF. Die Achtundsechziger-Bewegung, in der Dutschke eine zentrale Rolle spielte, war zu diesem Zeitpunkt bereits an ihr Ende gekommen, der Terrorismus der RAF hingegen noch lange nicht. Diese Szene fand in einer Phase statt, in der Gewalt linker Gruppierungen in der Bundesrepublik eine große Rolle spielte.

          Die Berliner Politikwissenschaftler Klaus Schroeder und Monika Deutz-Schroeder haben ihr Buch über die Geschichte und Gegenwart linker Gewalt „Der Kampf ist nicht zu Ende“ genannt; sie gehen also von einer Kontinuität aus. Linke Gewalt sei, so ihre These, nahezu alltäglich, werde aber verharmlost und relativiert. Zum einen erfasse der Staat sie nur unzureichend, zum anderen verliefen die Berichterstattung und die politischen Debatten asymmetrisch: „Generell wird bei rechten Demonstrationen oder Gewaltausschreitungen die ,rechte Gefahr‘ an die Wand gemalt, bei entsprechenden linkem Verhalten ist von bedauerlichen Zwischenfällen die Rede.“

          Erinnert man sich allerdings an die Berichterstattung über die Ausschreitungen während des G-20-Gipfels in Hamburg im Juli 2017, an die folgenden Ermittlungsverfahren und Verurteilungen (oder liest einfach den Verfassungsschutzbericht), ist das eine erstaunliche Behauptung, die in diesem Buch nicht durch wissenschaftliche Forschungsergebnisse belegt wird. Ausgerechnet die Auseinandersetzungen in Hamburg sollen aber Anlass für dieses Buch gewesen sein, sie stellten allerdings nur die Spitze des Eisbergs dar, heißt es.

          Die politische Linke gliedere sich, so Schroeder und Deutz-Schroeder, in eine extremistische, eine radikale und eine gemäßigte Strömung. Dabei stehe die extreme Linke in der Tradition autoritärer Bewegungen. Sie hänge ideologischen Vorstellungen an, laut denen die bestehende Ordnung abgeschafft werden müsse – ob nun ohne oder mit Gewalt. Die häufigste Erscheinungsform sei dabei Konfrontationsgewalt, die sich gegen Polizisten oder Rechte wende. Der Verfassungsschutz ging 2017 von 9000 gewaltorientierten Linksextremisten in Deutschland aus, 2016 von 8500.

          Die Geschichte linker Gewalt beginnt in diesem Buch mit der Französischen Revolution. Hier habe sich ein vermeintlicher Gemeinwille mit Gewalt verknüpft. Zwei Formen linker Gewalt seien in dieser Zeit sichtbar geworden: aufständische und diktatorische staatliche Gewalt. Über die Pariser Kommune und die Oktoberrevolution 1917 in Russland gelangen die Politikwissenschaftler in die Weimarer Republik, in Jahre, die von linken und rechten Umsturzversuchen geprägt waren. Weiter geht es in die DDR. Spätestens hier wird der große Bogen, den das Buch spannen will, abenteuerlich. Denn was ist gewonnen, wenn verschiedene Formen von Gewalt aus verschiedenen Kontexten auf eine Schnur gereiht werden? Statt die Unterschiede zwischen Staatsterror und Terrorismus auszuleuchten, heißt es, Erich Honecker und mit Steinen werfende Linksautonome hätten gemein, dass sie Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit bekämpften.

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