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Kriminelle Partner : Strategische Allianzen

Die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin Bild: dpa

Terroristen sind politisch motiviert, „gewöhnliche Kriminelle“ wollen vor allem Geld. Und doch arbeiten beide auch zusammen.

          4 Min.

          Mit kaum einem Thema hat sich die geballte Kompetenz der westlichen Sicherheitsbehörden in den vergangenen Jahren so intensiv beschäftigt wie mit dem internationalen Terrorismus. Und doch sind dessen Finanzierungswege bisher wenig erforscht. Ein Grund dafür ist schlicht: Bei der Terrorfinanzierung wirken zwei Bereiche zusammen, die zu oft getrennt voneinander behandelt werden, nämlich Terrorismus und organisierte Kriminalität.

          Alexander Haneke
          Redakteur in der Politik.

          Diese These haben die Autoren Arthur Hartmann, Trygve Ben Holland und Sarah Holland zum Titel ihres Buches über Geldwäsche in Europa gemacht. Der Titel führt zwar in die Irre, als es sich bei dem Werk nicht um eine allgemeine Auseinandersetzung mit dem Problemfeld handelt, sondern um eine spezifische Studie zu den Zusammenhängen auf dem Westbalkan, genauer gesagt in Albanien. Doch die These ist eine erste erstaunliche Erkenntnis des Buches, sind doch die Verflechtungen beider Bereiche spätestens seit dem Weiterleben vieler linksterroristischer Strukturen der siebziger Jahre im Untergrund bekannt, genau wie die Verflechtungen etwa der Farc mit dem Drogenhandel in Kolumbien. Und sowohl das Handwerkszeug und als auch das Geschäftsmodell bieten große Synergien: Beide Bereiche arbeiten aus dem Untergrund heraus mit Waffen sowie der Angst der Menschen.

          Albanien wiederum ist praktisch prädestiniert für eine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen organisierter Kriminalität und islamistischem Terrorismus unter Laborbedingungen. Ein Land am Rande der EU mit teils schwer zugänglichen Regionen, einem schwachen Staat, alten, ethnisch organisierten Mafiastrukturen und einer starken Exposition zur islamischen Welt. In Sachen religiöser Toleranz gilt Albanien, dessen Bevölkerung gut zur Hälfte muslimisch ist, zwar weiterhin als Vorbild und ist auch nach dem Urteil der Autoren keineswegs in Gefahr, von einem militanten Islamismus durchdrungen zu werden. Doch spielen mehrere Faktoren zusammen: Schon in den neunziger Jahren waren islamistische Akteure in den Balkan-Kriegen aktiv und rekrutierten in Albanien viele Kämpfer. Die folgten dem Ruf weniger aus ideologischer Überzeugung denn aus wirtschaftlicher Alternativlosigkeit, woran sich seitdem wenig verändert hat. Die gut 25 Jahre seit der Öffnung des Landes haben nicht zu einem breiten ökonomischen Aufschwung geführt, sondern vor allem zu Stagnation, in manchen Regionen sogar zu Verschlechterungen.

          Hinzu kommt die Verflechtung durch die große albanische Auslandsgemeinde auch in nahöstlichen Ländern und die Investitionen islamistischer Geldgeber auf dem Balkan. Schon in den neunziger Jahren soll Al Qaida in Albanien vor allem im Drogen- und Waffenschmuggel sowie in der Geldwäsche aktiv gewesen sein. Deren Chef Usama bin Ladin hatte möglicherweise sogar ein Reisedokument der Republik Albanien. Dass sich trotz dieser Voraussetzungen der radikale Islamismus in der Bevölkerung Albaniens nicht weiter ausgebreitet hat, zählt zu einer der positiven Erkenntnisse dieses Buches.

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