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Kriminelle Partner : Strategische Allianzen

Die weniger positiven betreffen die beinahe idealen Voraussetzungen für organisierte Kriminalität und Geldwäsche. In Albanien, das seit 2014 als Beitrittskandidat der EU gilt, sind weiterhin Bargeldkontrollen genauso ineffizient wie die Überwachung von Finanztransaktionen. Dokumente werden bei der Eröffnung von Bankkonten kaum überprüft, überall im Land sind gefälschte Ausweise im Umlauf. Dazu florieren das Glückspiel – Lizenzen sind von geneigten Beamten leicht zu bekommen – und das unüberschaubare Netz an Wechselstuben. Die haben oft Verbindungen zu „befreundeten“ Büros im Ausland, die auch größere Summen diskret transferieren. Gewinne aus illegalen Geschäften können so unbehelligt außer Landes gebracht oder in den regulären Geldmarkt aufgenommen werden. Anschaulich sind die Beispiele, die die Autoren von einer Rechtsanwaltskanzlei und Beratungsfirma bekommen haben, etwa die Anfrage eines Mittelsmannes, ob die Firma die Ladung von 15 Schiffen mit Rohöl an Abnehmer in der EU oder den Vereinigten Staaten vermitteln könne. Der Verdacht, dass es sich um Bestände des „Islamischen Staates“ handelte, liegt da mehr als auf der Hand. Auch der Drogenanbau ist – trotz tatsächlich erheblicher Bemühungen – bisher nicht eingedämmt. Gerade beim Schmuggel warten die Autoren mit einer Reihe von anschaulichen Beispielen auf, wie staatliche Strukturen mit großem Aufwand und internationaler Hilfe verbessert werden, lokale Kräfte aber schnell wieder eine Hintertür öffnen.

So anschaulich manche Beispiele sind, mit ihrem trockenen, teils bürokratischen Stil und dem Rückgriff auf unzählige ebenso offizielle wie sprachlich sperrige Dokumente verlangen die Autoren ihren Lesern einiges ab. Realsatirische Qualität bekommt das Buch an den Stellen, an denen die Autoren aus ihrer eigenen Feldforschung schöpfen und an verschiedenen Stellen einen Abgeordneten des albanischen Parlaments zitieren. Der hat von den Problemen, mit denen ihn die Autoren konfrontieren, wahlweise entweder noch nie gehört, streitet deren Existenz ab oder verweigert aufbrausend, sich mit dem Thema näher auseinanderzusetzen, da „der Westen“ an der jeweiligen Situation die maßgebliche Schuld trage.

Über die tatsächlichen Verbindungen zwischen der albanischen Mafia und internationalen Terrororganisationen können freilich auch die Autoren der Studie nicht allzu viel Neues sagen. Für Albanien speziell verweisen sie vor allem auf die Kontinuität der islamoterroristischen Geschäftsaktivitäten seit Al Qaida und der besonderen Neigung der albanischen Mafia, strategische Allianzen einzugehen. Gerade weil es bei diesen Beziehungen keineswegs um ideologische Nähe, sondern schlicht um persönliche Kontaktgeflechte geht, raten die Autoren am Ende ihres Buches dazu, den Fokus auf das Problemfeld zu verändern. Statt auf „Terrorismusfinanzierung“ zu schauen, sollten sich die Ermittler darüber klarwerden, dass es sich eher um „Terroristenfinanzierung“ handele, die man nicht verstehe, indem man allgemeingültige Handlungsmuster suche. Stattdessen würden die nur in ihrem lokalen Kontext begriffen und könnten dort bekämpft werden.

Arthur Hartmann, Trygve Ben Holland und Sarah Holland: Geldwäsche in Europa

Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt 2018. 242 S., 24,90 .

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