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Kompliziertes Verhältnis : Problemlos lief es nur beim Militär

  • -Aktualisiert am

Die Flaggen von Israel und Deutschland wehen am 01.06.2015 auf dem Flughafen von Tel Aviv. Bild: dpa

„Normal“ werden die Beziehungen Deutschlands zu Israel wohl nie sein. Diese Buch erzählt von den schwierigen Anfängen.

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          Franz-Joseph Strauß führte gerade seinen Hund spazieren, als im Dezember 1957 die israelische Geheimdelegation in seinem Privathaus in Rott am Inn erschien. Bis spät in die Nacht saß Verteidigungsminister Strauß mit den Israelis unter der Leitung des damaligen Generaldirektors im Verteidigungsministerium und späteren Präsidenten Shimon Peres zusammen. Die Israelis waren angesichts der militärischen Bedrohung durch ihre arabischen Nachbarn dringend darauf angewiesen, Rüstungsgüter im Ausland zu erwerben und gleichzeitig durch den Verkauf eigener Waffen Devisen für ihren torkelnden Staatshaushalt einzunehmen. Man einigte sich schließlich auf ein geheimes Austauschgeschäft, das in der Folgezeit noch erweitert wurde: Die Bundeswehr würde unter anderem Uzi-Maschinenpistolen aus israelischer Produktion aufkaufen und zudem einzelne Exemplare von sowjetischen Waffen erhalten, die von den Israelis während des Suezkrieges 1956 erbeutet worden waren. Diese konnten daraufhin vom Bundesnachrichtendienst untersucht werden, um Rückschlüsse auf die sowjetische Waffentechnik zu erhalten. Im Gegenzug erbaten die Israelis Transportflugzeuge, Hubschrauber, Artilleriegeschütze und Panzerabwehrraketen.

          Es war jedoch der Bundesrepublik nicht möglich, Israel auf direktem Wege Waffen zukommen zu lassen. Neben gesetzlichen Bestimmungen, die dies erschwerten, wollte Bonn in jedem Falle vermeiden, die arabischen Staaten durch die Waffenlieferungen zu verärgern. Verteidigungsminister Strauß ordnete deshalb an, die vereinbarten Rüstungsgüter aus den Depots der Bundeswehr zu entnehmen und bei der Polizei als gestohlen zu melden. Die Hubschrauber wurden zum Beispiel anschließend mit Nato-Abzeichen versehen, nach Marseille geflogen und von dort aus nach Israel verschifft.

          In ihrem aktuellen Buch über die bilateralen Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik zwischen 1965 und 1974 schildert die emeritierte Professorin der Ohio State University, Carole Fink, die anfangs geheimen Rüstungsgeschäfte zwischen Israel und der Bundesrepublik als das Perpetuum mobile der bilateralen Beziehungen: Nur in der militärischen und nachrichtendienstlichen Kooperation habe es ein westdeutsch-israelisches Verhältnis ohne Friktionen gegeben.

          Ergänzend dazu untersucht Fink in ihrem Buch die gesamte Bandbreite der bilateralen Beziehungen im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich. Bis zur gegenseitigen diplomatischen Anerkennung im Jahre 1965 prägten dabei pragmatisch orientierte Eliten in der Staatsführung beider Länder das wechselseitige Verhältnis (beide Staaten hatten aufgrund des Kalten Krieges vielfach ähnliche Interessen). Zu einem verstärkten Austausch auch der Menschen beider Länder kam es indes erst infolge des Sechstagekrieges von 1967, der zu einer Welle der Solidarität der Westdeutschen mit Israel führte und maßgeblich dazu betrug, antideutsche Ressentiments in der israelischen Bevölkerung abzubauen.

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