https://www.faz.net/-gpf-a3uun

Kim Jong-un : Ungewollte Einblicke

  • -Aktualisiert am

Kim Jong-un ist der Gebieter Nordkoreas. Im Hintergrund die beiden ersten Kim-Herrscher. Bild: AP

Eine ehemalige CIA-Analytikerin schreibt über Nordkorea - viel Konventionelles, keine Sensationen.

          6 Min.

          Es ist verlockend, den jungen seit 2012 in Nordkorea herrschenden Machthaber Kim Jong-un als Witzfigur abzutun. Geradezu unwirklich kontrastieren Kim Jong-uns kindliche Gesichtszüge, seine Leibesfülle mit der von der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) ausgehenden aggressiven, nuklear und ballistisch unterlegten Außenpolitik. Leider ist Kim Jong-un aber keine Comicfigur. Die von Nordkorea ausgehende Bedrohung des Weltfriedens, die Beschädigung des nuklearen Nichtverbreitungsregimes, der totalitäre Terror und die schrecklichen Menschenrechtsverletzungen in dem Land sind traurige Wirklichkeit. Eine nüchterne Beschäftigung mit dem Mann, der an den Schalthebeln der Macht sitzt und den Finger am roten Nuklearknopf hat, ist daher mehr als überfällig. Es ist verdienstvoll, wenn die Autorin Jung H. Pak ein Porträt des „obersten Führers“ der DVRK zeichnet, seine Herkunft, seinen Werdegang und seine Persönlichkeit durchleuchtet, um auf dieser Grundlage die von Kim Jong-un verfolgten Ziele und seine Politik besser verstehen zu können.

          Als langjährige stellvertretende Leiterin der Nordkorea-Abteilung des amerikanischen Geheimdienstes CIA scheint die Autorin geradezu prädestiniert für diese Aufgabe zu sein. Aber es ist wahrscheinlich genau dieser geheimdienstliche Hintergrund, weshalb die Analyse letztlich sehr im Konventionellen verhaftet bleibt. Den Korea-Spezialisten vermittelt das Buch keine neuen Informationen und keine neuen Erkenntnisse. Gleichwohl besitzen Paks Blick auf Nordkoreas Geschichte, welche mit der Kim-Dynastie eng verwoben ist, ihre Schilderungen der politisch relevanten Stationen in Kim Jong-uns Leben einen analytischen Mehrwert. Das Buch dürfte insbesondere für außenpolitisch interessierte Leser, die mehr über den Konflikt auf der koreanischen Halbinsel wissen wollen, durchaus interessant sein.

          Jung H. Pak erzählt die Geschichte Nordkoreas im Kontext der Leben der drei aufeinanderfolgenden Kim-Machthaber. Sie beginnt den historischen Abriss mit den Ursprüngen des Regimes im Partisanenkampf gegen die japanische Kolonialmacht, fährt fort mit der von der Sowjetunion angeleiteten Staatsgründung und dem von Kim Il-sung, dem Dynastiebegründer und Großvater Kim Jong-uns, 1950 ausgelösten Koreakrieg, welcher über die nächsten drei Jahre etwa drei Millionen Koreanern, etwa einem Zehntel der Bevölkerung, das Leben kosten sollte und das Land dem Erdboden gleichmachte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gelang Kim Jong-il, dem Vater Jong-uns, 1994 bis 2011 die politische Konsolidierung der DVRK. Er etablierte gegen massive äußere Widerstände und unter eklatantem Bruch völkerrechtlicher Verpflichtungen eine eigenständige nuklear-ballistische Rüstung. Kim Il-sung und Kim Jong-il sicherten ihre Macht im Innern mit Terror, einer effektiven Abschottung gegen regimekritische äußere Einflüsse, einer alle Bereiche des Lebens durchdringenden Propaganda und einem religiös anmutenden Personenkult.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Im trauten Kreis: Olaf Scholz (Mitte) umringt von Hubertus Heil (links), Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken in Berlin

          Sonderparteitag : SPD tagt zum Koalitionsvertrag

          In der SPD sind nicht alle zufrieden mit dem Koalitionsvertrag. Einige wollen in letzter Sekunden verhindern, dass ein FDP-Politiker Finanzminister wird.