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Ja bitte - nein danke : Kern- und andere Spaltungen

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Reaktorbecken des Kernkraftwerks Gundremmingen Bild: dpa

Der Umschwung kam 2011 sehr plötzlich. Die wechselvolle Beziehung einer Partei zur Atomkraft.

          Im Sommer 2011 beschloss die von der CDU geführte Bundesregierung den endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie. Nachdem die Union über Jahrzehnte für die Kernkraft eingetreten war, kam diese Entscheidung denkbar überraschend. Stefan Bürgels Studie fragt deshalb, welche Rolle Atomkraftkritiker zuvor in der Union spielten und wieso die Christdemokraten so lange an der umstrittenen Technik festhielten. Nach einem kursorischen Überblick zur Geschichte der CDU, der Atomkraft und dem Protest gegen sie kann der Autor zumindest einzelne frühe Sektierer ausmachen.

          So war der erste Bundestagsabgeordnete, der vehement den Ausstieg aus der Atomenergie forderte, ein Christdemokrat. Bereits seit 1974 beschwor Herbert Gruhl mit wachsender Dramatik deren Gefahren. Zwei Jahre später bezeichnete sein Bestseller „Ein Planet wird geplündert“ die Atomkraft als einen faustischen Pakt, bei dem die Menschen in einem „Selbstmordprogramm“ Energie gegen die Bedrohung durch tödliche Strahlen eingetauscht hätten. Dies bescherte Gruhl große mediale Aufmerksamkeit und harte Konflikte in der Union. Gruhl kritisierte generell, die CDU würde das Wachstum über das Überleben der Gemeinschaft stellen. Mitte 1978 trat er auf Druck seines niedersächsischen Landesvorsitzenden aus, obgleich prominente Parteifreunde wie Kurt Biedenkopf und Norbert Blüm zu vermitteln suchten. Gruhl war anfangs ein Aushängeschild des bürgerlichen Flügels der Grünen. Anfang 1981 verließ er diese und gründete die konservativ-ökologische ÖDP, der er bis 1989 vorstand. Im Laufe der Jahre driftete er zunehmend in rechtsextreme völkische Positionen ab. Ein prägendes Vorbild, auf das sich die Christdemokraten später berufen konnten, war er somit in langer Sicht kaum.

          Gleichzeitig mit Gruhls Ein-Mann-Protest im Bundestag flammten in klassischen CDU-Hochburgen Debatten über dort geplante Atomkraft-Anlagen auf. Das galt für Whyl am Kaiserstuhl ebenso wie für das niedersächsische Wendland. Hier zeigt Bürgel, wie gespalten die dortigen CDU-Kreisverbände waren. Dass sich viele Bauern, Pastoren und die Bevölkerungsmehrheit gegen die dortigen Atomanlagen wandten und die Grünen auf Anhieb 17 Prozent in Lüchow-Dannenberg erreichten, verunsicherte auch die CDU-Spitze. Dennoch blieb ein Wandel ihrer Energiepolitik aus. Denn die dortigen Wähler hätten weiterhin zur CDU gehalten und die Atomkraft nicht grundsätzlich abgelehnt, sondern nur vor ihrer Haustür, hieß es.

          Ähnlich prominent wie Herbert Gruhl war unter den grünen Christdemokraten nur Franz Alt. Dieser hatte zwar weder Amt noch Mandat, war aber als kritischer Moderator des Fernsehmagazins „Report“ eine bekannte moralische Autorität mit CDU-Parteibuch. Der christlich-soziale Journalist wandte sich nach dem Unfall von Tschernobyl klar gegen die Atomkraft und sprach von einem „atomaren Glücksspiel“. 1988 verließ auch er die CDU und wechselte zur ÖDP.

          Weniger bekannt blieb die Gruppe „Christliche Demokraten gegen Atomkraft“, die die eigentliche Entdeckung des Buches ist. Sie entstand 1988 maßgeblich aus den fünf Jahre zuvor gegründeten „Christliche Demokraten für Schritte zur Abrüstung“. Unter dem Vorsitz von Erwin Bürgel – dem Schwiegervater des Autors – kamen hier vor allem ältere Katholiken aus dem Rheinland zusammen, die aus christlicher Überzeugung die Atomkraft als Gefahr für das menschliche Leben ansahen. Neben Tschernobyl stießen ein vertuschter Unfall in Biblis und der Skandal um eine korrupte Entsorgung in Hanau dieses Bündnis von rund 80 CDU-Mitgliedern an. Sie demonstrierten gegen den Schnellen Brüter in Kalkar und verschickten weiträumig ihre moderate Forderung, bis 2010 aus der Atomkraft auszusteigen. Unterstützung von prominenten aktiven Christdemokraten fanden sie nicht. Nach 1990 erodierte diese Kleingruppe.

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