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Islam : Eine insgesamt problematische Religion?

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Salafisten: Sie repräsentieren nicht „den“ Islam, obwohl sie es fest glauben. Bild: © epd-bild / Stefan Boness

Die Vorbehalte sind groß. Über den Islam muss man diskutieren. Ein Buch will dazu beitragen

          4 Min.

          Dieses Buch gibt eine im Wesentlichen negative Darstellung der Verhaltensweisen und Überzeugungen heutiger Muslime. Es nennt eine ganze Reihe von problematischen Sachverhalten: Gewaltanwendung durch Muslime, Befürwortung von Gewalt, Betonung der eigenen Vorzüglichkeit und Abwertung von anderen, massive Diskriminierung von Frauen, Judenfeindschaft bei Muslimen und manches andere. Es nennt auch Träger und Akteure. Und da es Deutschland im Blick hat, konzentriert es sich auf diejenigen, die hierzulande aktiv sind. Das sind hauptsächlich drei Strömungen: eine von den Muslimbrüdern inspirierte, eine von türkischstämmigen Muslimen, die auch vielfach aus der Türkei gesteuert wird (Erdogan!), und schiitische Gemeinden, die sich eng am iranischen Regime orientieren. Diese Strömungen oder Teile von ihnen bilden Organisationen oder Organisationscluster, und hier haben wir dann die „islamischen Verbände“, von denen so oft die Rede ist.

          Nutzanwendungen folgen zwanglos: Warnung vor den Islamverbänden, von denen sich Kirchen, staatliche Stellen und die Zivilgesellschaft nach Möglichkeit fernhalten sollen und denen man im öffentlichen Raum keine weitgehenden Konzessionen machen soll. Es folgen der Aufruf zur stärkeren Berücksichtigung säkularer Muslime und der Ruf nach staatlicher Kontrolle des religiösen Lebens der Muslime, damit sich dort keine bedenklichen Tendenzen breitmachen.

          Keine Frage: Alle die hier angeprangerten Erscheinungen gibt es tatsächlich. Unter dem Blickwinkel der Humanität sind sie schrecklich und schaden den Muslimen selbst, aber auch anderen, und vor allem schaden sie – in Deutschland – dem gedeihlichen Verhältnis zwischen muslimischen Migranten und Mehrheitsgesellschaft. Das liegt auf der Hand.

          Im Verhältnis zwischen Muslimen und Mehrheitsgesellschaft in Deutschland gibt es enorme gegenseitige Vorbehalte, die sich, wenn man ihnen nicht entgegenarbeitet, gegenseitig aufschaukeln und das Potential haben, das Verhältnis weiter verschlechtern zu können. Wenn die jeweils andere Seite so scharf negativ gezeichnet wird, wie es in diesem Buch geschieht, kann das nur zur Eskalation beitragen. Nun könnte man einwenden: Ja, schade, aber wenn es doch die Wahrheit ist? Es nützt doch nichts, wenn man die schlimmen Dinge um des lieben Friedens willen verschweigt oder sich in Schönfärberei ergeht! Und in der Tat: Die Darstellungen, die im Brustton der Überzeugung versichern, aus dem Islam könnten keine Probleme erwachsen, er sei schließlich die Religion des Friedens, nützen wenig, weil sie zu offensichtlich falsch sind. Es gibt die Gewalttäter im Namen des Islam, und es gibt auch Passagen in den Grundlagentexten, auf die sie sich bei Bedarf stützen können.

          Über problematisches Verhalten von Muslimen sagt Susanne Schröter die Wahrheit. Aber ist es die ganze Wahrheit? Und welche Schlussfolgerungen soll man ziehen? Die Autorin sagt selbst, dass es ihr in dem Buch nicht um „den“ Islam geht, sondern „um eine spezifische Ausprägung dieser Religion“, nämlich den politischen Islam oder Islamismus (S. 15). Ihre Hauptthese ist, dass die Probleme, auf die sie den Finger legt, aus dessen Erstarken resultieren (S. 8). Über den nicht-politischen Islam sagt sie so gut wie nichts, und den politischen grenzt sie nicht klar gegen alles Übrige ab. Weil sie sich auf die scheußlichen Aspekte konzentriert und alles andere vernachlässigt, entsteht letzten Endes doch der Eindruck vom Islam als insgesamt problematischer Religion.

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