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Immer dabei : In der Verfassung nicht vorgesehen

  • -Aktualisiert am

Bettina Wulff, Daniela Schadt, Elke Büdenbender und Christina Rau. Bild: dpa

Sie sind auf allen Fotos, aber selten wirklich im Rampenlicht: Die Partnerinnen und Partner der Mächtigen.

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          Die Damen treten mit einer Naturgewalt auf: Heike Specht stellt ihrer Geschichte der First Ladies im Nachkriegsdeutschland eine Szene voran, die sich kurz nach dem Tsunami 2004 zutrug. Christina Rau und Doris Schröder-Köpf engagierten sich spontan für die Opfer der Katastrophe. Das Initial ging vom Bundeskanzler aus, die damalige Gattin musste Gerhard Schröder nicht lange überzeugen, und auch Christina Rau war rasch bereit, ihre Prominenz als Ehefrau des kurz zuvor aus dem Amt geschiedenen Bundespräsidenten für die Flutgeschädigten einzusetzen. Die Eröffnungsszene scheint willkürlich gewählt. Alle Gattinnen der Herren an der Staatsspitze geben ihren guten Namen für eine gute Sache her.

          Die Verfassung nennt sie nicht – und doch repräsentieren sie an der Seite ihrer Ehepartner unser Land. Sie sind nicht gewählt, nehmen aber in der öffentlichen Sphäre einen festen Platz ein. Sie verfügen seit Wilhelmine Lübke über eine Sekretärin und inzwischen über ein Büro, erhalten aber kein Salär für ihren zumeist ganztägigen Einsatz: die Gattinnen der Bundespräsidenten und Kanzler der Bundesrepublik sowie Herr Professor Sauer, der erste Kanzlerinnengemahl, und Frau Schadt, einzige nicht angetraute Gefährtin eines Bundespräsidenten.

          Joachim Sauer ist der Zurückhaltendste von ihnen allen – sein Fernbleiben bei der Vereidigung Angela Merkels zur ersten Kanzlerin war ein Statement. So variantenreich moderne Interpretationen der Ehe auch sein mögen: Mit seinem Fernbleiben an diesem für das Land und für seine Frau markanten Moment hat er das Signal gesetzt, dass sie diesen Job allein macht. Joachim Sauer absolviert inzwischen protokollarische Pflichttermine, gleichwohl haben sich die Ehegattinnen von Kanzlern und Präsidenten intensiver in die Pflicht nehmen lassen.

          Die Damen waren und sind auf ihre Weise einflussreiche Politprofis und bekannter als mancher Minister. Die Bilder der Rücktritte von Horst Köhler oder Christian Wulff sind auch Bilder von Eva-Luise Köhler und Bettina Wulff.

          Die zumeist beliebten Gattinnen nahmen sich auf sehr eigene Weise die Freiheit, ihre nicht definierte Rolle in der Öffentlichkeit und Politik zu gestalten. Sie suchen eine Balance zwischen der Rolle als Landesmutter und Vertraute, als Sparringspartnerin, als Mutter der Kinder – verantwortlich dafür, diese vor der neugierigen Öffentlichkeit zu schützen und die Abwesenheit des Vaters zu kompensieren –, als Eisbrecherin in den frostigen Zeiten des Kalten Krieges, als Wächterin über Haus und Protokoll sowie als Bindeglied zur Bevölkerung. Die Ehefrauen steigen mit ganzer Seele in ein Geschäft ein, in das sie ungefragt hineingeheiratet haben – und zwar beiderseits der Mauer: Heike Specht stellt auch Lotte Ulbricht und Margot Honecker vor. Auch an den beiden First Ladies der DDR lässt sich der gesellschaftspolitische Wandel ablesen: Trat die eine noch als realsozialistische Vorzeigemutti und Tischtennispartnerin des SED-Generalsekretärs auf, wählte ihre kämpferische Nachfolgerin dann eine Doppelrolle als gestrenge Gattin und hochideologische Ministerin für Volksbildung.

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