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PDS : Angekommen

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Gregor Gysi, der damalige Vorsitzende der Partei PDS/Linke Liste im Bundestag, spricht im Mai 1994 vor dem Karl-Marx-Denkmal im sächsischen Chemnitz. Bild: dpa

Die Nachfolgepartei der SED war zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung so etwas wie das politische Schmuddelkind der Republik. Wie sie aus dem Abseits allmählich herausfand, schildert dieses Buch.

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          Wer 1989/90 die Gründung der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) aus der versinkenden Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) heraus für einen Akt politischer Unbelehrbarkeit hielt, wird über die kürzlich überlieferten „Scherze“ zwischen Parteifunktionären nicht überrascht gewesen sein. Eine Dame bemerkte während einer „Strategiekonferenz“ der Linkspartei in Kassel launig, auch wenn nach einer Revolution ihre Partei „das eine Prozent der Reichen erschossen“ haben werde, brauche man schließlich eine Energiewende. Der Parteivorsitzende Bernd Riexinger, ein braver Gewerkschaftsfunktionär aus dem reichen Südwesten Deutschlands, kommentierte in das Gelächter und den Applaus der Genossen hinein, man werde die Reichen gar nicht erschießen, sondern sie „für nützliche Arbeit“ einsetzen. Das ist der Humor der westlich geprägten PDS-Nachfolgepartei.

          Wer allerdings die Entwicklung der PDS bis zur Gründung der Linkspartei 2007 verfolgt hat, staunte über die Idee von CDU und FDP im Thüringer Landtag, im Februar lieber die Spielchen der AfD mitzuspielen, als Bodo Ramelow von der Linkspartei abermals zum Ministerpräsidenten – dieses Mal ohne parlamentarische Mehrheit – zu wählen. Denn niemand wäre weniger geneigt, Scherze wie die in Kassel geäußerten durchgehen zu lassen, als der pragmatische, ideologieabgewandte Ramelow.

          Eine historische Doktorarbeit zu lesen, die direkt in eine aktuelle politische Lage hineinführt, ist ein seltenes Vergnügen. Thorsten Holzhausers Leser können die überaus klug gebaute Arbeit mit dem reichen Schatz an genutzten Quellen – mit vielen Funktionären hat der Autor offenbar lange, offene und ertragreiche Gespräche geführt – nur bewundern. Die Stars der frühen Jahre spielen nicht mehr vorn auf der Bühne, und selbst der Talkshowprinzessin Sahra Wagenknecht scheint zu dämmern, dass sie die politische Krone nicht gewinnen wird. Längst, so schließt Holzhauser, sei nämlich eine neue Partei, die AfD, „in den Mittelpunkt der Debatte“ gerückt, die der Linkspartei „ihre tribunizische Funktion im Parteiensystem streitig machte“, während die „Nachfolgepartei“ den „Preis ihrer fortgeschrittenen Integration in das politische System der Bundesrepublik“ zahlen musste: „Sie war selbst Teil des ,Establishments‘ geworden.“

          Den Weg dorthin in Holzhausers Studie nachzuvollziehen ist lehrreich und oft sehr lustig. Denn was man dieser Tage in Kassel und in Erfurt sah, war schon 1990 in der PDS wirksam: Pflege des Milieus und des Personals der alten Staatspartei, zugleich Erneuerungswille, rhetorischer wie ehrlicher. Unter dem Schutz des „Pluralismus“ gediehen die Sektenzirkel; nach dem beschworenen Bruch mit dem „Stalinismus als System“ sollten Hunderte Millionen D-Mark aus dem Parteivermögen verschoben werden. Trotz wiederholter Beschlüsse, Kandidaten sollten ihre inoffizielle Mitarbeit für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit vor der Wahl offenlegen, wurden noch jahrzehntelang prominente Funktionäre von PDS und Linkspartei „enttarnt“ und rückten danach dennoch rasch wieder in Ämter und Mandate ein. So wurde das Misstrauen gegen die „Nachfolgepartei“ und die darin vermuteten „Seilschaften“ immer neu geweckt, selbst bei denen, die den Erneuerungsbekundungen durchaus glaubten.

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