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Historische Erklärungsmodelle : Im verwunschenen Paradiesgärtchen

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„Deutsche Mythen seit 1945“: Ausstellung im Juni 2016 in Leipzig Bild: dpa

Das Spezifische an der deutschen Zeitgeschichte soll ihr Platz in einem „Koordinatenfeld von doppelter Diktatur-Auseinandersetzung und politisch-moralisch untersetztem Aufarbeitungsboom“ sein, die Tatsache also, dass sie gewissermaßen im zweifachen Schatten von Nationalsozialismus und DDR stehe.

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          Dass sich die Zeitgeschichte mit jener Epoche beschäftigt, in der es „noch raucht und qualmt“, ist ein hübsches, mitunter sogar wahres Bonmot. Auch den Herausgebern dieses prominent besetzten Sammelbandes zur „German Zeitgeschichte“ gilt die Epoche als „ein besonderes Ding“, wohl auch deshalb, weil sie in ihr ein „(west)alliiertes Projekt“ „demokratischer Reeducation nach 1945“ erkennen. Das Spezifische an der deutschen Zeitgeschichte, so darf man Thomas Lindenberger und Martin Sabrow verstehen, ist ihr besonderer Platz in einem „Koordinatenfeld von doppelter Diktatur-Auseinandersetzung und politisch-moralisch untersetztem Aufarbeitungsboom“, die Tatsache also, dass sie gewissermaßen im zweifachen Schatten von Nationalsozialismus und DDR steht. Das Attribut „German“ verweise auf den Umstand, dass die Zeitgeschichte nicht mehr den Deutschen allein gehöre. Aber gilt das im Grunde nicht für jede Epoche?

          Nun ist „German Zeitgeschichte“ freilich weniger als ein Strategiepapier zur

          internationalen Ausrichtung der Geschichtswissenschaft zu lesen, sondern als eine Hommage zum 75. Geburtstag von Konrad Jarausch, einem der großen Grenzgänger zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten, der von 1998 bis 2006 das Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam geleitet hat. Der Sammelband entwickelt keine systematischen Perspektiven. Auch bei näherem Hinsehen erweist sich „German Zeitgeschichte“ als verwunschenes Paradiesgärtchen, in dem es weder Kompass noch Karte gibt, um den Baum der Erkenntnis zu finden. Insgesamt verleiht dies dem Buch etwas Beliebiges, und man müsste schon all seinen dialektischen Mut zusammennehmen, um – in einem postmodernen Salto mortale – diese Beliebigkeit zum eigentlichen Kennzeichen einer neuen Zeitgeschichte auszurufen.

          Dessen ungeachtet beschreibt Martin Sabrow einmal mehr den Auszug der Historiker aus ihrem geliebten akademischen Elfenbeinturm und ihre nicht immer spannungsfreie Hinwendung zu Phänomenen wie „public history“ und „event history“. Charles S. Maier wiederum gelangt in seinen Betrachtungen zur Zivilgesellschaft, einem Begriff, der zwar in aller Munde ist, aber den Verdacht des Tautologischen nie vollständig auszuräumen vermocht hat, zu durchaus kritischen Einschätzungen – etwa wenn er daran erinnert, dass Gesangvereine und Fußballklubs noch keine Zivilgesellschaft begründen und sich die Anhänger der AfD nicht selten als Lordsiegelbewahrer der „civil society“ gerieren. Frank Bösch erinnert – sehr zu Recht – an die „Neuentdeckung des Lokalen in der sich globalisierenden Welt“, und Jan Claas Behrends verweist in seinem Betrag zum Führerkult in Nationalsozialismus und Kommunismus auf die kulturgeschichtlich folgenreiche Trias von Charisma, Krise und Erwartung, freilich ohne diese Begriffe auch nur annähernd konzeptionell auszuleuchten. Thomas Schaarschmidt betrachtet hingegen instruktiv das Verhältnis von Volksgemeinschaft und Mobilisierung, während sich Volker Berghahn in seinem originellen Beitrag zur „Generation von 1932“ mit jenen Intellektuellen beschäftigt, die während des Nationalsozialismus in die „innere Emigration“ gingen.

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