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Herfried Münkler: Der Große Krieg : Auf See nicht sattelfest

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Pause auf der „Feindfahrt“: Seiner Majestät Unterseeboot „U 35“ im Mittelmeer Bild: Rowohlt

Sachkundig und anschaulich schildert Herfried Münkler den Verlauf des Ersten Weltkrieges vom Scheitern des Schlieffen-Plans im September 1914 bis zum Waffenstillstand im November 1918.

          Der Erste Weltkrieg war für George F. Kennan die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ und für einige Historiker sogar der Auftakt eines neuen „Dreißigjährigen Krieges“. Vorgeschichte und Geschichte des Krieges führten vor Jahrzehnten in Deutschland zu heftigen Debatten. Es sei hier nur an die Thesen des Hamburger Historikers Fritz Fischer und seiner Schüler über Kriegsschuld und Kriegsziele des Deutschen Reiches erinnert. Eine Gesamtdarstellung des Krieges aus seiner Feder blieb allerdings aus. Wer sich damals in der neueren Literatur über Ursachen, Verlauf und Folgen des Krieges detailliert informieren wollte, war von 1968 an auf die Werke von Peter Graf von Kielmansegg und Hans Herzfeld angewiesen. Erst 35 Jahre später veröffentlichte Michael Salewski seine Geschichte des Weltkriegs.

          Wenn nun der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler eine in jeder Hinsicht gewichtige und mit 924 Seiten sehr umfangreiche Gesamtdarstellung vorlegt, kann man davon ausgehen, dass sein Werk in der breiten Öffentlichkeit mit großem Interesse zur Kenntnis genommen wird. Die neun Kapitel spannen den Bogen von langen und kurzen Wegen in den Krieg bis zur aktuellen Einordnung des Weltkriegs „als politische Herausforderung“. Im ersten Kapitel wird die zentrale Frage erörtert, ob das Deutsche Reich langfristig auf einen Krieg hingearbeitet habe oder ob kurzfristig politische Fehler, Ungeschick und „ein verfassungstechnisch nicht unter Kontrolle gebrachtes Militär den Konflikt zum großen Krieg eskalieren ließen“. Ähnlich wie Christopher Clark kommt Münkler zu dem Ergebnis, dass für die Entscheidungen im Juli 1914 die „Blankoschecks“ ausschlaggebend waren, die Deutschland den Österreichern, Russland den Serben und Frankreich den Russen ausgestellt hatten. Somit lag der „Schlüssel zum Krieg“ in Petersburg. Die russische Mobilmachung führte dann dazu, dass in Deutschland der „Generalstab und nicht die Regierung entschied, welche Optionen zur Verfügung standen“.

          In den folgenden Kapiteln wird detailliert, sachkundig und anschaulich der Verlauf des Krieges vom Scheitern des Schlieffen-Plans im September 1914 bis zum Waffenstillstand im November 1918 geschildert. Dabei werden alle Ebenen der Kriegführung wie Politik, Strategie und Koalitionskriegführung, Waffentechnik und Rüstungswirtschaft, Operationsplanung und Logistik bis hin zur Taktik in ihrer Wechselwirkung angemessen berücksichtigt; dies gilt auch für die Seekriegführung mit den Elementen Blockade und Handelskrieg sowie für die Luftkriegführung mit den Ansätzen eines strategischen Luftkriegs.

          Ab Herbst 1914 erstarrten im Westen die Fronten, und bis Sommer 1918 scheiterten auf beiden Seiten alle Offensiven mit dem Ziel eines strategischen Durchbruchs. Demgegenüber gelang es dem deutschen Heer an der Ostfront mit geschickter Operationsführung mehrfach, russische Großverbände so einzukesseln, dass sie kapitulieren mussten. Bei der Beschreibung der Kämpfe kommen zahlreiche Zeitzeugen zu Wort, wodurch sich dem Leser die Realität des Krieges eindrucksvoll erschließt.

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