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Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens : Im Osten viel Neues

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Der erste offenen Grenzübergang zu DDR, die Bösebrücke an der Bornholmer Straße in Berlin am 25. August 2014 Bild: dpa

Der Berliner Historiker Heinrich August Winkler schildert mit enormer Sachkenntnis die Anfänge, den Verlauf und das Ende des Kalten Krieges.

          Nicht nur Bücher, auch Begriffe haben ihre Schicksale.“ So beginnt Heinrich August Winklers Opus Maximum, seine „Geschichte des Westens“. Mit dem dritten Band ist sie auf nunmehr 3951 Druckseiten angewachsen; der abschließende vierte Band über die Zeit der Gegenwart erscheint im kommenden Jahr. Vorläufer war „Der lange Weg nach Westen“, ein begriffsprägender Bestseller von 1394 Seiten zur deutschen Geschichte vom Ende des Alten Reiches Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Wiedervereinigung 1990. Der wandelbare Begriff „Westen“ bezeichnet geographisch das „abendländische“ Europa, Israel und die außereuropäischen englischsprachigen Demokratien, inhaltlich die „westliche Wertegemeinschaft“, also das normative Projekt der Umsetzung der Ideen von den unveräußerlichen Menschenrechten und der Durchsetzung des politischen Prinzips der Gewaltenteilung, der Herrschaft des Rechts, der repräsentativen Demokratie und der Marktfreiheit.

          Der Berliner Historiker, seit Jahrzehnten ein Eckpfeiler einer aufrichtigen und selbstkritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, betont, dass ihm nichts ferner liegt als zukunftsgewisse Vergangenheitsdeutung. Die Geschichte des Westens sei gerade „keine Geschichte des ununterbrochenen Fortschritts in Richtung auf mehr Freiheit“ gewesen, sondern ein zwei Jahrhunderte andauernder Kampf um die Anerkennung oder Ablehnung der Ideen von 1776 und 1789. Er begreift die „Verwestlichung des Westens“ als einen Prozess der Ungleichzeitigkeit (wie der vergleichende Blick auf England, Polen oder Deutschland sofort einsichtig macht) und als eine Entwicklung, bei der Norm und Praxis häufig in Widerspruch zueinander standen und stehen. Um die Stoffmassen seines Mammutprogramms zu bändigen, will sich der Autor auf eine Diskurs- und Problemgeschichte beschränken und gerade keine Total- oder Globalgeschichte schreiben.

          Im nun vorliegenden dritten Band der Geschichte des Westens - der erste reichte „Von den Anfängen in der Antike bis zum 20. Jahrhundert“, der zweite behandelte „Die Zeit der Weltkriege 1914-1945“ - geht es um die von den welthistorischen Zäsuren 1945 und 1989 markierte Nachkriegszeit: „Vom Kalten Krieg zum Mauerfall“. Der chronologisch angelegte Aufbau entspricht dem unumstrittenen Geschichtsbild, das den Kalten Krieg als Zuspitzung des Ost-West-Gegensatzes zwischen 1947 und 1963 auf seinem Höhepunkt sieht, den Wandel von der Konfrontation zur Entspannung und die zeitweilige Rückentwicklung dieses Prozesses zwischen 1963 und 1985, den „Abschied vom Kalten Krieg“ mit dem Niedergang des Kommunismus und der freiheitlichen Umwälzung in Ostmitteleuropa zwischen 1985 und 1991. Winklers Geschichte des Westens ist zugleich eine Geschichte des Ostens, weil sie die Historie der kommunistischen Diktaturen in Europa und Asien als Gegenstück des westlichen normativen Projekts nicht weniger akribisch und ausführlich nachzeichnet; die Staaten des Warschauer Pakts finden

          genauso Berücksichtigung wie Albanien, Vietnam oder China.

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