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Globale Zukunft : Die Aufsteiger

  • -Aktualisiert am

Qingdao, China: Die Luftaufnahme zeigt den Qianwan Container Terminal Bild: dpa

Die Welt verändert sich. China und Indien werden dabei in vorderster Linie mitmischen.

          Zumindest eines haben Xi Jinping und Narendra Modi gemeinsam. Beide wollen sie den früheren Glanz und die Macht ihrer Staaten wiederherstellen. Für China heißt das, die „große Wiederbelebung der chinesischen Nation“ anzustreben, für Indien, den „rechtmäßigen Platz in der Welt“ wieder einzunehmen. Wirtschaftlich ist China bei diesem Vorhaben Indien voraus, doch unter Ministerpräsident Modi hat sich sowohl die Wirtschafts- als auch die Außenpolitik Indiens geändert, so dass sich die beiden Riesen Asiens nun gleichermaßen in einem Aufstieg befinden, der die Welt beeindruckt und, besonders im Fall Chinas, beunruhigt.

          Mitten in den Verschiebungen im globalen Machtgefüge durch die Politik von Präsident Trump lohnt ein genauer Blick auf das, was aus China und Indien zu erwarten ist, in Außen- und Sicherheitspolitik, aber auch in globalen Wirtschaftsfragen. In dem von Michael Staack und David Groten herausgegebenen Band „China und Indien im regionalen und globalen Umfeld“ werden Aspekte der Politik Chinas und Indiens untersucht. Sechs der acht Beiträge befassen sich aber mit China, ein nicht ganz ungerechtfertigter Schwerpunkt, weil das China Xi Jinpings schon länger als wichtiger Global Player wahrgenommen wird, während Indien sich erst allmählich auf der internationalen Bühne bemerkbar macht.

          Zögern und Widerwillen habe die indische Außenpolitik charakterisiert, bevor Ministerpräsident Modi eine überraschend aktive Außenpolitik begonnen habe, schreibt Sandra Destradi. Dabei sei jetzt neben einer aktiveren Haltung gegenüber den Nachbarn auch eine gewisse Annäherung an den Westen zu beobachten. Zudem hat Indien international in der Klimapolitik bei der Pariser Konferenz 2015 zu einer aktiveren Haltung gefunden.

          Nach Darstellung von Heinz Nissel hat das Reformprogramm Modis das Potential, Indien auf dem Weg der Modernisierung nach vorne zu katapultieren und das Land zum neuen Wachstumsmotor der globalen Wirtschaft werden zu lassen. Er beschreibt Modi in seiner Doppelrolle als kultureller Nationalist einerseits und Wirtschaftsreformer andererseits. Modis neue Wirtschaftspolitik, die auch als „Modinomics“ tituliert wird, bewirkt bereits einen Wirtschaftsaufschwung.

          Zu ihr gehört das Konzept „ Make in India“, das, so Nissel, eine völlige Richtungsänderung in der Wirtschaftspolitik bedeutet. So sollen, ganz nach chinesischem Vorbild, die Infrastruktur verbessert und ausländische Direktinvestitionen angezogen werden. Freilich gibt es nicht wenig Probleme mit der Umsetzung. Anders als in China, wo Projekte vom Staat nötigenfalls mit Gewalt durchgesetzt werden (Landnahmen), gibt es im demokratischen Indien großen juristischen Widerstand gegen Modernisierungsprojekte, die sich verzögernd auf ehrgeizige Vorhaben auswirken.

          Während Indien noch um die Modernisierung kämpft, hat die chinesische Führung unter Xi Jinping die globale Führungsrolle Chinas im Auge. Unter Xi Jinping hat die chinesische Außenpolitik ihre traditionelle Zurückhaltung aufgegeben und ist international überall aktiv. Beispielhaft dafür ist die Initiative der „Neuen Seidenstraße“ (OBOR, „Ein Gürtel, eine Straße“) mit der China durch Finanzierung von Infrastruktur seinen Einfluss über Zentralasien nach Osteuropa und über Südasien bis nach Afrika festigen will.

          Neben seiner neuen aktiven Außenpolitik, mit der die Volksrepublik die Vormachtstellung der Vereinigten Staaten herausfordert, ist China dabei, vor allem in wirtschaftlichen Bündnissen und Freihandelsabkommen aktiv zu werden. Dabei sei China aber (noch) nicht daran interessiert, die globale Ordnung neu zu definieren, sondern halte sich an die bestehenden Vorgaben, schreibt Simon Paetzold. Als Beispiel führt er die von China initiierte AIIB (Asian Infrastructure Investment Bank) an, die sich an internationale Standards halte.

          Während China die Anlieger der Seidenstraßen mit viel Geld für Großprojekte und freundlichen Worten lockt, tritt es im Konflikt im Südchinesischen Meer hart und unnachgiebig auf. China hat in den vergangenen Jahren durch die Aufschüttung von Inseln und das Anlegen von militärischen Einrichtungen Fakten geschaffen. Michael Paul gibt eine kompakte Zusammenfassung des Konflikts ums Südchinesische Meer und beschreibt dabei auch die ambivalente Rolle der Vereinigten Staaten. Die hätten zwar spätestens seit Obamas „Rückwendung zu Asien“ versucht, China Einhalt zu gebieten, aber über Jahre zuvor die Aktivitäten der Volksrepublik in den von ihr beanspruchten Territorium ignoriert. Es gibt aber, wie Paul darlegt, durchaus Lösungsvorschläge.

          China und Indien werden die globale Zukunft mitgestalten. Dass dabei China schon viel weiter fortgeschritten ist, belegt der Band. Eine Analyse des komplizierten Verhältnisses zwischen China und Indien selbst fehlt leider.

          Michael Staack, David Groten (Hrsg.): China und Indien im regionalen und globalen Umfeld.

          Verlag Barbara Budrich, Opladen 2018. 196 S., 36,- .

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