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Geheimemissäre Hitlers : Jenseits der Yellow Press

  • -Aktualisiert am

Prinzessin Stephanie und Fritz Wiedemann Bild: Oxford University Press

Adolf Hitler griff gerne auf Angehörige des europäischen Hochadels für geheime Sondermissionen zurück, um deren internationale Verwandtschaftsbeziehungen zur Tarnung wie zur Kontaktaufnahme zu nutzen.

          Am 18. Juli 2015 veröffentlichte die britische Zeitung „The Sun“ unter der Überschrift „Their Royal Heilness“ einen kurzen Film aus den Jahren 1933/34, der weltweit Aufsehen erregte. Aufgenommen im Garten von Schloss Balmoral, dokumentiert die Sequenz, wie der damalige Prinz of Wales, der spätere König Edward VIII., seine Schwägerin und deren Töchter animiert, den Hitler-Gruß zu zeigen. Bei den kleinen Mädchen handelte es sich um die dreijährige Margaret und die siebenjährige Elizabeth, die heutige Queen. Während die Nachricht über die Veröffentlichung um die Welt ging und der Clip im Internet weite Verbreitung fand, empörte sich der englische Hof. Hofberichterstatter versuchten, vom Inhalt des Filmausschnitts abzulenken und das Vorgehen der Zeitung als Verstoß gegen das Urheberrecht zu skandalisieren.

          Die „Sun“ hingegen hatte sich ungeachtet der plakativen Überschrift darum bemüht, den Film historisch einzuordnen. Dazu gewann sie die in London lehrende deutsche Historikerin Karina Urbach. Die Spezialistin für Adelsgeschichte und die deutsch-britischen Beziehungen hatte gerade eine quellengesättigte Untersuchung vorgelegt, in der sie exemplarisch aufzeigte, welche Rolle einzelne europäische Hochadelige nicht zuletzt für Hitlers Außenpolitik der 1930er Jahre spielten. Film und Urbachs Buch machen einmal mehr deutlich, dass insbesondere Edward VIII. vor wie nach seiner 1936 erfolgten Abdankung als König - er heiratete eine geschiedene Bürgerliche - stark antisemitisch und pronationalsozialistisch eingestellt war. Vermutlich deshalb sind bis heute die Archive des Hauses Windsor für Historiker, die über die 1930er und 1940er Jahre forschen wollen, fest verschlossen. Für ihre Forschungen musste Urbach deshalb eine Vielzahl anderer Archive in ganz Europa aufsuchen. Neben der staatlichen Überlieferung kam Urbach zugute, dass - anders als die Windsors oder andere Königshäuser - mehrere südwestdeutsche Hochadelige ihre Familienarchive öffentlich zugänglich gemacht haben.

          Trotz des beschränkten Quellenzugangs gelingt es der Autorin herauszuarbeiten, welche Bedeutung einzelne Hochadelige hatten, um Hitlers auf Krieg abzielende Außenpolitik der 1930er Jahre in Großbritannien als im Kern friedliebend darzustellen und die deutschlandfreundlichen Befürworter der Appeasement-Politik des Premiers Chamberlain zu unterstützen. Ein wichtiger Akteur hinter den Kulissen war, wie Urbach zeigt, der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha. Als Enkel von Queen Victoria wuchs Carl Eduard als Charles Edward in Großbritannien auf. 1899 kam er im Alter von 15 Jahren nach Deutschland und wurde Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha. Er entwickelte sich zunehmend zu einem nationalistisch denkenden Deutschen.

          Infolge des Ersten Weltkriegs verlor Carl Eduard den englischen Teil seines Besitzes, ohne dass dies das Ende der Kontakte mit seiner englischen Verwandtschaft bedeutet hätte. Während der Weimarer Republik trug der Herzog maßgeblich dazu bei, dass die Stadt Coburg für die antirepublikanische Rechte ein wichtiger Anlaufpunkt wurde. Er selbst zählte zu den Führern der extremistischen Rechten und leitete eine regionale Gruppe der Organisation Consul, die für die Morde an Matthias Erzberger und Walther Rathenau verantwortlich war. Schon früh engagierte sich der Hochadelige für Hitler, wie Urbach detailliert nachweist. Deshalb überraschte es nicht, dass der „Führer“ im Verlaufe der 1930er Jahre Carl Eduard als inoffiziellen Sondergesandten einsetzte, der unter Zuhilfenahme seiner verwandtschaftlichen Bande prodeutsche Kräfte in Großbritannien stärken sollte. Die Verhandlungen über ein deutsch-britisches Flottenabkommen wie das Münchener Abkommen nutzt Urbach, um auszuloten, mit welchem Erfolg Carl Eduard, aber auch andere adelige Abgesandten Hitlers in Großbritannien agierten.

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