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Geheimdienstkooperation : Starke Aussagen – schwache Belege

  • -Aktualisiert am

Hinter einem Tor sind die leerstehenden Häuser des ehemaligen Stasi-Geländes zu sehen. Bild: dpa

Was schon im wirklichen Leben nicht klappt, schafften auch die Geheimdienste nicht: Freundschaft zwischen DDR und Polen.

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          Das Flaggschiff der Forschungsabteilung des Stasi-Archivs, die wissenschaftliche Reihe „Analysen und Dokumente“, veröffentlicht die Habilitationsschrift des Historikers Tytus Jaskułowski. Darin befasst er sich mit der Beziehung zwischen Ministerium für Staatssicherheit und dem polnischen Pendant in den Jahren von 1974 bis 1990.

          Nicht wenige Qualifikationsarbeiten, die in der Forschungsabteilung erstellt worden sind, stellen Grundlagenforschung auf neuem Terrain dar: Die Untersuchung von Jens Gieseke über die Offiziere gehört ebenso dazu wie die von Georg Herbstritt über Spione oder von Tobias Wunschik zur Roten Armee Fraktion. Insoweit darf es nicht überraschen, wenn auch die Königsaufgabe zunehmend in Angriff genommen wird – die zwischenstaatlichen nachrichtendienstlichen Beziehungen zweier kommunistischer Staaten. Das bedeutet nichts anderes, als ein Puzzle aus neun Faktoren zusammenzusetzen, die in diesem Fall darin bestehen könnten, jeweils staatliche, parteiliche und nachrichtendienstliche Interessen der DDR und Polens unter der Hegemonialmacht Sowjetunion als Dreiecksbeziehung auszuleuchten.

          Anders als Walter Süß und Douglas Selvage mit ihrer brillanten Untersuchung am Fallbeispiel Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa widersteht Jaskułowski dieser Versuchung. Während noch in analogen Studien der Forschungsabteilung für das Verhältnis zu Rumänien („Entzweite Freunde“) oder Bulgarien („Regionalfilialen des KGB?“), die Kommunistische Partei der Sowjetunion, der sowjetische Geheimdienst KGB und die Sowjetunion gewichtig sind, scheinen demnach in seiner Untersuchung diese für Polen keinen besonderen Stellenwert eingenommen zu haben. Jaskułowski konzentriert sich wesentlich auf die bilateralen nachrichtendienstlichen Beziehungen beider Staaten, als seien diese ohne den sowjetischen Kontext erklärbar.

          Ausgangspunkt von Jaskułowskis Analyse ist, wie er herausarbeitet, die „aus der geheimdienstlichen Theorie abgeleitete Annahme, dass es zwischen Sicherheitsbehörden jeglicher Art keine Freundschaft gab, gibt und geben wird“. Für die Existenz einer solchen geheimdienstlichen Theorie wie auch für diese Feststellung selbst findet sich unter der enormen Anzahl seiner 1615 Fußnoten und 395 Literaturstellen leider keine Belegstelle (wie auch bei anderen Gelegenheiten). Folgerichtig lautet bereits einleitend seine Feststellung: „Es gab keine Freundschaft zwischen den beiden Geheimdiensten“, und ebenso konsequent lautet der Buchtitel „Von einer Freundschaft, die es nicht gab“.

          Er fragt daher zu Recht: „Warum beschloss der Verfasser dann, eine komplexe Studie zu verfassen?“ Zumal er in seiner Untersuchung inhaltlich kaum über einen von ihm bereits 2016 veröffentlichten Aufsatz („Nicht nur Freunde“) hinausgeht. Offenkundig, um nachzuweisen, was es nicht gab, gibt und geben wird. Die Untersuchung setzt erklärtermaßen im Jahre 1974 ein, als zwischen polnischem und ostdeutschem Nachrichtendienst eine Vereinbarung geschlossen wurde. Trotzdem machen die rund drei Jahrzehnte davor immerhin ein Fünftel der Publikation aus und bilden eine Zeit ab, in der, wie Jaskułowski ermittelt, die „wichtigsten Probleme“ zwischen den beiden Diensten zu verorten seien.

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