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Fritz und Heinrich Thyssen : „Unerhörte Geschmacklosigkeit“

  • -Aktualisiert am

Hermann Göring und Fritz Thyssen in Essen Bild: Verlag Ferdinand Schöningh

Der Parlamentarismus von Weimar war dem Konzernchef Fritz Thyssen von Anfang an suspekt. Er hielt damit auch im Ausland nicht hinter dem Berg, im Urteil der „Frankfurter Zeitung“ eine „unerhörte Geschmacklosigkeit“. Auch die von Gustav Stresemann betriebene Verständigungspolitik lehnte er ab.

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          Im Januar 1932 verzeichnete der Industrie-Club Düsseldorf, wo sich die Wirtschaftselite an Rhein und Ruhr zu treffen pflegte, eine erhöhte Präsenz. Als Redner war Adolf Hitler angekündigt. Sein Laudator war Fritz Thyssen, Aufsichtsratsvorsitzender der Vereinigten Stahlwerke, des zweitgrößten Stahlkonzerns der Welt. Er beendete seine Ausführungen mit „Heil, Herr Hitler!“. Tags darauf folgten vertiefende Gespräche im kleinen Kreis auf Schloss Landsberg, dem Familiensitz der Thyssens. Dort fand im Oktober 1932 ein weiteres Treffen statt. Allerdings blieben ihm wichtige Repräsentanten der Ruhrindustrie wie Gustav Krupp fern, so dass Thyssens Kampagne für die Betrauung Hitlers mit der Kanzlerschaft im Kreis der Ruhrindustriellen vorerst ins Stocken geriet. Indessen war Thyssen bald am Ziel seiner Wünsche angelangt und konnte sein „geradezu enthusiastisches Engagement beim Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft“ vorantreiben.

          Solche und andere politische Aktivitäten eines der reichsten Männer im damaligen Deutschland werden in dieser gehaltvollen Studie, einem Teilprojekt eines groß angelegten Forschungsunternehmens zur Unternehmens- und Familiengeschichte der Thyssens, akribisch dargestellt. Sie stellen aber nur den realgeschichtlichen Ausgangspunkt für eine Analyse der Öffentlichkeit dar, in der sich der 1873 geborene Fritz und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Heinrich bewegten. Schon die ältere Familiendynastie der Krupps hatte die Bedeutung des öffentlichen Raums erkannt, einmal zum Zweck der Produktwerbung, aber auch im Hinblick auf das Erscheinungsbild der Familie als Nukleus des Unternehmens.

          Das seit den 1870er Jahren von August Thyssen aufgebaute Unternehmen wuchs zudem in eine Ära der Medialisierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik hinein, die durch ein breit gefächertes Angebot von Presseprodukten verschiedenster Art und publizistischen Stimmen geprägt war. Die „mediale Sichtbarkeit“ von Persönlichkeiten der Unternehmerfamilie beruhte sowohl auf deren Selbstdarstellung als auch deren Wahrnehmung seitens der Medien. Auf beiden Ebenen geht der Autor der Medienrealität der beiden ungleichen Brüder nach.

          Ihr Auftreten konnte unterschiedlicher kaum sein. Während Fritz schon lange vor dem Tod des Konzernpatriarchen 1926 im Habitus des großbürgerlichen Unternehmers im Ruhrgebiet, aber auch als nationale Identifikationsfigur auftrat, wählte Heinrich eine gänzlich andere Form gesellschaftlicher Exklusivität. Er heiratete 1906 die ungarische Baronesse Margit Bornemisza und ließ sich von seinem Schwiegervater adoptieren. Als Baron Thyssen-Bornemisza de Kászon gehörte er dem erblichen Adel an. Nach der Aufteilung des Familienkonzerns 1926 leitete Heinrich seine Unternehmensgruppe, trat medial aber in erster Linie als Kunstsammler und Gestütsbesitzer in Erscheinung. Seine 1930 immerhin in der Münchener Pinakothek gezeigte (und heute in Madrid beheimatete) Kollektion rief ein geteiltes Echo hervor, während seine Rennpferde Mitte der 1930er Jahre für Furore sorgten. Ohnehin kein Freund des Massenmarkts, knüpfte er daran keinerlei ambitionierte Medienpräsenz und verschwand bis zu seinem Tod 1947 praktisch aus der Öffentlichkeit.

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