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Die Neuaufteilung der Welt : Führen alle Straßen nach Peking?

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Mehr als eine Straße: Mit seiner Initiative „Neue Seidenstraße“ will Chinas Präsident Xi Jinping den wirtschaftlichen Austausch mit Europa revolutionieren. Bild: AP

China ist der große Aufsteiger des 21. Jahrhunderts. Aber ist alles wirklich so zwangsläufig wie dieses Buch suggeriert? Noch ist die alte Welt nicht geschlagen.

          Die globale Dominanz Europas und der Vereinigten Staaten neigt sich ihrem Ende zu. Heute strebt Peking entschlossen nach Wiedergewinnung früheren Einflusses, indem es den eurasischen Wirtschaftsraum integriert. Zwei Faktoren beschleunigen dies: Europas interne Konflikte und Donald Trumps irrlichternde Politik. So argumentiert Peter Frankopan. Der Professor für Globalgeschichte an der Universität Oxford will damit thematisch und zeitlich anknüpfen an seinen Bestseller „Licht aus dem Osten. Eine neue Geschichte der Welt“, in dem er die zentrale Rolle des Orients für den Okzident herausarbeitete.

          Sein neues Buch ist solide recherchiert und gut geschrieben, es überrascht aber kaum. Wer die internationale Politik in einer guten Zeitung mitverfolgt, kennt die meisten Fakten und Daten. Frankopans Leistung liegt vielmehr in der Kompilation und Verdichtung. In fünf Kapiteln identifiziert der Autor „Straßen“, auf denen sich Weltpolitik heute abspielt. In „Die Straßen in den Osten“ zeigt er, wie der Westen seit seinem Sieg im Kalten Krieg an Einfluss in der Welt verliert. Symptome dafür sind: Russische Oligarchen und arabische Scheichs übernehmen englische Fußballclubs, Olympische Spiele und Fußball-WMs finden in China, Südkorea, Russland, oder Qatar statt, der neue Louvre eröffnete in Abu Dhabi. Chinesische Milliardäre kaufen alteingesessene Weingüter in Frankreich und Luxusimmobilien in Vancouver, die neue chinesische Mittelklasse lässt die bisherigen Reiseweltmeister, Amerikaner und Deutsche, bei den Tourismusausgaben zurück.

          „Straßen ins Herzstück der Welt“ argumentiert, dass sich die Vereinigten Staaten und die EU politisch selbst zerlegen, während Asien Spannungen ab- und multilaterale Organisationen aufbaut. Das Herzstück der Welt liegt jedoch zwischen der Türkei und Japan, so Frankopan, wo 4,5 der 7,6 Milliarden Menschen leben und das Gros der Rohstoffe lagert – Öl, Gas, seltene Erden. Was dort passiere, bestimme deshalb den Lauf des 21. Jahrhunderts.

          Eine Billion Dollar

          In „Die Straßen nach Peking“ widmet sich Frankopan der chinesischen „Belt and Road Initiative“. Ausgestattet mit einer Billion Dollar, hat sie das Zeug, China als Weltmacht zu verankern. Mittlerweile sind mehr als 80 Länder Teil des Megaprojekts – in Zentralasien, in Süd- und Südostasien, im Mittleren Osten, in Mittel- und Osteuropa, selbst in Afrika und der Karibik. Peking gibt Kredite für den Bau von Straßen, Eisenbahnen und Häfen, finanziert Kraftwerke, Pipelines und Flughäfen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Da ist zum einen der Energiebedarf der chinesischen Wirtschaft, der bedient wird. Zum anderen kann die chinesische Stahl-, Zement- und Metallindustrie ihre Überproduktion in den gigantischen Infrastrukturprojekten im Ausland absetzen und überflüssige Bauarbeiter dort beschäftigen. Schließlich geht es Peking um Sicherheits- und Machtinteressen: Nachbarn wie Afghanistan sollen durch Infrastrukturprojekte stabilisiert, Territorialansprüche auf das Südchinesische Meer wortwörtlich zementiert, wichtige Knotenpunkte wie Häfen in Sri Lanka, São Tomé und Príncipe, Pakistan, Griechenland oder den Malediven kontrolliert werden. Zugleich kauft sich Peking massiv in rohstoffreiche afrikanische Länder ein und verdrängt die ehemaligen Kolonialmächte und die Vereinigten Staaten als deren wichtigste Handelspartner.

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